Einfall der HunnenEs kam noch eine grauenhaftere Verwüstung aus den östlichen Teilen Europas in Form der Hunnen auf uns zu. Dieses mongolische Reitervolk hatte ursprünglich im Inneren Asiens in den riesigen Sandsteppen der Hochtäler seine Wohnsitze. Reiterhorden begannen im Jahre 375 n. Chr. nach Europa vorzustoßen. Niemand war ihnen gewachsen. Die erschreckten Völker wichen vor ihnen zurück. Zeitgenössische Beobachter beschreiben die Hunnen wie folgt: Sie haben einen gedrungenen Körperbau. Ihre Kleidung besteht aus grober Leinwand oder Fellen. Sie zeigen eine solche Abhärtung, dass sie weder des Feuers noch der Zubereitung einer Speise bedürfen. Sie leben von wilden Wurzeln, auch von halbrohem Fleisch aller möglichen Tiere, das sie auf den Rücken der Pferde legen und darauf sitzend, warm reiten. Ständig durchstreifen sie Gebirge und Wald, und sind somit früh daran gewöhnt, Reif, Hunger und Durst zu ertragen.
Im Jahre 451 überfiel Attila mit seinen barbarischen Reiterhorden den Rheingau und hinterließ nichts als eine verwüstete, verbrannte und menschenleere Landschaft. Einige wenige Bewohner unserer Gegend hatten sich in die Wälder retten können. Alle anderen Menschen waren gefallen oder verschleppt. Die Städte Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Metz, Trier und Köln waren verwüstet, geplündert, ausgebrannt.
Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, kam es zu einem Bündnis der Römer unter Aetius, Theoderich von den Goten, mit Meroväus von den Franken, sowie mit den Burgundern, Sarmaten und Ripuariern. Nach einigen kleineren Gefechten kam es in einer mörderischen Riesenschlacht auf dem mauricensischen Feld bei Troyes am Oberlauf der Seine im Jahr 451 n. Chr. zur Entscheidungsschlacht. Der Hunnenkönig Attila wurde geschlagen. Die Hunnen sahen sich gezwungen vom Schlachtfeld abzuziehen. Attila fiel in Italien ein, zerstörte Mailand und Pavia. Er bedrohte sogar Rom. Attila heiratete eine germanische Königstochter und starb im Jahre 453 n. Chr. Die Hunnen zogen sich nach dem Tode Attilas zurück und spielten im weiteren Verlauf der Geschichte keine Rolle mehr. Die Rettung Europas, vor den Reiterhorden aus Innerasien, mussten über 150000 Menschen mit dem Leben bezahlen.
Franken und SalierNach der erfolgreichen Abwehr der Hunnen nahmen die Alemannen die ganze Rheinebene in Besitz. Jahrzehnte widerstanden sie den Angriffen der Römer, Burgunder, Goten und Franken. Wie grauenhaft die Verwüstungen und Zerstörungen in unserer Gegend waren, lässt sich nur erahnen. In dieser Zeit entstanden durch die römischen Geschichtsschreiber keine Berichte mehr. Die Alemannen hinterließen von ihren Gebieten an Queich, Speyerbach oder Rehbach keine Denkmäler oder Schriften, da sie eine noch zu tiefe Bildungsstufe hatten. Um das Jahr 480 n. Ch., als Theoderich der Große fast ganz Italien erobert hatte, begann der Aufstieg des Fürsten Chlodwig aus dem Geschlecht der Merowinger. In drei großen Feldzügen verdrängte er alles, was ihm gefährlich werden konnte. Und schon im Jahre 496 n. Ch. war Chlodwig der mächtigste germanische König neben Theoderich dem Großen. Die Salier und Ripvaner, zwei Volksstämme aus der Gefolgschaft von Chlodwig, waren vorwiegend in unserer Gegend ansässig. Die Salier waren niederrheinische Franken, die Ripvaner sind mittelrheinische Franken. Es folgte nun eine ruhige Epoche, die von der Bevölkerung dankend angenommen wurde. Chlodwig heiratete eine Christin aus Burgund und nahm nach einer gewonnenen Schlacht im Raume Aachen aus Dankbarkeit das Christentum an. Es kam zu grundlegenden Änderungen. So entstand unter der Herrschaft von Chlodwig das Lehnwesen. Er belohnte treue Dienste mit der Vergabe von Landstücken samt Dörfern und Menschen, die da wohnten. Bis zum Tod blieb das Land dann als Lehen bei seinem Lehnsträger, der hierfür aber auch Zahlungen an das Herrscherhaus und somit an seinen Lehnsherren zu leisten hatte. Viele Leute wurden infolge großer geleisteter Dienste in einen besseren Stand erhoben. Es entstanden in jener Zeit die Begriffe wie Hausmeier, Mundschenk, Truchseß, Kämmerer, Lehnsherr, Versall, Vogt und noch viele mehr. Titel und Privilegien, die sich über hunderte von Jahren halten sollten.
Für die geschichtliche Entwicklung von Rheingönheim begann ein wichtiges Kapitel um das Jahr 580.
Irische Missionare und wandernde Mönche begannen, in den schönen Auen entlang des Rheins Dutzende von Kirchen und Klöstern zu gründen. Damit wurde langsam aber sicher die Voraussetzung für die kirchliche und kulturelle Einheit des Abendlandes geschaffen. Angelsächsische Missionare predigten in unserer Gegend und gründeten die noch heute teilweise existenten Klöster. Laut einem verbrieften Recht waren die kaiserlich - römischen Großgüter schon seit der römischen Besatzungszeit von allen Zahlungen befreit gewesen. Die Franken übernahmen diesen Usus und erweiterten ihn sogar insofern, dass alle auf dem Besitz wohnenden Personen als oberste Gerichtsinstanz den jeweiligen Vogt der kirchlichen Herren anerkennen mussten. Dies führte schon zu ersten Spannungen zwischen Adel und Kirche.
Der geschichtliche Abschnitt, den wir Altertum nennen endet - das Mittelalter begann.
Das Frankenreich des MittelaltersIn unsere Gegend kamen um das Jahr 600 n. Chr. Mönche aus Irland. Sie wollten das durch die Wirren der Zeit verwilderte Christentum im Frankenreich erneuern. Die uns wohl bekanntesten Missionare waren Columban, Gallus, Killian, Pirmin und Bonifatius. Bonifatius missionierte vorwiegend bei uns in der Gegend. Das von ihm gegründete Kloster Fulda wurde Mittelpunkt seiner Missionstätigkeit. 732 n. Chr. wurde Bonifatius zum Missions - Erzbischof für Germanien ernannt. Der Bischofsitz war Mainz. Ein Ereignis in der fränkischen Geschichte stellt der Staatsstreich Pippins im Jahr 751 dar. Die Merowingerdynastie wird entmachtet und dem karolingischen Hausmeier mit Unterstützung des Papstes die Königskrone verliehen. Er half in den Jahren 751 dem Papst in Rom gegen die anstürmenden Langobarden. Pippin übergab nach seinem Sieg das Gebiet von Rom und Ravenna dem Papst zum Geschenk. Durch diese Schenkung war somit der Kirchenstaat entstanden. Zur kirchlichen Macht kam die politische Macht, die sich bis heute gehalten hat.
Gesichert hat sich Pippin seine Herrschaft, indem er seine beiden Söhne, den 747 n. Chr. geborenen Karl und den vier Jahre jüngeren Karlmann, durch Papst Stephan II in Saint - Denis zu Königen salben ließ. Nach dem Tode von Pippin im Jahr 768 n. Chr. übernahmen beide Söhne die Herrschaft ihrer zugewiesenen Reichsteile an. Der plötzliche Tod Karlmanns im Jahr 771 n. Chr. hat den Ausbruch von Feindseligkeiten verhindert. Die fränkische Geschichte hat eine neue Richtung erfahren. Es kam bald zu Streitigkeiten mit den Langobarden. Beim Langobardenkönig befand sich Karlmanns Witwe mit ihren Kindern. Nach dem Sieg über die Langobarden krönte Karl sich selbst zum König der Langobarden. Er nahm eine Tochter des ehemaligen Langobardenkönigs zur Frau.
Als Schutzherr von Rom einigte sich Karl der Große mit dem Papst über die Regierung der christlichen Welt. Karl versprach dem Papst, sich mit der ganzen Kraft für die Ausbreitung des Christentums einzusetzen, der Papst wollte die königliche Gewalt anerkennen und unterstützen. Im Jahre 772 n. Chr. begann Karl der Große dann, auch die letzten noch heidnischen Stämme der Sachsen zu christianisieren. Hier kam es zu Aufständen, die von Widukind angeführt wurden, in deren Verlauf es 782 n. Chr. zu dem berüchtigten Strafgericht bei Verden an der Aller kam, an denen die Rädelsführer hingerichtet wurden. Widukind ließ sich 785 n. Chr. taufen. Die Christianisierung war im Jahre 804 n. Chr. endlich mit der zwangsweisen Aussiedlung von Sachsen in das Frankenreich abgeschlossen. Dies führte dazu, dass in unserer Gegend die Vermischung der verschiedenen Rassen immer weiterging.
In den Jahren 787 und 788 n. Chr. wurde das damalige Gebiet des Königreiches Bayern in das Frankenreich einverleibt.
Zum Schutz des Reiches schuf Karl so genannte " Marken ", die lange Zeit die Sicherung gewährleisteten. Die dort eingesetzten Markgrafen waren mit vielen Sonderrechten ausgestattet. Große Ländereien wurden als Grafschaften an verdiente Personen zum Lehen gegeben.
So hatte Karl in nur 30 Jahren ein Großreich geschaffen. Er hatte sein Erbe verdoppelt, die Grenzen gesichert. Das Christentum breitete sich aus, Bistümer und Klöster entstanden in allen Teilen des Reiches. Eine Hauptstadt gab es nicht. Im Reich verteilt gab es die " Pfalzen " (von lat. palatium = Palast). Dort hielt Karl der Große dann Hof. Bekannte Pfalzen waren Aachen, Worms, Ingelheim, Frankfurt. Die Kultur erlebte in unserem Raum so genannte Hochkonjunktur. Am Weihnachtstag des Jahres 800 n. Chr. krönte Papst Leo III König Karl zum Kaiser von Rom.
Das Reich Karls hatte wenig große Städte, dadurch war die Landbevölkerung in der Überzahl. Karl führte eine neue Art der Bodenbewirtschaftung ein, die Dreifelderwirtschaft - Sommerfrucht, Winterfrucht und Brachland. Leider entstand aber auch in dieser Zeit besonders unter den Bauern der Begriff der Hörigkeit.
Karl der Große starb am 28. Januar 814 n. Chr. im Alter von 72 Jahren und wurde noch am Todestag in der Aachener Pfalzkapelle bestattet. Sein Nachfolger war Ludwig der Fromme, der von 814 bis zum Jahre 840 n. Chr. regierte.
Gedanken über den Namen unseres OrtesBei Nachforschungen durch D. Bauer ergaben sich zahlreiche verschiedene Schreibweisen unseres Ortsnamen. Anhand von Karten, Urkunden und Handschriften, die er zusammen getragen hat, sind es fast 40 Variationen.
Hier nur einige Beispiele:
788 Ginheim - 831 Geginheim - 893 Geinheim - 1220 Geynheim - 1258 Gegenheim - 1291 Genheim - 1390 Ryngeinheim - 1439 Ringeinheim - 1440 Ryngeynheim - 1482 Ryngenheym - 1494 Ryngenheim - 1533 Reyngeynnem - 1749 Rheingenum - 1816 Rheingoenheim - 1848 Rheingöhnheim - ab 1853 Rheingönheim.
Lange Zeit verliefen die Namen für Rheingönheim und Fußgönheim gleich.
Recht früh erscheint dennoch für unseren Ort die Vorsilbe nach seiner Lage, nämlich das Wort "Rhein", in der Zeit angepassten jeweiligen Schreibweise.
Die Reichsabtei LorschIm Jahre 764 entschlossen sich die aus adligem Geschlecht stammende Williswinda, Witwe des Grafen Rupert, und ihr Sohn Gaugraf Cancor im Rheingau, auf ihrem Besitz an der Weschnitz westlich von Heppenheim ein Kloster zu gründen. Die Gründer der Abtei Lorsch wollten sich und ihrer Familie einen geistig - geistlichen Mittelpunkt geben. Lorsch gehörte zu den wenigen Klostern die rechts des Rheins entstanden. Es glich einem römischen - fränkischen Landgut. Die ersten Jahrhunderte ihres Bestehens hatte die Abtei dem Benediktinerorden angehört. Die ersten Mönche kamen aus dem Kloster Gorze bei Metz mit dem Abt Chrodegang. Da Chrodegang bereits im greisen Alter war, gab er den Hirtenstab an seinen jüngeren Bruder Gundeland weiter. Dieser begann mit dem Bau eines größeren Klosters. Abt Gundeland schenkte das Lorscher Benediktinerkonvent Karl dem Großen. Es wurde königliches Eigentum, Königskloster also Reichsabtei. Es bekam Reichsfreiheit und das Zugeständnis zur freien Wahl des Abtes. Das Kloster diente auch als Kaiserpfalz. Nach der Lorscher Überlieferung reichte der Wormsgau vom Rhein bis zur Nahe und zum Glan. In Lorsch hatte man keine sichere Anschauung von den Grenzen zwischen Wormsgau und Speyergau. Die Besitztümer in unserem Ort sowie Assenheim, Schauernheim, Fußgönheim, Ellerstadt, Gönnheim und Wachenheim werden in den Speyergau gesetzt.
In unserer Gegend wurden der Abtei überwiegend Weingärten, einzelne Äcker und Wiesen geschenkt. Hierbei wird der Acker nach Morgen berechnet, die Wiesen nach Karren Heu und die Weingärten nach dem Ertrag, also nach Huben.
Der " Codex Laureshamensis " bildet die umfassendste Urkundensammlung und Hubliste aus dieser Zeit. Wir finden auch eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 770 n. Chr., in der unser Ort zum ersten Mal erwähnt wird. Eine weitere Schenkung aus dem Jahre 788 n. Chr. bringt dem Kloster Lorsch 2 Morgen Ackerland in der " Ginheimer marca ".
König Karl der Große bestätigt die Schenkungen in einer Urkunde an den Abt Gundeland aus dem Kloster Lorsch.
Kloster Prüm in der EifelAusgangs des 9. Jahrhunderts ging die Herrschaft der Karolinger langsam zu Ende. Aus dem Karolingerreich entwickelte sich nun allmählich Deutschland und Frankreich. Nach der kurzen Regierungszeit von Konrad, trat mit Heinrich I. zum ersten Mal ein Sachsenherzog das Erbe der Karolinger an. Es begann das hochmittelalterliche Reich der sächsischen und salischen Kaiser. Nach Heinrich I. übernahm dessen Sohn Otto I. die Regierungsgewalt. Unter ihm wurden Bischöfe und Äbte zu den Stützen des Königtums. Zur Friedenssicherung des Reiches wurden überwiegend Verwandte mit den Herzogtümern belehnt. Die kirchlichen Positionen wurden durch Verleihung weltlicher Herrschaftsrechte gestärkt. Otto I. förderte die Ausbreitung des Christentums. Bistümer wurden gegründet denen große Landesteile zur Stärkung zugeeignet wurden.
Otto II., sein Sohn, wollte die Politik des Vaters fortsetzen, doch es war seiner Regierungszeit kein Erfolg beschieden. Otto III. übernahm nach dem frühen Tod seines Vaters mit fünfzehn Jahren die Regierung, doch schon mit 22 Jahren starb er in Italien. Dazu kam, dass in dieser Zeitspanne wie früher die Hunnen, jetzt die Ungarn aus Osten einfielen. Sie brachten das ostfränkische Reich und dessen Nachbarschaft in schwerste Bedrängnis. Nach dem das mährische Reich 906 n. Chr. unter ihrem Ansturm zusammengebrochen war, fielen sie in immer neuen Zügen in Sachsen, Bayern und Schwaben ein und brachen jeden Widerstand. Als die Ungarn 955 n. Chr. erneut die Grenzen überschritten und ihr Hauptheer Augsburg belagerte, wurde die Stadt zunächst von Bischof Ulrich verteidigt. Dann rückte König Otto mit einem starken Heer bestehend aus Sachsen, Schwaben, Bayern, Franken und Böhmen vor. Ihm zur Seite stand sein Schwiegersohn Konrad der Rote. Am 10.08.955 n. Chr. begann die Schlacht auf dem Lechfeld, die mit einer vernichtenden Niederlage der Ungarn endete. Konrad der Rote musste seinen Einsatz mit dem Leben bezahlen.
Später bestieg mit Konrad II. der erste Salier den Thron des Reiches. Im Zuge der Landstiftungen an kirchliche Institutionen kam das Dorf Geinheim in die Lehenspflicht des Klosters Prüm in der Eifel. Dieses ist ersichtlich aus Eintragungen im " Prümer Urbar ", einer Handschrift, die alle Besitztümer aus der damaligen Zeit aufzeichnete. Auch fallen in diese Zeit die ersten urkundlichen Belege über die Existenz von Rheingönheim.
Wie schon erwähnt ist in einer Urkunde aus dem Jahre 770 bis 771 n. Chr. eine Landschenkung an das Kloster Lorsch vermerkt. Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 788 zeigt eine Landschenkung von 2 Morgen Land an das Kloster Lorsch.
Viele Bewohner unserer Gegend, vor allem Handwerker aber auch Künstler, fanden in den Klöstern Arbeit und Brot. Leute, mit denen das Kloster Prüm Geschäfte tätigte, waren Freie, so genannte Grundherren. Der Besitz der damaligen Zeit waren meistens Haus und Hof, etwa 30 Morgen Ackerland und Wiesen. In den Weingegenden war etwas Wingert sowie Anteil an gemeinsamen Weiden, Wälder und Gewässer dabei. Die Grundherren vergaben dann Grund und Boden an einen grundhörigen Bauern, der gegen bestimmte Abgaben die Hufe bewirtschaftete. Im Prümer Urbar begegnen uns zwei Arten von Bauern, nämlich Leibeigene und Freigelassene. Die Leibeigenen konnten verkauft werden wie Ware, die Freigelassenen blieben sozial von der Grundherrschaft abhängig, konnten jedoch nicht verkauft werden. Ein " Meier " sammelte im Auftrag der Grundherren Zinsen und Abgaben, die sie für die Nutznießung der Hufen schuldig waren. Nach dem Prümer Urbar besaß das Kloster folgende Güter in unserem Ort und bekam hierfür die anschließend aufgeführten Angaben.
Nach Urbar Nummer 114 in Rheingönheim, Hillesheim und Farenheim
24 1/2 freie Hufen
18 unfreie Hufen (1 Hufe = 23,9 Hektar).
Die freien Bauern zahlten zunächst für das überlassene Gut einen jährlichen Geldzins. Für unseren Ort betrug die Abgabe an den Meier jährlich 122,5 Solidi an den Fronhof (Solidi = 4,55 g Gold) Dies waren also umgerechnet 5 Solidi pro Hufe und Jahr.
Die Abgaben in Naturalien waren für die Freien meist etwas höher als für die Leibeigenen. Für unser Dorf waren dies nach den damaligen Rechnungen 12 Scheffel Getreide pro Hufe, also jährlich 294 Scheffel Getreide an das Kloster.
Desweiteren wurden für Rheingönheim folgende jährliche Abgaben festgelegt:
Zu Ostern:
122 Hühner - 368 Eier - 24 junge Böcke - 24 1/2 Kamisol Flachs - 18 Wolltücher
Transportdienste zum Kloster Prüm mussten organisiert werden. Jeder Leibeigene und Freigelassene mussten 2 bis 3 mal pro Jahr diesen Dienst leisten. Mit dem Schiff auf Rhein, Mosel und Pferdewagen ging es bis zur Fürstabtei Prüm.
An den Fronhof mussten die Rheingönheimer
zur Fischerei - 176 Pfähle
an Brennholz - 140 Karren Stammholz
zum Backen und Brauen - 120 Scheffel Getreide
anliefern.
Von den gemeinsamen Ackerstücken mussten 49 Scheffel Getreide abgeliefert werden (1 Scheffel entspricht etwa 2,2 Hektoliter).
Weiterer Frondienst bestand in der Versorgung der Ernte und Aussaat, baulichen Instandhaltung, Bewirtschaftung der Weiden, Versorgung des Viehbestandes, Abstellen von Hilfskräften.
Rheingönheim hatte noch einen besonderen Frondienst zu leisten. Jeder Gehöfer musste 100 lebende Blutegel fangen und abliefern, die in der Heilkunst der Mönche Verwendung fanden.
Lindenberg bei St. LambrechtZieht man taleinwärts von Neustadt erweitet sich das vom Speyerbach durchschnittene Tal. Hier nach anderthalb Stunden liegen linkerhand St. Lambrecht und rechterhand Lindenberg. Herzog Otto von Worms, der Großvater von Konrad II, dem Erbauer von Dom zu Speyer sowie Kloster Limburg, gründete in den Jahren 977 oder 987 das Kloster Lambrecht im Tal des Speierbaches. Das Kloster ist nach dem Maastricher Märtyrerbischof, dem heiligen Lambertus, benannt. Der Speyerbach bildete damals die Grenze zwischen dem herzöglich verwalteten St. Lambrecht und dem zum Speyergau und zum Hochstift Speyer gehörigen Lindenberg. Unser Ort geriet für kurze Zeit in den Einflußbereich von Lindenberg, da die Herren von Lindenberg die Zollstelle auf der Rehhütte verwalteten und somit auch unser Rheingönheim in den Bezugsbereich dieser Herren kam. Die erste Verbindung zu Lindenberg entstand durch Besitzungen des Hochstiftes Fürstbistum Speyer in Rheingönheim, die zur Herrschaft Lindenberg und diesem hochstiftlichen Lehen gehörten. Es war dies ein Anteil an dem Fischwasser des Rehbach, dazu kam die Hälfte vom kleinen Zehnten in unserem Dorf. Dieser Besitz hatte nichts mit der Gerichtsbarkeit im Ort zu tun, und er kam über die Herren von Frankenstein, an die von Bruck uns dann über Konrad Schenk von Erbach schließlich an die Herren von und zu Hirschhorn.
Die Hirschhorner waren später die ersten Lehensträger, die ganz Rheingönheim in Besitz hatten, da man vom Bischof von Speyer auch noch den Lindenberger Besitz als Lehen mit übernahm. So war es auch, dass die Ritter von Frankenstein diejenigen waren, die mit Rheingönheim durch den Lindenberger Burglehensbesitz schon etwa um das Jahr 1204 verbunden waren. Unser Ort war also, wie so viele Lehensorte in unserer Gegend, in zwei Teile geteilt. Das hochstiftliche Burglehen Lindenberg stellte in dieser Zeit die niedere Gerichtsbarkeit dar. So taucht auch noch im Jahre 1422 eine Urkunde zu Heidelberg vom Bischof Raban von Helmstatt auf, die Hirschhorn mit der hochstiftlichen Herrschaft Lindenberg belehnt. Die Verwaltung der Güter des Lindenberger Lehens erfolgte in den letzten Jahren von Königsbach aus, wo sich die Richtstätte für die Orte Maudach, Rheingönheim und Lindenberg befand.
Dorf und Burg Lindenberg sollen bereits schon im 11. Jahrhundert entstanden sein. Als Gründer von Burg und Dorf gilt ein gewisser Dietmann von Lindenberg. Überlieferungen berichten, dass um das Jahr 1100 der damalige Bischof von Speyer, Johannes, einen Teil von Neustadt, Schloß Wolfsberg, Spangenberg, Grevenhausen, Deidesheim und Lindenberg dem Speyerer Domstift schenkte. Aus dem Hause der von Lindenberg gingen zahlreiche Bischhöfe und andere geistliche Würdenträger hervor, vor allen Dingen einige Bischöfe zu Speyer. Lindenberg galt als Schutz für die bischöflichen Gebiete und Waldungen. Den Schutz dehnte man auch auf das Kloster Lambrecht aus. Um 1290 stirbt das Edelgeschlecht derer von Lindenberg aus, und das Lehen der Burg und des Dorfes ging von Hand zu Hand.
Um 1314 gelangte so Graf Emich von Leiningen, der Bischof zu Speyer war, in Besitz derer von Lindenberg. Er lag in Fehde mit Herzog Leopold von Österreich. Für Hilfsleistungen während der Fehde wurden verschiedene Ortschaften mit Lindenberg als Lehen weitergegeben. So gelangte auch der Ritter von Frankenstein an das Lehen, das inzwischen Lindenberg, Weidenthal, Königsbach, Heßheim, Flomersheim, Maudach, Mundenheim und Rheingönheim umfasste. Dieser übergab das Lindenberger Lehen im Jahre 1351 an Konrad Schenk von Erbach im Odenwald und dessen Ehefrau Kunigunde von Bruck.
Kloster Weißenburg im ElsaßEin Benediktinerkloster, das 631/632 unter der Herrschaft von König Dagobert I gegründet wurde, steht am Anfang der Geschichte Weißenburgs. Es scheint zu einer ganzen Reihe von etwa 6 Klöstern zu gehören, die als Stützpunkte für die Ausbreitung der fränkischen Macht im alemannischen Reichsteil dienten. Im 8. Jahrhundert dehnte sich sein Einfluss weit aus. Das Kloster hatte Besitztümer im Maintal, über die Donau und Iller hinaus, ins Unterelsaß und in der Pfalz.
Weißenburg gehörte zum Bistum Speyer und lag im Speyergau, der damals bis an den Seltzbach reichte. Das Kloster Weißenburg stellte Bischöfe für Speyer, Worms und Mainz. Im 9. Jahrhundert wurde Weißenburg sogar Reichsabtei. Es wurde ein wirtschaftlicher Mittelpunkt. Kaiser Otto II. erteilt 962 dem Kloster Immunität. Eine weithin bekannte Klosterschule lehrte Architektur, Handwerk und bildende Kunst. Die Klostervögte in dieser Zeit waren die Staufer. Der Immunitätsbereich des Klosters umfasste etwa 320 qkm und ist mit dem Grenzstein mit Petrischüssel markiert. König Heinrich IV. bestätigt um 1071 den Besitzstand des Klosters Weisenburg im Elsaß über Hube mit Weinbergen in der Gegend von Rheingönheim. Vom Kloster existiert heute nur noch der romanische Westturm der Abteikirche.
Kloster Himmerode in der EifelDas Kloster Himmerode wurde von Zisterziensermönchen im Auftrag von Clairvaux im Jahre 1134 in der Eifel im Salmtal gegründet. Die Bedeutung des Zisterzienserordens beruhten im wesentlichen in der vorbildlichen Eigenwirtschaft der einzelnen Abteien. Zu späteren Zeitpunkten jedoch wurde man durch die wirtschaftliche Weiterentwicklung gezwungen, weniger nutzbringende Liegenschaften zu verpachten. Auch unsere ganze Gegend, insbesondere Rheingönheim und Neuhofen, profitierten über einen langen Zeitraum von dieser Entwicklung. Die Klosterführung betrieb eine gesunde Wirtschaftspolitik. Aus dem Kloster kamen des öfteren Kandidaten für die Besetzung der Kirchen in den Lehensgebieten. So bestätigt der Abt Ildefous Herwegen aus der Zisterzienserabtei Himmerode in der Rubrik " Streubesitz ", daß man seit mindestens dem Jahre 1272 das Patronatsrecht über die Pfarrkirche innehat. Des weiteren schreibt der Abt, dass das Allodium Geinheim seit dem Jahre 1217 Klosterbesitz ist. Bis zum Jahre 1220 beanspruchte auch das Kloster Ramsen gewisse Rechte in Rheingönheim. Es kam zu Streitigkeiten, die dann durch den Bischof von Speyer zugunsten des Klosters Himmerode entschieden wurden. Vor dem Jahre 1272 hatte die Kirche von Rheingönheim zu Altrip gehört, bevor man sie abtrennte und dann dem Kloster Himmerode zugesprochen hatte. Das Kloster Himmerode veräußert dieses Patronat erst im Jahre 1513 wieder.
Was ereignete sich in der deutschen Geschichte in dieser Zeit? Nach Konrad II. folgte sein Sohn Heinrich III. auf den Thron. Das mittelalterliche Reich unter der salischen Dynastie mit Konrad II. und seinem Sohn, dem Kaiser Heinrich III. erreichte seine größte Machthöhe. Heinrich III. verstarb früh mit 39 Jahren. Sein Herz ist in Goslar beigesetzt. Sein Leib ruht im Dom zu Speyer. Die Krone des Reiches erbte im Jahre 1056 sein sechsjähriger Sohn Heinrich IV. Seine Mutter, die Königin Agnes übernahm die Regentschaft bis zur Volljährigkeit für den noch unmündigen Sohn. Heinrich IV. wurde schon 3 Jahre vor dem Tode des Vaters von einer Reichsversammlung in Tribur zum König gewählt und in Aachen gekrönt. Genau ein halbes Jahrhundert dauerte das Königtum dieses Saliers, wenn man die mütterliche Regentschaft und die Zeit mit einrechnet in der sein Sohn Heinrich V. ihm die Macht entwunden hatte. Heinrich IV. war von allen deutschen Herrschern der unglücklichste gewesen. Nicht nur Konflikte innerhalb des Reiches kennzeichneten seine Regierung, sondern auch Auseinandersetzungen mit dem Papst. Man kann feststellen, daß in jener Zeit der Kampf zwischen der geistlichen und der weltlichen Gewalt begonnen hatte. Ein Anlass war die Neubesetzung des Erzbistums Mailand. Heinrich IV. verfügte über das Erzbistum nach altem Gewohnheitsrecht aufgrund seiner königlichen Gewalt. Papst Gregor VII. erklärte diese Einsetzung eines Erzbischofs durch Heinrich IV für illegal. Der Papst drohte mit Konsequenzen. Auf einer Synode der Reichskirche in Worms kündigten 24 von 36 deutsche Kirchenfürsten dem Papst den Gehorsam auf und schickten ihm ein Absetzungsdekret. Papst Gregor VII. kam nicht durch das vorgesehene Wahlverfahren, sondern durch Akklamation der Volksmenge an die Macht. Heinrich IV. fehlte es jedoch an Macht, seinen Willen in Rom militärisch durchzusetzen. Sein Absetzungsdekret blieb Papier. Diese Auseinandersetzung wurde immer härter geführt, und im Jahre 1076 geschah etwas für die christliche Welt Unerhörtes: " Papst Gregor VII. belegte Heinrich IV. mit dem päpstlichen Bann ". Es folgte darauf im Jahre 1077 der noch heute weltberühmte Gang nach Canossa. Doch schon bald flammte die Fehde wieder auf und Heinrich führte seine Truppen nach Italien. Papst Gregor ging ins Exil, wo er im Jahre 1084 verstarb. Ein Nachfolger des Papstes hatte Heinrich IV erneut mit dem Bann der Kirche belegt. Im Jahre 1104 wurde er vom eigenen Sohn Heinrich V. für abgesetzt erklärt. Im Jahre 1106 n. Ch. starb Heinrich IV. in Lüttich. Der Sarg mit dem Leichnam brachte man nach Speyer. Seine letzte Ruhe wollte der Herrscher neben seinen Vorfahren im Dom finden. Da er immer noch mit dem päpstlichen Bann belegt war, wagte sich niemand den toten Heinrich IV in einen geweihten Raum beizusetzen. Der Sarg blieb fünf Jahre in der noch ungeweihten, angebauten Afra - Kapelle bis zur Aufhebung des Bannes durch den Papst. Anlass hierzu war die Kaiserkrönung seines Sohnes Heinrich V. Auch er stand in dauernden Auseinandersetzungen mit dem Papsttum. Erst im Jahre 1122 kam es durch das Wormser Konkordat zur endgültigen Aussöhnung zwischen Kirche und Staat. Durch das gute Verhältnis des himmeroder Mönches Karl von Villens in Brabant gehen die meisten der pfälzischen Besitztümer zum staufischen Herrscherhaus zurück.
Mit einer Schenkung Heinrich VI. vom Jahre 1191 ist auch die Übertragung der Kirche von Altrip verbunden, zu der in jener Zeit auch die Kirche zu Rheingönheim gehörte. Auf diesem Wege kam also auch unserer Ort in den Besitz des Klosters Himmerode. Durch wirtschaftliche schlechte Zeiten, mussten in den Jahren 1310 bis 1320 viele Güter durch Notverkäufe wieder veräußert werden, um die angespannte Wirtschaftslage des Klosters zu verbessern. Es wurden sogenannte Zinserhebungsstellen eingerichtet. Für unser Dorf war der "Himmeroder Hof" zu Speyer zuständig. Als öffentlich - rechtliche Leistung musste Altrip, Neuhofen und Rheingönheim den Zehnten, zugesichert durch den Speyerer Bischof Konrad von Eberstein, an das Kloster Himmerode entrichten. Rheingönheim war infolge seiner geographischen Lage mit einer Sondersteuer belegt. Jeden Monat sollten 100 lebende Blutegel an die Himmersdorfer Ärzte geliefert werden, welche zu der damaligen Zeit als Heilmittel sehr gefragt waren. Auch hatte das Kloster starken Einfluß darauf, daß die Pferdezucht, aber auch die Schweinemast und die Rindviehzucht, in verstärktem Maße in unserer Gegend betrieben wurden.
Stift St. GoarMitte des 6. Jahrhunderts ließ sich ein Einsiedler mit Namen Goar hier am Rhein nieder. Der Priester stammte aus Aquitanien, dem zivilisierten Südwesten des fränkischen Reiches. Er baute mit Erlaubnis des Trierer Bischofs ein Kirchlein, missionierte und kümmerte sich um Reisende und Kranke. Es kommt zu Streitigkeiten mit dem Trierer Bischof Rusticus wegen dessen unmoralischem Lebenswandel. Goar stirbt im Jahre 611 n. Chr. Sein Grab wird schon kurze Zeit später verehrt. Abt Asver von Prüm ließ hier eine Stiftskirche bauen. Mit der Zeit fühlten sich die Grafen von Katzenellenbogen immer mehr als eigentliche Eigentümer des Stiftes und Ortes.
Um das Jahr 1200 n. Chr., als sich die Staufer und Welfen nach langen Jahren des Streits endlich aussöhnten und als Heinrich der Löwe und Friedrich Barbarossa das Reich regierten, zu jener Zeit stand das Stift St. Goar in seiner höchsten Blüte. Zwölf Stiftsherren und 7 Vikare übten von St. Goar Macht aus und hatten sehr viele Orte entlang des Rhein als zehntpflichtiges Lehen oder als totalen Besitz. In dieser Zeit war die Kirche sehr mächtig, man rüstete Kreuzzüge aus und es entstanden die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Um das Jahr 1212 kam mit Friedrich II. der letzte Staufer an die Macht. Infolge langer Abwesenheit des Staufers in Italien entstanden in Deutschland die Begriffe Landesherren und Territorien. Hierdurch wurden auch wieder die einzelnen Abteien in ihrer Macht gestärkt und beeinflussten in immer stärkerem Maße die politischen Richtungen in unserer Gegend. Otto von Bayern wird im Jahre 1214 durch Friedrich II. mit der Pfalz belehnt. Seit dem Zeitpunkt ist sie in der Hand der Wittelsbacher.
Die Kultur fand sich überall auf dem Vormarsch. An den Höfen der Herrscher trugen fahrende Sänger ihr Liedgut vor. Unter Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach gewann langsam aber sicher das Nibelungenlied seine heutige Gestalt. In jener Zeit befand sich der Ritterstand auf dem Gipfel seiner Blüte, jedoch milderten sich die Sitten unter dem Einfluss der Kirche. Es bildete sich der Geburts- und Dienstadel und die Aufnahme in den Ritterstand war an bestimmte Bedingungen geknüpft.
Der Stift St. Goar verzeichnet in einer Urkunde im Jahre 1217 die zehntpflichtigen Grundstücke des Dorfes Geinheim.
24 Morgen Ackerland gegen Maudach (alte Landstraße)
13 Morgen Ackerland der Lehensleute Dietherich und Preco
35 Morgen Ackerland am "Begelgraben"
16 Morgen an den Sandhügeln
8 Morgen Ackerland am "Dannstadterweg"
7 Morgen am "Speyererweg "
32 Morgen Ackerland am "Mutterstadterweg"
64 Ackerland in der "Benngewann"
6 Morgen Ackerland in der "Kirchgasse"
12 Morgen in den "Leingruben"
6 Morgen Ackerland "in den Birken"
Viele der damals aufgeführten Gewann - Namen sind heute noch gebräuchlich, und daher ist es leicht festzustellen, in welcher Gegend die zehntpflichtigen Grundstücke lagen.
Kloster SinsheimDer Ort wurde unter dem Namen Sunnesheim im Jahr 774 n. Chr. im Lorscher Codex erwähnt. Die Salier gründeten 1004 n. Chr. ein Kloster auf dem Michaelsberg. Das Kloster unterstand dem Bischof zu Worms und beherbergte Chorherren, die nach den Regeln des heiligen Augustinus lebten. Das Kloster erwarb einen ansehnlichen Besitz, der sich im ganzen Wormsgau und Speyergau verteilte. Im Jahr 1108 n. Chr. wurde Sinsheim eine kaiserliche Reichsstadt, und man erklärte die Abtei zu einer freien, adeligen Benediktiner - Abtei.
So war in dieser Zeit unser Dorf als Lehen an das Kloster Sinsheim gegangen, und wir waren zehntpflichtig an das dortige Benediktinerkloster. Das Kloster wurde durch Kriegshandlungen in den Jahren 1247 bis 1252 stark in Mitleidenschaft gezogen. So musste das Kloster auch etliche Güter verpfänden oder verkaufen. Der Konvent des Klosters versetzte das Gut in Geinheim (Genheim, Gininheim) für siebzig Pfund Heller dem Bürger Gottfried Bruzon zu Speyer auf Zeit.
Am 11. Februar 1253 letztendlich wurden die Güter in Genheim und Vischelingen samt Patronatsrechten um 60 Mark reines Silbers an den Deckanten und das Kapitel des Domstiftes zu Speyer verkauft. Die Urkunde trägt die Signien von Abt Heinrich von Sunnesheim und des Bischofs Heinrich zu Speyer.
Ritter zu FriesenheimRitter Conrad von Friesenheim besaß lange vor der Himmeroder Zeit die Kirche zu Altrip. Zur Pfarrei Altrip gehörte damals auch Rheingönheim. Als Patronatsherr bezog Conrad einen Teil des Zehnten zu Altrip und hatte Ansprüche auf Zehntrechte zu Rheingönheim. Nachdem Himmerode seinen Einfluss und seine Besitzrechte in unserem Raum immer mehr ausdehnte, so finden wir unter den Zehnten, die zum "Neuen Hof" fließen, auch solche von Rheingönheimer Gütern, wo 1/3 an Himmerode gehen und 2/3 an die Ritter von Friesenheim. Andere Rheingönheimer Felder leisten zur gleichen Zeit den Zehnten an das Stift St. Goar.
An die Ritter von Friesenheim waren Zehntpflichtig
64 Morgen Ackerland an der "Benngewann"
9 Morgen Ackerland in den "Lehmgruben"
6 Morgen Ackerland im "Brückweg"
27 Morgen Ackerland im "Sommerfeld"
4 Morgen beim Weg nach Speyer.
In einem Streit forderte Himmerode einen Zehnt von den Feldern zwischen Geinheim und Rechholz auf der Wormser Seite. Vom "Neuen Hof" wurde beim Offizialatsgericht in Speyer Klage darüber geführt, dass die Ritter von Friesenheim den Zehnten von diesen Gütern weggenommen hätten. Das Gericht wies die Beschwerde zurück und verurteilte den Hofmeister Heinrich zur Zahlung von Schadenersatz.
Über einen längeren Zeitraum erhielten die Ritter von Friesenheim auch den Rheingönheimer Seelzehnten, den man vom Stift St. Goar um eine ewige Korngilt von 15 Malter Korn gepachtet hatte.
Der Seelzehnt galt für folgende Grundstücke:
26 Morgen Ackerland im " Oberen Feld "
12 Morgen Ackerland gegen Maudach
18 Morgen Ackerland " In den Birken "
10 Morgen Ackerland im " Dannstadterweg "
31 Morgen Ackerland im " Maudacherweg "
22 Morgen Ackerland " Im Loch "
Die Schenken zu ErbachErbach liegt im mittleren Odenwald. Das malerische Barockschloß ist Stammsitz der Grafen von Erbach. Auch diese Grafen, oder auch Schenken zu Erbach, bestimmten einige Zeit das Geschick unseres Dorfes. Wie schon erwähnt, besaß das Hochstift Fürstbistum Speyer Rechte und Besitzungen in Rheingönheim, die zur Herrschaft Lindenberg und diesem hochstiftischen Lehen gehörten. Es war dies ein Anteil am Fischwasser der Rehbach und die Hälfte vom kleinen Zehnten in unserem Ort. Die Lindenberger vererbten diese Rechte an die Herren von Frankenstein. Dann gingen die Rechte, über die Herren von Bruck an die Schenken von Erbach.
Auf diesem verworrenen Weg der Familienverwandtschaft waren wir also an die Schenken von Erbach zehntpflichtig geworden. Conrad IV., Schenk von Erbach, kam in finanzielle Schwierigkeiten. Er sah sich gezwungen im Jahr 1353, trotz des Protestes des Bischof Gerhard von Speyer, Rechte und Güter in der Pfalz an Ritter Engelhard von Hirschhorn zu verkaufen. Dabei fielen auch die dazugehörenden Dörfer wie Mutach (Maudach), Geinheim (Rheingönheim), Flamersheim (Flomersheim), Haßheim (Hessheim), Kynspach (Königsbach) Wydenthal (Weidenthal), die Ruprechtsburg, Haseloch (Haßloch) und die Fischrechte am Rechpach (Rehbach) an Ritter Engelhard von Hirschhorn. Für eine lange Zeit sollte nun Rheingönheim den Hirschhorner Herren gehören.
Die Herren von HirschhornDie Burg der Herren von Hirschhorn liegt auf einem Berggrat zwischen Neckar und Finkenbach. Der Ursprungsbau geht auf die Zeit um 1200 zurück. Unterhalb der Burg befindet sich das im Jahr 1406 gegründete Karmeliter Kloster.
Das Haus derer von Hirschhorn war durch vielerlei Aktivitäten auf dem Finanzsektor immer reicher geworden. Zahllose Dörfer und Burgen, samt dem gesamten Landbesitz, aber auch große Waldgebiete waren in den Besitz der Herren von Hirschhorn übergegangen. Durch das sogenannte Lindenberger Lehen, kam auch unser Dorf zu den Hirschhornern dazu.
Vorhandene Urkunden belegen folgendes:
Raban, Bischof zu Speyer, bestätigt Ritter Eberhard von Hirschhorn´s Sohn, dass er zu Recht das gesamte Lindenberger Lehen zu eigen hat.
Bischof Reinhard zu Speyer erneuert das Lindenberger Lehen gegenüber Ritter Hans von Hirschhorn, dem Sohn von Hansen von Hirschhorn. Das Lehen beinhaltet zwei Teile des Kleinzehnts von Ringeinheim. Die Zinsen sind jeweils am Bartholomäus - Tag im Hochstift Speyer zu zahlen.
Hansen von Hirschhorn erhält aus der Hand Conrads, von Gottes Gnaden des Heiligen Stuhls Erzbischof des Römischen Reiches Deutscher Landen, das Dorf Ryngeynheim mit dem oberen und unteren Gericht sowie allem beweglichen Gut und allen Leuten. Richtplatz ist im Dorf Königsbach, wo ein Hirschhorn`scher Amtmann angesiedelt war.
Bis in die Anfänge des Dreißigjährigen Krieges blieben wir den Herren von Hirschhorn zehntpflichtig. Wir erlebten die unruhigen Zeiten, als katholische und lutherische Glaubensrichtungen sich auf allen Ebenen erbittert bekämpften. Die Verschärfung der konfessionellen Gegensätze seit dem Augsburger Religionsfrieden des Jahres 1555 führte schon recht bald zu einer Verhärtung der Fronten zwischen den Reichsständen einerseits und zwischen ihnen und dem Kaiser andererseits. Der Prager Fenstersturz vom 23.05.1618 führte unsere Heimat in eine der dunkelsten Epochen ihrer Geschichte. Die Repräsentanten Böhmens verweigerten durch diesen symbolischen Akt den Gehorsam gegenüber König Friedrich V., der nach ihrer Überzeugung die Rechte Böhmens verletzt hatte.
Die Wild - und Rheingrafen zu Dhaun und KyrburgDie Stadt Kirn liegt an der mittleren Nahe, überragt von der Burgruine Kyrburg. Die um 1228 auftretenen Wildgrafen von Kyrburg gehen auf beamtet Vögte der Salier zurück. Durch Erbschaft kam Rheingraf Johann zu Dhaun und durch Heirat noch die Fürstlich - Salm - Salm`sche Linie dazu. Es entstand die Linie der Grafen von Daun - Kyrburg - Salm.
Durch das Aussterben der Hirschhorner Linie zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges fiel das Rheingönheimer Lehen an die Wild - und Rauhgrafen. Die Verbindung der Wild - und Rheingrafen bestand auch lange Zeit dadurch, daß man in Rheingönheim die hohe Gerichtsbarkeit inne hatte. Lange Jahre tauchen immer wieder die Namen von den Wild - und Rheingrafen von Dhaun und Kyrburg als Lehensträger oder Lehensgeber von Gütern und Grundstücken in unserem Dorf auf. Die Lehen gingen in den Besitz der Wild - und Rheingrafen der Salm`schen Linie über. Man kann feststellen, dass die Salm`sche Linie ihren Besitz in Rheingönheim bis zu Beginn der französischen Revolution hat halten können.
Das Frühjahr des Jahres 1572 bescherte unserem Dorf und dem ganzen Umland eine Hochwasserkatastrophe, mit unermesslichem Schaden an Besitz, Leben und Land.







