Der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648Die Erbitterung der protestantischen Stände über das Landesfürstentum machte sich am 23.05.1618 im Prager Fenstersturz Luft, dem Auftakt des Dreißigjährigen Kriegs. Hier spielten zunächst der konfessionelle Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten eine Rolle. Bald wurde auch der politische Gegensatz zwischen absolutistischem Kaisertum und ständischer Reichsverfassung, schließlich der Kampf um die Hegemonie unter den kontinentaleuropäischen Mächten ausgetragen. Nach Absetzung Ferdinands wählten die Aufrührer Friedrich V. aus der Pfalz zum König von Böhmen. Kaiser Matthias war gestorben und der abgesetzte König von Böhmen als Ferdinand II. zum Nachfolger gewählt worden. Unter Zugeständnissen konnte der Kaiser Spanien, Bayern und Kursachsen auf seine Seite ziehen. In der Schlacht am Weißen Berg besiegte das kaiserliche Heer unter Tilly die böhmische Armee. Dank der von Wallenstein aufgebauten, finanzierten und dem Kaiser unterstellten Armee blieb die Überlegenheit der katholischen Partei gewahrt, obwohl König Christian IV. von Dänemark zugunsten der Protestanten eingriff. Ferdinands Restitutionsedikt führte zu einem Umschwung. Ein weiterer Schritt war die von den Kurfürsten erzwungene Entlassung Wallensteins und die Reduzierung des kaiserlichen Heeres. Dieses geschah wenige Wochen nachdem König Gustav Adolf von Schweden in Pommern gelandet war und dem deutschen Protestantismus zur Hilfe kam. Zusammen mit kursächsischen Truppen, konnte er das kaiserliche Heer schlagen. Ferdinand II hat unter dieser bedrohlichen Lage Wallenstein wieder eingesetzt und ihn mit der Aufstellung eines großen Heeres beauftragt. In einer offenen Feldschlacht bei Lützen am 16.12.1632 errangen die Schweden einen Sieg über die Kaiserlichen, verloren aber dabei ihren König.
Nach dem Sieg der Kaiserlichen bei Nördlingen löste sich Kursachsen vom Bündnis mit Schweden und schloss mit dem Kaiser Frieden. Da der Aufforderung, sich dem Prager Vertrag anzuschließen, die meisten protestantischen Reichsstände nachkamen, und auch die Schweden Anzeichen von Kriegsmüdigkeit erkennen ließen, war das Ende des Krieges abzusehen. In diesem Stadium griff Frankreich seitens Schwedens in den Kampf ein, wodurch sich trotz der Friedensbereitschaft Kaiser Ferdinands die Auseinandersetzungen zwischen den europäischen Großmächten noch Jahre hinzog. Der Dreißigjährige Krieg fand schließlich am 24.10.1648 durch den westfälischen Frieden sein Ende. Die Besitzverhältnisse wurden geregelt. Bayern blieb im Besitz der ihm zuerkannten Kur - und der Oberpfalz.
Spanier und FranzosenIn unserer Heimat war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges ein schwarzes Kapitel. Der Krieg brachte Not und Elend über die Zivilbevölkerung unserer Orte und Städte. Die Truppen der gegnerischen Parteien wüteten mit unvorstellbarem Hass und zerstörten alles, was die zivilen Bauernstände und Handwerker aufgebaut hatten. Die Kriegshandlungen der Herren der Union und der Liga fegten die Straßen der Pfalz leer. Die Bewohner versuchten den plündernden Soldaten zu entkommen. In Schifferstadt hat man versucht sich mit gekauften Musketieren und einer Bürgerwehr zu schützen. Es war umsonst. Die Bewohner von Rheingönheim, Neuhofen und Rehhütte flüchteten mit ihrem Vieh und allem beweglichen Gut in den Schifferstadter Wald. Auch hier war man nicht sicher. Reitertruppen hatten Schifferstadt geplündert. Die Bewohner flüchteten vor den herannahenden Spaniern mitsamt ihrem Vieh in den Iggelheimer - und mit dem Großvieh in den Speyerer Wald. Die Spanier holten von den Feldern das Getreide, so dass den Leuten in den Dörfern gar nichts blieb.
Ausgewählte Leute unter anderem aus Neuhofen, Altrip und Rheingönheim beschwerten sich bei dem Oberst der Kavallerie und Infanterie, de Berupt, sie vor plündernden Soldaten zu schützen. Es erging der Befehl an seine Offiziere und Soldaten, sich der Plünderungen zu enthalten.
Die Herrschaft der Spanier neigt sich dem Ende zu. Gustav Adolf setzt bei Oppenheim über den Rhein. Doch die Angst bei der Bevölkerung besteht weiter. Ernst von Mausfeld wurde in kleineren Gefechten mit den zurückweichenden Spaniern verwickelt. Tilly nahm Ladenburg ein und war auf dem Vormarsch nach Heidelberg. Mausfeld zog seine Truppen über den Rhein zum Schutz Heidelbergs zurück.
Nachdem auch die in fremden Diensten stehenden Dragoner den Spaniern nachsetzen, füllen Franzosen und kleine Kontingente von Truppen aus Schweden die Lücken auf. Der Bevölkerung standen wieder schlimme Zeiten bevor. Die französischen Truppen plündern in allen Orten, zurück bleiben menschenleere, ausgeraubte Ruinen. Speyer fällt erneut in die Hände der Franzosen. Die Rehhütte geht in Flammen auf. Kurfürst Karl Ludwig holt heimatlose Menschen so genannte "Wildfänge" und beginnt damit eine Neubesiedlung.
In Rheingönheim stehen noch einige Häuser. Von den 103 Bewohnern im Jahre 1648 waren 96 so genannte Wildfänge. Dies verdeutlicht am besten die riesigen Verluste unter der Bevölkerung. Man holt Holländer, Wallonen, Italiener und Schweizer und füllt damit die Lücken auf. Viele Bewohner unserer Gegend versuchen in jener Zeit durch Auswandern wenigstens das nackte Leben zu retten.
Zeitzeuge aus dem Dreißigjährigen KriegUnscheinbar stand ein Haus bis vor ein paar Jahren in der Hauptstraße 155 unseres Ortes. Vorbeifahrende hatten es kaum beachtet. Doch überlebte dieses Gebäude mit seinen braunen Holzbalken mehr als 350 Jahre. Nach alten Dokumenten wurde dieses Haus im Jahre 1632, als der Dreißigjährige Krieg wütete, aus Eichenbalken erbaut. Die einst stolz am Giebel prangende Jahreszahl "1632" verschwand im Laufe der Jahre. Nicht ganz 60 Jahre nach dem Hausbau taucht der Name Müller als Besitzer des Hauses auf, was sich bis heute nicht geändert hat - so wissen die Nachfahren zu berichten. Es wuchsen zahlreiche Kinder in den Stuben des Hauses auf. Pferdegetrappel und der Klang des großen Schmiedehammers begleiteten vom ersten Tag an das Leben der Kinder. Die Schmiede besteht nicht mehr. Obwohl die Kinderschar groß war, erhielt dennoch kein Wanderbursche, der an die Türe klopfte, eine Absage. Ein Schlag Bratkartoffeln und ein Stück Brot fanden sich stets, um den Hunger zu stillen. Bis zum Jahr 1945 waren Giebelsprüche erhalten geblieben. Der Text lautete:
"Gott lasse dieses Haus besteh`n,
und laß es Glück und Freude seh`n,
solange Deutschland steht und hält.
Wenn aber Deutschland sinkt und fällt,
am selben Tag, zur selben Stund`
schlag Gott auch dieses Haus in Grund."
"Dieses Haus besteht schon lange Zeit,
sah Menschen Freud und Menschen Leid
und Deutschlands Glück und seinen Glanz,
das Vaterland im Trauerkranz.
Doch deutsches Volk verzage nicht,
nach trüben Wolken kommt das Licht,
das Hoffnung bringt, trotz Sturmgebraus,
mög Gott auch schützen dieses Haus."
Nun dieses Haus ist verschwunden und somit Rheingönheim und damit auch Ludwigshafen um einen wichtigen Zeugen der Geschichte dieses Raumes ärmer.
Bürger und Berufe nach dem Dreißigjährigen KriegAls Quelle wurde das Einwohnerbuch von Maudach herangezogen.
Christoph Baumann, Ackerer
Peter Kirchner, Gerichtsmann
Peter Kirschner, Lehrer
Sebastian Börstler, Wahrer des Kirchengutes
Joseph Kirschner, Lehrer
Johann Michael Eck Kreuzträger, Feuerläufer, Polizeirüger
Melchior Eiserle, Schultheiß
Jakob Frey, Ackerer
Elisabeth Ginkel, Dienstmagd
August Grüner, Einnehmer
Barbara Gunsenhäuser, Dienstmagd
Franz Gunsenhäuser, Tagner
Emanuel Helmbodt, luth. Pfarrer
Johann Peter Henrice, Schultheiß
Joseph Krill, Lehrer
Philipp Hollenbach, Leinenweber
Sebastian Keller, Leinenweber
Nikolaus Kettner II, Tagner
Johann Martin Kirschner Küfer, Ackerer, Schultheiß
Wilhelm Klamm III, Ackerer
Michael Klamm I, Ackerer
Johannes Klamm, Tagner
Martin Kleiber, Weber
Johann Thomas König, Ackerer, Wirt, Feuerläufer
Joseph K. Grothe, Schulmeister
Joseph Lidenfelser, Maurer
Johann Mohr, Wahrer des Kirchengutes
Johann Michael Muth, Ackerer, Polizeirüger
Michael Renier, Anwalt, Feuerbeseher, Feldschätzer
Günther Peter Scheuermann, Ackerer
Jakob Schmidt, Zöllner an der Rheinschanze
Ferdinand Biffart, Ackerer
Georg Jakob Wagner, Leinenweber
Aktenauslagerung bei KriegshandlungenZu allen Zeiten haben Behörden bei herannahenden Kriegsheeren ihre Akten verlagert und nach beendeten Feindseligkeiten meist nur einen Teil davon zurückerhalten. Sei es dass am Auslagerungsort Plünderungen vorkamen, sei es, dass durch unzweckmäßige Lagerung manches zu Schaden oder Verlust kam, oder dass sich der Krieg doch bis zum Auslagerungsort ausdehnte.
So war es auch bei Rheingönheim, Maudach und Mundenheim, die zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges ihre Akten auslagerten. Verantwortlich hierfür war Niclas Volz, Reinggraffischer Schulz zu Rheyngenheim. Unsere Akten wurden nach Ochsenberg ausgelagert. Dieser Ort ist heute ein württembergisches Dorf, etwa 2 km von Königsbronn im Jagstkreis gelegen.
Abgaben an Neuhofen nach dem Dreißigjährigen KriegAus "Heimatblätter für Ludwigshafen am Rhein" Nr. 3/ Jahrgang 1923 entnehmen wir folgenden Bericht:
"Was Rheingönheim an Neuhofen ehedem zu leisten hatte"
Die Rheingönheimer waren früher verpflichtet, an Neuhofen jährlich eine bestimmte Summe zu zahlen.
Eine hier in Betracht kommende Feststellung hat folgenden Wortlaut:
"Neuhofen, den 7. Januar 1660 Auf heut dato den 4. Martij ibbo haben wir mit dem Rheingennheimer Schulz Niclas Volz und einem ehrsamen Gericht verhandelt. Uner alte Gerechtigkeit wird auf das Neue wegen unser Gemein erneuert wie von altersher, daß sie uns jährlich sollen ein Ruggülden wie auch ein Gülden Beeth erlegen und zahlen sollen.
Nun haben wir ihnen gefordert im Jahr 1654, aber sie viel Umstände gemacht, dann sie ihre Gerechtigkeit, alte Briefe nit beihanden, sondern noch in anderen Orten haben, wir aber damit nicht zufrieden gewesen, sondern wollten einmal wissen wie oder wann und doch endlich haben wir sie dahin bewogen, daß sie sich mit uns verglichen doch dergestalt, weil es wegen des verderblichen Krigs gewesen, daß lange Zeit nichts was ist geliefert worden, so haben sie sich beschwert, alles nach Zugeben, daß wir es nicht begehten werden. Nun haben wir uns im Namen beider Gemeinde verglichen, daß wir uns auf künftig Martini 1660 von den Rheingenheimern sollen empfangen 4 fl. und 2 fl., die seind vertrunken worden, die sie zahlen, und sollen nunmehr alle Jahre die 2 Gulden auf Martini entricht und bezahlt werden wie von altersher, ist geschehen und verricht im Beisein H. J. Braun, H. J. Seyfrit, J. Schuster des Gerichts zu Neuhofen."







