Gründung des SPD Ortsverein im Jahre 1878 Bebel und Liebknecht gründeten 1869 in Eisenach aus abgespalteten Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Arbeiter Verein (ADAV, Präsident Lassalle), linken Mitgliedern der Arbeiterbildungsvereine und Gewerkschaften die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), die mit ihren beiden Parteigründern sofort im Reichstag vertreten waren.
Die Reichseinigung hat die wichtigsten Streitpunkte zwischen ADAV und SDAP bezüglich der praktischen Politik überflüssig werden lassen. Bei den Reichstagswahlen 1774 errangen die Eisenacher sechs und die Lassalleaner nur drei Mandate. Die ADAV ergriff die Initiative zu einem Zusammenschluss, der 1875 in Gotha stattfand und die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands aus der Taufe hob. Mit 34000 Mitgliedern war die Sozialistische Arbeiterpartei damals die stärkste Arbeiterpartei der Welt.
Auch im Raum Ludwigshafen - Mannheim vollzog sich eine stürmische, industrielle Entwicklung. So blieb es nicht aus, dass Vertreter der neuen Arbeiterbewegung schon recht bald auch in unserem Ort zu der Bevölkerung sprach. Den ersten öffentlichen Auftritt von Sozialdemokraten in Rheingönheim notierte man am 17. Juni 1877, um 16.30 Uhr, im Lokal "Zum Lamm" des Gastwirts Wilhelm Berlinger in der Hauptstraße. August Dreesbach hielt eine so flammende Rede, dass Bürgermeister Johannes Frey IV. von seinem Amt zurücktrat. Johannes Frey IV. war vom Königlichen Bezirksamt Speyer mit der Überwachung der Versammlung beauftragt worden.
Schon im September des gleichen Jahres folgte in unserem Ort die zweite Volksabstimmung. Zum gleichen Zeitpunkt tauchten auch die ersten Namen von Sozialdemokraten aus Rheingönheim in den Protokollen auf. Es waren Georg Christof Karch, Johannes Magin, Peter Schärf, Phillipp Biffar und Jakob Neumann.
Die verstärkten Anstrengungen, den Arbeiterfamilien zu mehr Rechten zu verhelfen, zeigte im Vergleich der beiden Reichtagswahlen von 1874 und von 1877 schon ihre Früchte:
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Fortschrittler |
Ultramontane |
Sozialdemokraten
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Nationalliberale |
Zentren
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| 1874 |
220 |
3 |
7 |
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| 1877 |
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57 |
193 |
5 |
Man hatte also einen großen Achtungserfolg erreicht, was nicht zuletzt der Arbeit von August Dreesbach und Franz Joseph Ehrhart zuzuschreiben war.
Nach langem Suchen in den verschiedensten Archiven, können wir die Gründung der hiesigen sozialdemokratischen Arbeiterpartei auf Sonntag, den 10. März 1878 im Lokal "Zum Adler" des Gastwirts Georg Berg festlegen. Als Gastredner war Ferdinand Weidemann aus Mannheim zum Thema "Die deutsche Arbeiterbewegung" am Rednerpult. Er hielt eine flammende Rede.
Die Männer der ersten Stunde in unserem Dorf waren:
Anton Müller, Schreiner
Adam Böckler, Arbeiter
Georg Christof Karch, Eisendreher
Johannes Magin, Arbeiter
Philipp Biffar, Steindrucker
Jakob Neumann, Schlosser
Peter Schaerf, Maurer
Doch kaum war in unserem Ort dieser historische Schritt getan, da zerstörte das Sozialistengesetz von Bismarck viele Hoffnungen und Träume. Nicht wenige der aktiven Sozialdemokraten mussten ihre Arbeit in den Untergrund verlegen, immer in der Angst vor Verhaftung. Trotz der Unterdrückungsmaßnahmen zeigte sich, dass die Arbeiterschaft weiterhin die Sozialdemokraten als ihre Interessenvertreter ansah. Die primitive Vorstellung, hinter jeder sozialen Unruhe steckten die vaterlandslosen Aufhetzer der Sozialdemokratie, hielt vor dem Leben nicht stand. Das Sozialistengesetz, gegen das sich bereits wiederholt Linksliberale und Abgeordnete der Zentrumspartei gewandt hatten, wurde 1890 aufgehoben. Die Sozialdemokratie konstituierte sich nun wieder legal als Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).