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Rheingönheims Weg durch die Zeiten - Teil 6
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Rheingönheims Weg durch die Zeiten - Teil 6
Die französischen Revolutionskriege
14 Jahre Annektion durch Frankreich
Schäden an der Gemeinde von 1792 bis 1801
Aus unserem Dorfgeschehen I
Teilnehmer an den Napoleonischen Kriegen
Pächter von kurfürstlichem Besitz im Jahre 1781
Die Freigüter zu Rheingönheim
Betrachtung der alten Sippen unseres Dorfes
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Ich möchten Ihnen Rheingönheims Weg durch die Zeiten der Geschichte vorstellen.

In mühsamer Kleinarbeit haben Dieter Bauer und Walter Schäfer ihre Arbeiten zusammengetragen und in Büchern veröffentlicht:

  • Dieter Bauer "Rheingönheim von der Steinzeit in die Neuzeit" Verlag Mera - Druck GmbH 6902 Sandhausen.
  • Walter Schäfer "Rheingönheim Damals und Heute" Verlag A. Kröner Ludwigshafen - Rheingönheim.

Für die Reise durch die Geschichte wurden auch Vereinschroniken hinzugezogen. Vielen Dank an die Verantwortlichen des Männergesangvereins, der Germania, des TV Rheingönheim, der SPD Ortsgruppe Rheingönheim, der TG "Frei Heil", des SSG Rheingönheim, dem F.C. Arminia, der KG Klotzgrumbeer, der Paddler-Gilde und dem CDU-Ortsverband für deren Informationen. Vielen Dank auch an Frank-Matthias Hofmann und Hanspeter Imhoff für die Zusammenarbeit.

Herrn Dieter Czichon, der sehr viel Zeit und Liebe in die Zusammenstellung der geschichtlichen Ereignisse gesteckt hat, haben wir diese Zusammenstellung zu verdanken.

Lassen Sie sich nun in eine Zeitreise entführen, die in der Steinzeit beginnt und in der Neuzeit endet.



Die französischen Revolutionskriege
Der 1. Koalitionskrieg (1792 bis 1797) hatte die Befreiung des französischen Königs und die Wiederaufrichtung des Feudalsystems in Frankreich zum Ziel. König Ludwig XIV. wird 1793 hingerichtet. Das Volk schuf eine Republik. Die Pfalz wurde zum Tummelplatz verschiedener Kriegsheere. Die Verbündeten wurden zum Rückzug gezwungen. Eine französische Gegenoffensive führte zur Eroberung von Speyer, Worms und Mainz sowie zur Besatzung von ganz Belgien und Aachen. Die gesamte linksrheinische Seite war französisch. In den Jahren 1796/97 führte der in Oberitalien kommandierende General Bonaparte (Napoleon I.) die französischen Truppen von Sieg zu Sieg.

Im 2. Koalitionskrieg (1799 bis 1801) konnten die Verbündeten anfangs in Süddeutschland unter Erzherzog Karl große Erfolge erringen. Das Kriegsglück wandte sich aber, als Zar Paul I. seine Truppen zurückrief und in Frankreich Napoleon die Macht an sich riß. Veränderungen in Mitteleuropa waren die Folgen.

Im 3. Koalitionskrieg 1805 konnte Napoleon bei Austerlitz die Russen und Österreicher besiegen. Die Koalition löste sich auf. Österreich musste im Frieden von Preußburg auf Gebiete verzichten. Preußen gestützt auf ein Abkommen mit Rußland erklärte 1806 den Franzosen den Krieg und wurde in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt besiegt. Im Oktober konnte Napoleon in Berlin einziehen und die Kontinentalsperre verordnen. Napoleons Zwangsherrschaft rief unter den unterdrückten Völkern ein rasch wachsender Widerstand hervor.

Preußen und Österreicher kommen in unsere Gegend. Die Bevölkerung muss Leute zum Schanzenbau abstellen. Pferde und Wagen werden eingezogen. Die meisten der Bewohner unserer Dörfer fliehen über den Rhein auf die badische Seite. Die Franzosen handeln genau wie ihre Generäle angeordnet haben: "Wir fahren fort, das reiche Land unserer Feinde zu verwüsten. Wir schleppen alles in unser Land. Wir lassen den Rheinländern nichts übrig als ihre Augen, ihr Unglück zu beweinen." Die französischen Truppen hausten wie die Barbaren, das Hofgut in Mundenheim und die Rehhütte gehen in Flammen auf. Die Politik der französischen Truppen ist die der verbrannten Erde. Alles wird ausgeplündert, was strategisch wichtig ist wird zerstört und verbrannt. Die Kaiserlichen versuchen eine Notlösung zu finden, um der französischen Übermacht einigermaßen standzuhalten. Am Rehbach kommt es zu einem großen Gefecht zwischen Österreich und Frankreich, die Österreicher verlieren 520 Mann und 114 Pferde. Aus Rache öffnen sie die Schleusen und überfluten etwa 14000 Morgen Ackerland. Die französischen Soldaten stehen stellenweise bis zum Hals im Wasser. Das Regiment zieht sich über Mundenheim und Maudach nach Oggersheim zurück. Die Franzosen räumen den Rehbach und die Stadt Speyer. Ein paar Wochen später kommt es nochmals zu einer kleinen Schlacht am Rehbach. Die Franzosen beziehen Hauptquartier in Schifferstadt. Im Frühjahr ziehen sich die Franzosen dann über den Speyerbach zurück, und die Kaiserlichen bilden eine Art Pufferfunktion zwischen den verfeindeten Nationen.

Mit unverminderter Härte wird jeder Versuch unterdrückt, sich gegen die Besatzungssoldaten aufzulehnen. Schwer hat die Bevölkerung zu leiden, und auch viele Proteste von Gemeinderäten oder Bürgervertretern haben keine positive Reaktion zu verzeichnen.



14 Jahre Annektion durch Frankreich
Napoleon Bonaparte konnte nach zahlreichen Siegen seine politische Vorstellungen in Europa verwirklichen. Er wollte eine französische Hegemonie in Europa verwirklichen. Die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich konnte jetzt erfolgen. Der entsprechende Vertrag wurde 1803 als Reichsdeputationshauptschluß unter Dach und Fach gebracht. Viele Jahre sind vergangen seit die französische Revolution über die Pfalz dahinbrauste. Die geschaffenen Ruinen geben heute noch Zeugnis davon. Viel Gutes wurde zerstört. Die Wunden und Tragödien, die in diese Zeit den Menschen zugefügt wurden sind inzwischen vernarbt und vergessen. Nicht vergessen sind die Zerstörung der Kultur, Architektur und der Kunst. Kirchlicher Besitz wurde in weltlichen Besitz umgewandelt. Die Güter der weltlichen Fürsten wurden enteignet. Somit endete auch die Lehensherrlichkeit im deutschen Reich. Frankreich versuchte mit dem Verkauf der enteigneten Besitztümer an private Personen und zu horrenden Preisen, die leere Kriegskasse wieder aufzufüllen. Bergwerke und Wälder wurden nicht verkauft, sondern verstaatlicht, alle anderen Güter wurden öffentlich versteigert. Die Pfalz kam bei der Neuordnung durch Frankreich zum Departement Mont - Tonnere (Donnersberg). Sie bestand aus vier Verwaltungsbezirken (Arrondissements) und zwar waren diese: Mainz mit 11 Kantonen, Kaiserslautern mit 9 Kantonen, Speyer mit 11 Kantonen und Zweibrücken mit 6 Kantonen. Das französische Militär versuchte die Summe von nahezu 400 Millionen Francs herbeizubekommen.

In Speyer wurde das Domstift, die Stiftskirchen Allerheiligen, St. German und St. Guido eingezogen und verkauft. Das gleiche Schicksal hatten die kurpfälzischen, herzoglich - zweibrückensche, fürstbischöflich - speyerischen, landgräflich - hessischen, markgräflich - badische, fürstlich und gräflich - leiningensche und alle anderen Herrschaften. So belief sich der enteignete Besitz im Speyergau auf:

ca. 804736 Ar Wald
ca. 896120 Ar Acker
ca. 519504 Ar Wiesen
ca. 302208 Ar Wingert

So wurden auch in Rheingönheim/Maudach Landbesitz versteigert und zwar:

ein Gut mit 60 Äckern zu 135 Ar
Wiese zu 28 Ar
Wiese zu 38 Ar
Wiese zu 19 Ar
Wiese zu 23 Ar
Wiese zu 85 Ar

Die Versteigerungen geschahen ohne Zustimmung der ehemaligen Besitzer. Der französische Dieb war reich geworden. Die Eigentümer von Kirchengut warten noch heute auf Entschädigungen.

Recht bleibt Recht - Unrecht bleibt Unrecht!

Es darf sich niemand wundern, dass sich bei der pfälzischen Bevölkerung ein besonders stark ausgeprägter Hass auf die Franzosen aufbaute. Dieser konnte erst nach Ende des 2. Weltkriegs langsam abgebaut werden.



Schäden an der Gemeinde von 1792 bis 1801
Die Franzosen waren im Jahr 1794 für 4 Wochen in unserem Ort. In einer Gemeinderatsitzung vom 28.03.1821 befassten sich die Mitglieder unter dem damaligen Bürgermeister Christof Frey I. mit dem materiellen Schaden, den die französischen Besatzungstruppen hinterlassen haben

Folgendes wurde weggenommen:

70 Pferde
200 Schweine
300 Hühner
3000 Zentner Heu
250 Stück Hornvieh
200 Gänse
3000 Haufen Frucht,
so nicht gedroschen war

Es entstand ein Schaden von 34195 fl Gulden (58000 Mark)

a 100 Gulden (fl) 7000 fl (Gulden)
a 10 fl = (knapp 18 Mark) 2000 fl
a 24 kr (Kreuzer) = 120 fl
a 1 fl = 3000 fl
a 50 fl = 12500 fl
a 1 fl = 200 fl
den Haufen zu 5 Simmen (Getreidegewicht), Gerst, Korn und Spelz = 9375 fl

Zusätzlich wurden 50 Morgen Gemeindewald abgeholzt. Hier handelte es sich um Eichen, Rüstern und Obstbäume. Zum Teil wurde das Holz verbrannt, zum Teil für die damaligen Festungswerke der Rheinschanze bei Mannheim verwendet. Der Waldschaden wird auf gut 40000 Gulden geschätzt.

Im Jahre 1795 musste unser Dorf Verpflegung in Höhe von 6000 Gulden an die Soldaten abführen. Ferner wurde von den Truppen die gesamte Ernte vernichtet. Auch entstand durch Brandschatzung ein Schaden von 7300 Gulden.

Im Jahr 1796 brachte wiederum durch Verpflegung und Vernichtung der Ernte einen Schaden von 30000 Gulden für unser Dorf.

Im Jahre 1797 plünderten die Franzosen beim Rückzug unser Dorf, wobei ein Schaden von 6000 Gulden entstanden war.

Die Jahre 1798 bis 1801 brachten weitere Kosten in Höhe von 20720 Gulden.

In den Heimatblättern für Ludwigshafen und Umgebung Nr. 3/1918 wird berichtet, dass in jener Zeit die Gemeindekasse wieder von den Franzosen beansprucht wurde. In der Zeit von 1798 bis 1800 weilten die Generäle Ney, Lorcet und Joba mit zahlreichem Gefolge nebst ungenannten Bataillonschefs und Mannschaften des öfteren in unserem Dorf.

Die Kosten beliefen sich auf:

an Bargeld zu zahlen - 862 fr 50 cent
an gebündeltem Heu - 62 Zentner
an Gebund Kornstroh - 50 Gebund
an Weizen - 16 Scheffel
an Korn - 16 Scheffel

Außerdem mussten Leute zum Schanzen abgestellt werden.



Aus unserem Dorfgeschehen I
Ab dem Jahre 1743 finden wir Eintragungen in Bürgerbüchern und Standesakten. Es finden mehrere Gerichtstage pro Jahr in unserem Dorfe statt. Im Jahr 1747 erging ein Erlass gegen das nächtliche Saufen, Fressen und Juchzen in den Wirtshäusern.

Eines Nachts wurde in Rheingönheim der Freiheitsbaum abgehackt. Es kam zu einer Untersuchung durch den Friedensrichter zu Mutterstadt. Die Schuldigen wurden nicht gefunden. Die entstandenen Kosten von 19 fr 82 Cent musste die Gemeindekasse tragen.

Ein Darlehen von etwa 18700 fr müssen in den Jahren 1745/1746 aufgenommen werden, um Kriegskosten abzudecken.

Um 1750 war ein Johannes Muth Gemeindeschmied in Rheingönheim, worüber eine Spezifikation von Schmiedearbeiten in ungelenker Handschrift Zeugnis gibt, nachzulesen in den Heimatblättern von Ludwigshafen und Umgebung Nr. 5/1936.

Am 26. Februar 1751 erhielt der Oberschultheiß, Joseph Anton Lanius vom Pfalzgrafen Carl Theodor seinen Bestallungsbrief für den Bezirk Oggersheim - Rheingönheim.

1752 wird es Jugendlichen bei Geldstrafe verboten, die Spinnstuben zu besuchen.

Ein neues Feldgrenzrecht wird 1759 eingeführt, um jahrelange Streitigkeiten zu beenden.
1764 werden Neuregelungen der Feldgesetze erforderlich. Dieses ist eine Folge der vielen Felddiebstählen rund um Rheingönheim.

Im Jahre 1785 wurde der Gemeinde Rheingönheim die Seidenraupenzucht auferlegt. Jeder Bürger war verpflichtet 6 Maulbeerbäume zur Seidenraupenzucht zu halten. Der Ertrag wurde zur Kriegskostenabtragung verwendet.

1785 kam es zur Gründung eines Brandinstituts (Versicherung) zwischen Dannstadt, Mutterstadt, Maudach, Mundenheim, Neuhofen, Altrip, Friesenheim, Oppau, Edigheim und Rheingönheim. Im Jahre 1887 wurde das Brandinstitut durch kurfürstlichen Befehl auf 16 Gemeinden ausgedehnt. Infolge eines Brandes mussten an unser Dorf die ersten Zahlungen geleistet werden.

In Rheingönheim kam es wegen der Verteilung von Weideplätzen zu großem Streit.
Nach einer Feststellung vom 26. November 1788 gab es in Rheingönheim 110 Familien, die zusammen nur 400 Morgen Land besaßen. Von den 110 Familien waren 44 mit Zugvieh versehen, das waren die Bespannten, die übrigen 66 hießen die Unbespannten. Der meistbegüterte Bürger in Rheingönheim hatte nicht mehr als 25 Morgen. Die kirchlichen und adligen Freigüter in der Umgebung hingegen umfassten 2179 Morgen Ackerland und Wiesen.
Bei dem geringen Umfang des Eigenbesitzes der Rheingönheimer Ortsbewohner war es kein Wunder, dass diese sehr darauf drängten, von dem Gemeindegut den ihnen zustehenden Teil zu erhalten. Recht traurig war die Lage der zahlreichen vollständig Mittellosen, nur die Älteren konnten in den Genuss von je 3 Morgen Allmenden gelangen. Ein Teil der Viehweide wurde gerodet, und die Bürger sollten ihre Lose zugeteilt erhalten. Die Begüterten wollten einen größeren Anteil haben als die Unbegüterten. Ihre Begründung zu einer Bevorzugung war: Bisher hätten sie größere Anteile an Weide gehabt, und wegen des Kleeanbaues sind sie auf die ungerodeten Weidestücke angewiesen. Auch müssen sie mehr zu den herrschaftlichen und gemeindlichen Lasten beitragen. Dem Landesherren selbst sei daran gelegen, die Bespannten und begüterten Untertanen zu erhalten und die Vermehrung des Viehstandes zu fördern.
Die Minderbemittelten waren damit nicht einverstanden, sie wollten gleich große Lose wie die Bespannten. So entspann sich in Rheingönheim ein Klassenkampf im kleinen, wobei die meisten kurpfälzischen Beamten die Belange der Besitzenden vertraten, während der Kurfürst Karl Theodor die Besitzlosen gerecht zu behandeln bestrebt war.
Es wurde eine Kommission eingesetzt, um die Streitigkeiten zu schlichten. Sie bestand aus dem Hofgerichtsrat Dawan, dem Geheimrat von Maubuißon, seinem Sohn, dem Oberschultheißen von Oggersheim und einigen unparteiischen Schultheißen und Gemeinderäten der Nachbarorte. Die Kommission traf im April 1788 in Rheingönheim ein und tagte auf dem Friedhof. Alle Wirtshäuser wurden geschlossen. Zur Vorsorge vor Unruhen hatte man eine kleine Abteilung Dragoner unter einem Unteroffizier nach Rheingönheim kommen lassen. 70 weitere Männer von auswärts, die früher als Soldaten gedient hatten, waren anwesend.
Die Kommission redete den Taglöhnern gütlich zu und mahnte sie, ihre Frauen und Kinder nicht unglücklich zu machen. Acht Tagelöhner gaben sich zufrieden, die übrigen, nahezu 60, beharrten steif und fest auf ihrem Verlangen. Es kam zu Unruhen. 13 Rädelsführer wurden durch die Kommission in den Kirchturm eingesperrt. Ein Rädelsführer kletterte in die Höhe des Turmes, um seinen Mitstreitern mit der Faust zu winken. Die Kommission ließ hierauf zwei Wagen holen, um die 13 Rädelsführer nach Mannheim zu bringen. Es kam zu einem lang andauernden Tumult. Als die Wagen mit den Gefangenen abfuhren, folgten die übrigen Tagelöhner den Gefangenen zum Dorf hinaus. Sie wollten ihre Kameraden nicht verlassen und sie trotz Verbot bis nach Mannheim begleiten. An der Rheinschanze wurden sie vom kommandierenden Offizier zurückgewiesen.
Die Rädelsführer wurden in Mannheim vor den Stadtdirektor, den Anwaltschultheißen, Bürgermeister und Rat gebracht, um in der Marktschreiberstube eingesperrt zu werden. Über den Stand der Dinge wurde dem Kurfürsten nach München berichtet. Dieser verlangte vom Freiherrn von Oberndorff, dem Stadthalter der Pfalz, die auf Befehl der Oberschultheißerei Oggersheim nach Mannheim in Gefangenschaft gebracht wordenen Mitbürger aus ihrem Arrest zu entlassen. Der ernannten Kommission in Rheingönheim erging der Befehl mit derlei zudringlichen Verfahren einzuhalten. Die Taglöhner gingen gerechtfertigt nach Hause, die übereifrigen Kommissionsmitglieder werden von der kurfürstlichen Anordnung nicht sehr erbaut gewesen sein. Der Oggersheimer Oberschultheiß von Maubuißon, der obrigen Bericht über das " Exekutionsgeschäft in Sachen der unbegüterten Bürger zu Rheingönheim gegen die Begüterten " am 28. April 1788 an den Kurfürsten verfasste, bat den Kurfürsten, die Widerspenstigen nicht nach der wirklichen Strenge der Gesetze zu behandeln, sie seien alle Familienväter. In seinem Bericht fragt er den Kurfürsten, wie es mit dem großen Verbesserungsplan der Weidaufteilung und Urbarmachung des Bruches weiter gehen soll. Die Leute werden nicht mitwirken wollen und meint, die kurfürstliche Landesregierung darf nur erlauben, dass die liegen gebliebenen Lose aus gemeinen Mitteln urbar gemacht und die Unkosten durch Spezialregister erhoben werden.
Kurfürstliche Beamte gingen weiter gegen Rheingönheimer Aufwiegler vor. Vier von den so genannten unbespannten Bürgern, welche sich der Weideumrottung und Verlosung auf eine höchst strafbare Art widersetzten werden trotz schon erlittenem Arrest acht Tage auf die Marientraut nach Neustadt verbracht. Die kurfürstliche Regierung in Mannheim erteilt im Juni dem Oberamt Neustadt den Befehl, die auf Marientraut in Haft gebrachten Rheingönheimer Gemeindeglieder, sogleich zu entlassen. Im April 1789 überreichte der Rheingönheimer Ortsvorstand dem Oggersheimer Oberschultheißen ein Schreiben mit der Schilderung der verwirrten Zustände, die seit einem Jahr unter den bespannten und unbespannten Bürgern herrschen.
Der Oberschultheiß meldet daraufhin an das Oberamt Neustadt, dass die Tagelöhner in Rheingönheim die Autorität der Gemeindevorsteher untergraben. Deren Anordnungen werden verspottet. Durch das zügellose Verhalten dieser Leute wird die allgemeine Dorfwohlfahrt behindert. Die Tagelöhner würden eine Gemeinde in der Gemeinde bilden, angeführt von einem schlechtbeleumundeten Menschen. Das Dorf war im blühendem Zustand ehe die Unordnung entstand. Das Oberamt Neustadt möge helfen, die gute Ordnung wieder herzustellen.



Teilnehmer an den Napoleonischen Kriegen
An den geschilderten Napoleonischen Kriegen nahmen folgende uns namentlich bekannte Rheingönheimer Bürger teil:

Philipp Zickgraf, 22 Jahre
Jakob Frey, 23 Jahre
Peter Klamm, 23 Jahre
Georg Wagner, 24 Jahre
Martin Halmer, 26 Jahre
Karl F. Dittler, 27 Jahre
Peter Hix, 23 Jahre
Michael Weigel, 20 Jahre
Heinrich Ohligmacher, 22 Jahre
Christoph Schwarz, 30 Jahre
Balthasar Weber, 30 Jahre
Samuel Hirsch, 25 Jahre
Michael Beringer, 22 Jahre
Peter Käß, 25 Jahre

Während den Kriegen kam es zu Beschwerden von Bürgern aus Rheingönheim über so genannte Drückeberger, die unter verschiedenen Vorwänden müßig in ihren Heimen blieben, um nicht mehr ihrem Land zu dienen. Derartige Missbräuche zu unterdrücken, wäre Aufgabe der konstituierten Behörde. Die Armee, geschwächt genug durch die echten Kranken, kann nicht jenen erlauben, die imstande sind zu kämpfen, sich im Hintergrund zu halten. Die Eröffnung eines starken und entscheidenden Feldzuges erlegt allen die Pflichten auf, sich ohne Aufschub mit ihrem jeweiligen Korps wieder zu vereinigen. Die Drückeberger sollen veranlasst werden sich sofort bei ihren Einheiten zu melden.



Pächter von kurfürstlichem Besitz im Jahre 1781
Folgende Bürger waren Pächter von kurfürstlichem Besitz:

Das Frohngut (221 Morgen )
Pächter: Ferdinand Eiserle, Christian Frey, Michael Klamm, Philipp Klamm

Das Hiliansgut ( 221 Morgen )
Pächter: Peter Baumann, Martin Klamm, Peter Klamm, Christoph Frey

Das Hiliansgut ( 221 Morgen )
Pächter: Adam Völker, Michael Kuhn

Das Rheinwaldgut ( 158 Morgen )
Pächter: Martin Klamm, Philipp Baumann, Peter Muth, Philipp Muth

Das Dillmannsgut ( 157 Morgen ) groß
Pächter: Christoph Monz, Christoph Baumann, Philipp Baumann, Adam Mennert

Das Dillmannsgut (156 Morgen ) klein
Pächter. Joahnnes Frey, Peter Frey, Michael Kuhn, Karl Frey

Das Schleichengut ( 94 Morgen )
Pächter: Jakob Biffar, Philipp Zickgraf

Das Gutmannsgut ( 155 Morgen )
Pächter: Christoph Baumann, Michael Greif

Das Präsenzgut (145 Morgen )
Pächter: Ludwig Frey, Christoph Frey, Nikolaus Hauck, Peter Hauck

Das große Frühmessgut ( 48 Morgen )
Pächter: Karl Reich, Ludwig Frey

Das kleine Frühmessgut ( 49 Morgen )
Pächter: Peter Baumann, Michael Frey

Das neue Pfalzgut
Pächter: Peter Emberger, Jakob Klamm

Gesamtpacht pro Jahr an Neustadt: 660 Zentner Korn, 220 Zentner Hafer.



Die Freigüter zu Rheingönheim
Die so genannten Freigüter zu Rheingönheim umfassten 2152 Morgen an Land. Den Pächtern ging es gut. Der Pachtzins war niedrig. Bei Missernten gewährte man Ermäßigungen. Manche Pächter hatten Teile von mehreren Gütern. Als Pächter treten die Familien Frey, Baumann, Klamm, Eiserle, Deuschel, Hauck, Völcker, Muth, Zickgraf, Kuhn, Reich, Biffar und Emberger in Erscheinung. In Rheingönheim wurden nur zwei Güter versteigert. Alle Güter waren in Erbstand vergeben worden. Die Erbpächter durften ihr Pachtland behalten. Da die französische Regierung Geld für Kriegsführung brauchte, bot sie die Zahlung des gesamten Zinses für die Jahre 1806 bis 1808 an. Nach dieser Zeit hatten die Pächter und ihre Nachkommen das ewige Eigentum. Sie konnten nach ihrem Gutdünken über ihre Güter verfügen. Bei Verkauf braucht nicht mehr um Erlaubnis nachgesucht werden. Viele Zinsbauern wurden freie Bauern. Der Wert von Grund und Boden begann zu steigen. Der Wohlstand in unserem Dorf wuchs. Die Bestellung gestaltete sich besser, denn der Eigner baut das Feld mit mehr Sorgfalt an, als der Pächter. Der Boden ernährte mehr Leute. Die Veränderungen wirkten sich nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Allgemeinheit günstig aus.

Kirchliche Güter in Rheingönheim:

Das Domherrengut ( 94 Morgen )
zwischen Sommerfeld, Mühlgraben und Mühlweg

Das Limburgergut ( 94 Morgen )
Pächter: Peter Gimmy, Adam Frey, Wilhelm Deuschel, Peter Kirschner

Das Hördter Gut ( 92 Morgen )
Pächter: Johannes Frey, 2 auswärtige Personen

Das Heiliggeist - Gut ( 82 Morgen )
dem Waisenhaus Speyer zu eigen

Das Hundsgut ( 59 Morgen )
benannt nach dem Edlen Hund von Saulheim dem Domkapitel Speyer zu eigen

Das Löwensteinische Gut ( 56 Morgen )
ehemals Warsbergisches Gut, dem Domkapitel zu eigen

Das Eppsteiner Frühmeßgut ( 42 Morgen )

Das Pfarrgut ( 50 Morgen )



Betrachtung der alten Sippen unseres Dorfes
In einem Taufbuch des 18. Jahrhunderts lassen sich die Familien Greß, Völker, Köhler, Klamm und Gimmy nachweisen. Am stärksten vertreten waren die Sippen der Baumann und Frey. Eine der stärksten Sippen waren die Kirschner, die in fünf verschiedenen Stämmen auftraten. In den Jahren 1724 bis 1729 tauchen dann zum ersten Male die Namen Reimer, Hesch und Teutschel auf. Der Name Teutschel taucht in verschiedener Schreibweise auf. Die Namen Neumann und Halmer kommen in Rheingönheim erstmals im Jahre 1782 vor.
Im Jahre 1786 heiratet ein Anton Hollenbach eine Barbara Haack. Der Geburtsname der Frau entstammt einem alten Rheingönheimer Stamm, der Name des Mannes taucht zum ersten mal hier auf. Im Jahre 1518 taucht der Name Zickgraufft ( Zickgraf ) als Schultheiß von Rheingönheim auf.

Im folgenden noch einige alte Sippen und das Jahr der schriftlichen Niederlegung in Klammern:

Jakob Schneider ( 1758 ) - Hans Schmidt ( 1590 ) - Georg Harsch ( 1613 ) - Peter Bauer ( 1616 ) - Christoph Baumann ( 1758 ) - Anna Maria Staudinger (1758) - Peter Kirschner ( 1738 ) - Peter Kemder ( 1773 ) - Anna Baumann ( 1806 ) - Hans Dieter Bruch (1635 ) - Melchior Eiserle ( 1692 ) - August Grüner ( 1825 ) - Peter Grüner ( 1869 ) - Elisabeth Deuschel ( 1848 ) - Wilhelm Zech ( 1830 ) - Philipp Hollenbach ( 1841 ) - Johannes Kaiser ( 1868 ) - Adam Kettner (1731 ) - Johann König ( 1746 ) - Karl Lang ( 1726 ) - Gertrud Lindenfelser ( 1790 ) - Peter Muth ( 1759 ) - Johann Nilli ( 1735 ).

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 28. November 2008 um 10:25 Uhr
 

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