Die Weimarer RepublikDie Weimarer Nationalversammlung (Parlament) wurde am 19.01.1919 gewählt. Im Februar 1919 traf sich in Weimar die Nationalversammlung und wählte Friedrich Ebert am 11.02.1919 zum Reichspräsidenten. Am 10.01.1920 kam es zur Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags. 73000 qkm Landfläche mit über 7 Mio. Einwohnern wurden abgetrennt. Die in deutschem Besitz befindlichen Kolonien kamen als Mandatsgebiete zur Verteilung an den Völkerbund. Die linksrheinischen Gebiete wurden entmilitarisiert und unter alliierte Besatzung gestellt. Die Wehrpflicht wurde aufgehoben und das stehende Heer auf 100000 Mann begrenzt. Deutschland musste sich zur Zahlung von Reparationen und zur Lieferung von Kohle verpflichten. Es verlor fast seine gesamte Handelsflotte und einen großen Teil seines öffentlichen und privaten Vermögens im Ausland, auch in den neutralen Staaten. Mit diesem Vertrag musste Deutschland die Alleinschuld am Krieg, obwohl als nicht haltbar erwiesen, anerkennen. Am 14.08.1919 trat die Weimarer Verfassung, die durch Mehrheitsbeschluss der Nationalversammlung zustande kam, in Kraft. Die sich bildende junge Demokratie hatte es durch die wirtschaftliche Lage (Reparationen, Inflation) schwer. Zusätzlich bildeten sich links - und rechtsradikale Oppositionen. Es kam zu häufigem Regierungswechsel und politischen Morden. Im August 1921 wurde der Zentrumsabgeordnete Mathias Erzberger erschossen. Im Juni 1922 eskalierte der politische Mord schließlich in dem tödlichen Attentat auf den Außenminister Walter Rathenau, der entscheidend am Vertrag von Rapallo beteiligt war. Der rechtsradikale Kapp-Putsch im März 1920 scheiterte am Widerstand der Ministerialbürokratie und am Generalstreik der Gewerkschaften. Im Ruhrgebiet kam es im März 1920 zu einem von Kommunisten angezettelten Aufstand, der durch die Reichswehr niedergeschlagen wurde. Durch den Rapallo-Vertrag kam es zur Annäherung an Sowjetrußland. Eine selbstständige Außenpolitik wurde eingeleitet. Anfang 1923 erfolgte die Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen und Belgier. Denn von der Reichsregierung verkündete passive Widerstand musste wegen drohendem Wirtschaftszusammenbruch aufgegeben werden. Der neue Reichskanzler Stresemann war zum Einlenken bereit. Im Jahre 1923 kam es in Hamburg, Sachsen und Thüringen zu linksradikalen Unruhen, die durch Einsatz der Reichswehr gebannt wurden. Die Franzosen unterstützten am Rhein die Separatisten, die einen autonomen Pfalzstaat und die Rheinische Republik ausriefen. Diese Bewegung scheiterte am Widerstand der Bevölkerung. Bei einem Konflikt zwischen Bayern und dem Reich, kam es in München zum Marsch zur Feldherrenhalle mit der Beteiligung von Adolf Hitler. Dieser Putsch wurde niedergeschlagen. Am 15.11.1923 wurde die Rentenmark eingeführt. Sie beendete die Inflation und bereitete den Weg zu einer wirtschaftlichen Stabilisierung. Durch den Dawes - Plan kam es zu einer Erleichterung der Reparationsleistungen. Am 28.02 1925 starb Friedrich Ebert. General-Feldmarschall Paul von Hindenburg wurde am 26.04.1925 zum Reichspräsidenten gewählt. Im Oktober 1925 konnte in Locarno, zur deutsch - französischen Aussöhnung durch Stresemann und Briand, ein Beitrag geleistet werden. Deutschland wurde am 08.09.1926 in den Völkerbund aufgenommen. Im Jahre 1930 wurde das Rheinland von den Franzosen geräumt. Eine Weltwirtschaftskrise führte zu wirtschaftlichen Rückschlägen. Die Folge war ein Anwachsen der KPD (Kommunistische Partei Deutschland) und der NSDAP (National Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei). Im März 1930 wurde unter Reichskanzler Brüning von der Zentrumspartei eine Minderheitsregierung aus bürgerlichen Parteien gebildet, die sich auf das Vertrauen des Reichspräsidenten Hindenburg stützte. Mit Hilfe von Notverordnungen wurde regiert. Bei den Reichstagswahlen am 14.09.1930 konnte die NSDAP einen großen Erfolg erreichen. Sie kam von 12 auf 107 Mandate. Der Versuch Brünings die wirtschaftliche Misere zu überwinden scheiterte. Hindenburg wurde am 10.04.1932 zum Reichspräsidenten wieder gewählt. Im April 1932 wurden durch Notverordnungen die Wehrorganisationen der NSDAP, SA und SS, verboten. Im Mai kam es zum Rücktritt des Kabinetts Brüning. Papen wurde Kanzler. Das Verbot der SA und SS wurde aufgehoben. Eine national-sozialistische Terrorwelle rauschte durch Deutschland. Bei den Reichstagswahlen vom 31.07.1932 konnte die NSDAP 37,8 % der abgegebenen Stimmen erreichen. Am 11.11.1932 kam es zum Sturz von Papen. Neuer Kanzler war General von Schleicher. Er versuchte die NSDAP durch Spaltung unschädlich zu machen. Hindenburg ging auf diesen Plan nicht ein und Kanzler Schleicher musste am 28.01.1933 zurücktreten.

Aus unserm Dorfgeschehen XIIm Jahre 1919 wurden, wie zuvor berichtet, in Deutschland Wahlen zur Nationalversammlung abgehalten.
Hier die Wahlergebnisse aus Rheingönheim:

Zentrum: 218 Stimmen (11 %)
USPD: 218 Stimmen (11 %)
DVP: 251 Stimmen (12 %)
SPD: 1083 Stimmen (53 %)
DDP: 269 Stimmen (13 %)

Im Jahre 1921 gliedert die Firma Buchholz zu ihrer Fett- und Knochenschmelze noch eine Fabrik für Seifensiederei an.

Im Jahre 1922 kommt es zur Gründung einer Bücherei für Rheingönheimer Bürger.

Im Jahre 1923 erfolgt die Gründung der Weizenbierbrauerei Lindemann und Co. Es ist eine weithin bekannte Spezialbierbrauerei, die heute leider nicht mehr besteht.

In den Jahren 1923/1924 kam es zur Separatistenbewegung. Das lateinische Wort "separatio" bedeutet Absonderung oder Trennung. Mit dem Wort Separatismus war in der Pfalz die Abtrennung von Bayern und dem Reich zu verstehen. Man beabsichtigte, eine autonome Regierung zu bilden. Die Bemühungen der Separatisten wurden insgeheim von den Franzosen unterstützt, hätte sich doch im Falle eines Erfolges der Einfluß zu ihren Gunsten gewandelt.
Eine führende Rolle spielte Franz Josef Heinz, der an der Spitze der Separatistenbewegung stand. Er war auch der geistige Vater von vielen Proklamationen, die die "Pfälzische Republik" ausrief. Der Sitz der provisorischen Regierung war Speyer. Anfang November 1923 besetzten die Separatisten alle wichtigen Ämter in Neustadt, zwei Tage später wurde das Regierungsgebäude in Speyer besetzt.
Bei Hanhofen kam es zur ersten größeren Auseinandersetzung zwischen Bürgerwehr und Separatisten, wobei es sogar Tote und Verwundete gegeben hat. Dieses Ereignis bestärkte aber auch die Kräfte, die gegen eine Abtrennung der Pfalz waren. In der Folge wurden die Auseinandersetzungen immer schärfer geführt.
In der ganzen Pfalz wurden die Separatisten nun zurückgedrängt. Hierbei kam es zu zahlreichen Straßenschlachten, wobei außer vielen Verletzten auch etliche Menschenleben zu beklagen waren. Am 6. Februar 1924 wurde die Regierungsgewalt den gesetzmäßigen Behörden wieder übertragen. Auf Plakaten wurde bekannt gegeben: "Die autonome Regierung stellt am 17. Februar, vormittags 8.00 Uhr, jegliche Betätigung der Regierung, der Verwaltung und der Polizei ein."
Flugblätter der Separatisten wurden in dieser Zeit auch in unserem Dorf verteilt, mit dem Aufruf, dass es für die Pfalz nur eine Rettung gibt, die Bildung eines selbstständigen neutralen Staates ohne jede Gebietsabtrennung mit wirtschaftlichem Anschluss an das Saargebiet.
Im Jahr 1924 wird der aus Schifferstadt stammende Separatistenführer Georg May mit samt einem Schutzmann als Begleitperson aus dem "Braustübel" der Weizenbierbrauerei Rheingönheim ausgewiesen.

Am 1. Februar 1924 zahlte in Folge der galoppierenden Inflation ein Rheingönheimer Handwerker an Miete für seine Werkstätte 4 Billionen und 500 Milliarden Mark. Einen Monat später bei Einführung der Rentenmark lag die Miete bei 5,50 Rentenmark.

Am 1. Juni 1924 wurde im Sandloch die Radrennbahn eingerichtet. Erbaut von einer Arbeitsgemeinschaft arbeitsloser Sportfreunde und verschiedenen Mundenheimer und Rheingönheimer Geldgebern. Ihr damaliger Name: "Olympia - Stadion Ludwigshafen - Rheingönheim." Sie sah viele Deutsche Meisterschaften und internationale Rennen bei großer Zuschauerbeteiligung. Die Rennbahn erlebte aber auch separatistische Umtriebe. Im Jahr 1933 wurde der Sportbetrieb eingestellt.

Am 18. Dezember 1924 wurden Gemeinderatswahlen abgehalten. Aus diesen Wahlen ging Eugen Schmidt, Landwirt, als Bürgermeister hervor. Durch Einspruch wegen Formfehler während der Wahl musste sie am 29. März 1925 wiederholt werden. Die Wahlergebnisse von damals:
Sozialdemokraten: 641 Stimmen - 6 Sitze
Kommunisten: 266 Stimmen - 2 Sitze
Demokratische Partei: 107 Stimmen - 1 Sitz
Zentrum: 158 Stimmen - 1 Sitz
Bürgervereinigung: 1126 Stimmen - 10 Sitze

Damit war die Wahl vom 18. Dezember 1924 und Bürgermeister Eugen Schmidt bestätigt. Seine erste Amtsperiode war von 1925 bis 1929. Die Zweite von 1933 bis 1934. In Gesprächen mit alten Bürgern kann man noch von den harten politischen Rededuellen im Gemeinderat aus jener Zeit hören.

Im Jahre 1926 beantragt Philipp Johann, Wirt des Lokals "Zum Löwen", die Eröffnung eines Lichtspieltheaters. Der Antrag wurde von der Gemeindeverwaltung abgelehnt.

Am Samstag, den 21. August 1926 erschien in Rheingönheim die erste Ausgabe einer unparteilichen Lokalzeitung für die Gemeinden Rheingönheim, Neuhofen, Altrip und Limburgerhof, das "Rheingönheimer Tageblatt". Der Lokalanzeiger erschien in der Woche 6 mal und kostete monatlich 1,30 RM einschließlich Trägerlohn. Durch die Post bezogen betrug der Preis 1,50 RM. Die Geschäftsstelle war in der Kirchhofstraße. Der junge Schriftsetzer Andreas Kröner, Jahrgang 1900, und Artur Kutschenreuther, Jahrgang 1904, wagten mit großem Eifer diesen Schritt. Eine alte Schriftpresse und ein Regal mit Schriften war die anfängliche Ausrüstung. Die Arbeitstage nahmen kein Ende, weil in den Abendstunden Veranstaltungen besucht oder das Neue vom Tage niedergeschrieben werden musste. Der ab 1927 allein die Firma leitende, aus Höchstadt/Aisch stammende Andreas Kröner hatte sehr schnell die Achtung seiner Mitbürger erworben. Eine wichtige Nachrichtenbörse für lokales Geschehen waren damals die Friseurläden. Im Jahre 1932 bezog das "Rheingönheimer Tageblatt" in der Schwanengasse einen Neubau. Hier arbeitete man bis Kriegsbeginn mit fünf Mitarbeitern als Zeitungs- und Akazidenzdruckerei. Im Jahre 1941 wurde das Erscheinen der Zeitung eingestellt.

Im Jahre 1928 bauten Adam und Else Klamm vor den Toren von Rheingönheim in Richtung Friedensau (Limburgerhof) auf ihrem Acker ein Haus. Das Haus und das umgebende landwirtschaftliche Areal wurde nach dem Vornamen des Erbauers "Adamshof" genannt. Im Laufe der Zeit wurde aus den anfänglichen 4 Häusern durch Neubauten 6 Gebäude. Laut Eintragungen in das Einwohnermeldebuch 1947/1948 trug das erste Haus des Adamshofes, von Rheingönheim aus gesehen, die Hausnummer 11/5. Es gab weder Anschluss an das Wasserversorgungsnetz noch sonstige Versorgungs- oder Entsorgungsanschlüsse. Da die Hauptleitung der Gasversorgung am Adamshof vorbeilief, hatte man Anschluss an das Gasnetz. Am Abend brannten auf dem Adamshof die Petroleumlampen. Wasser wird aus Brunnen entnommen und über die einzelnen Hauswasserversorgungen an die Zapfstellen geleitet. Überlaufgruben nehmen die Hausabwässer auf. Da die Brunnen mit der Zeit versandeten, mussten öfters neue Brunnen gebohrt werden. Untersuchungen des Gesundheitsamtes ergaben, dass das Wasser auf dem Adamshof fast den doppelten Härtegrad wie im Ort Rheingönheim hat. Das Wasser ist als Brauchwasser eingestuft. Nach einer Verordnung darf in Rheinland-Pfalz kein Haus mehr ohne Stromanschluss sein. Im September 1955 konnte man der Presse entnehmen "Stromanschluss für den Adamshof". Licht gab es zum ersten mal am Kirchweihsamstag 1955. So lautet ein Eintrag der Familie Klamm in der Familienbibel. Am 12 Juli 1989 ist es geschafft, der Adamshof erhält seinen Namen offiziell von der Stadtverwaltung. Er bekommt das Schild "Adamshof" ebenso "Radweg kreuzt" und "Geschwindigkeitsbegrenzung". Der Wunsch der "Adamshöfer" ging in Erfüllung.

Im Februar 1929 war der Winter so hart und die Kälte so stark, dass der Rhein zufror. Die Eisfläche bestand aus Zusammengefrorenen Eisschollen. Schlittschuhlaufen war nicht möglich, aber der Rhein konnte von Mann, Roß und Wagen überquert werden. Abgehärtete Naturen wie Schneidermeister Leo Rothkapp aus Neckarau nahmen ein Bad im zugefrorenen Rhein bei 16 Grad minus. Einige alte Fotos erinnern an diese Zeit.

Im Jahre 1929 verliert unser Dorf durch die Bildung der Gemeinde Limburgerhof die Zuckerfabrik in der Friedensau.

Am Sonntag, den 15. Dezember 1929, findet anlässlich des 25 jährigen Jubiläums des Protestantischen Kirchengesangvereins (1904 - 1929) abends 19.30 Uhr im Saale "Zum Löwen" ein Festabend statt. Vereinsvorstand war damals Heinrich Werger. Eine Ansprache hielt Pfarrer Jakob Häberlein, die Festrede hielt der Dekanatsvorsitzende, Kirchenrat und Dekan Kleinmann. Neben dem Posaunenchor und dem Jubiläumschor wirkte der Pfälzer Mundartdichter Ludwig Hartmann mit. Ein harmonischer Rahmen trotz der gewiss nicht leichten Zeiten.

Im Januar 1930 wird in der katholischen Kirchengemeinde die Turmuhr der Kirche, hergestellt nach neustem Stand der Technik, eingeweiht. Die Kosten hierfür wurden durch freiwillige Spenden aufgebracht. Die politische Gemeinde selbst bewilligte einen Zuschuss von 300 Mark.

Am 24. Januar 1930 kam es zu einem Brand in der Putzwollfabrik Woellner mit hohem Sachschaden. Produktionsstätten mit Maschinen waren ausgebrannt.

Im Jahre 1930 wird in der Feldstraße bei Bauarbeiten ein Grab aus der Bronzezeit freigelegt. In einer Sandgrube zwischen Rheingönheim und Limburgerhof wurde dieser geschichtliche Fund zutage gefördert.
Die geborgenen Sachen sind Beigaben von Skelettgräbern, auch als Flachgräber bezeichnet, und stammen aus der 2. Stufe der älteren Bronzezeit, was etwa 2000 Jahre vor Christus bedeutet. Die Art des Sandgrabens, wobei an einer 3 bis 4 m hohen, senkrechten Wand spatenweise von oben nach unten der Sand abgestochen wurde, ließ im Nachhinein eine genaue Rekonstruktion über die Lage der Knochen und der Beigaben nicht mehr zu. Bezeichnend für diese Kulturstufe unserer rheinischen Vorfahren ist die Bronze-Gewandnadel mit dem angeschwollenen, durchlochten Hals. Unsere Schmucknadel ist ein ausnehmend schönes Stück von 19 cm Länge, mit rundem Kopf, ringförmigen Verzierungen und stumpfwinklige Einritzungen. Dabei lagen noch zwei Bronzeringe. Der Armreif mit ringförmigen Verzierungen ist offen und misst 6 cm im Durchmesser, die Enden sind etwas verdickt. Der zweite Ring misst etwa 5 cm, ist schwächer und auf 2 mm geöffnet. In der Mitte, die etwas verdickt ist, befindet sich ein eingeschlagenes, ovales Loch.
Sehr gut erhalten ist das schwarze Tongefäß, eine Henkeltasse von etwa 9 cm Höhe und 12 cm Durchmesser. Der Inhalt betrug also etwas mehr als 3/4 Liter. Die Tasse zeigt außen zwei Zierbänder von je drei eingeritzten Linien. Die Bänder treffen auf die Henkelansätze, wodurch eine schöne Gliederung der Außenfläche entsteht. So lieferte das Hochufer schon des öfteren solche Funde, welche beweisen, dass vor bald 4000 Jahren schon ein hoch entwickeltes Volk in unserer Gegend ansässig war.

Im Mai 1931 feierte die Blaskapelle Konrad Grün ihr 20 jähriges Jubiläum.

Am Sonntag, den 23. August 1931 zog von der Hauptstraße ein Festzug zum "zentral gelegenen alten Friedhof" (heute Mozartpark an der Mozartschule). Hier nahm man unter Beteiligung der Rheingönheimer Vereine und der Bevölkerung die Weihe des Gefallenen-Ehrenmals von 1914/1918 vor. Bürgermeister Jean Hahl erinnerte noch mal an die 130 Gefallenen, deren Namen in den Stein eingemeißelt worden sind. Das Ehrenmal war ein wuchtiger Steinblock mit einem liegenden, todesstarren Krieger. Die Ehrenmalweihe nahm Stadtpfarrer Schmidt, Kaiserslautern, vor. Das Denkmal war eine Schöpfung der Berliner Architekten K. und W. B. Staudinger. Es wurde im 2. Weltkrieg, am 22./23. März 1945 durch Beschuss zerstört und danach abgerissen.

Am 29. /30. Oktober 1932 hatte der Touristenverein "Die Naturfreunde" Rheingönheim ein Gaumusikfest unter Beteiligung von 250 Musikern ausgerichtet. Die Leitung hatte Gaumusikdirigent R. Hird, Ludwigshafen. Verbunden mit dem Musikfest war die 10 jährige Gründungsfeier der hiesigen "Naturfreunde".

Die Machtübernahme Hitlers und der FührerstaatAm 30.01.1933 berief Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Papen war Vizekanzler und wollte den Radikalismus der Nationalsozialisten abschwächen. Bei den Reichstagswahlen vom 05.03 1933 erreichte die NSDAP nicht die absolute Mehrheit. Nur durch Koalition mit der Deutschnationalen Volkspartei wurden 52 % erreicht. Der Reichstag nahm das von Hitler vorgelegte Ermächtigungsgesetz zur Behebung der Not von Volk und Staat an. Die SPD stimmte dagegen. Die Regierung konnte zunächst 4 Jahre die Gesetzgebung außerhalb des verfassungsmäßigen Verfahren durchführen. Es wurden die Länder gleichgeschaltet, es erfolgte die Aufhebung der Gewerkschaften sowie das Verbot der SPD. Es kam zur Selbstauflösung aller übrigen Parteien. Die NSDAP wurde zur einzigen Partei in Deutschland erklärt. Staat und Gesellschaft wurden nach dem "Führerprinzip" organisiert. Durch den Abschluss eines Konkordats mit der Kurie normalisierte sich zunächst das Verhältnis zur katholischen Kirche. 1933 erfolgte im Oktober der Austritt aus dem Völkerbund. Anfang 1934 kam es durch außenpolitische Erfolge zur Festigung des Regimes. Es wurde ein Nichtangriffspakt und Freundschaftsvertrag mit Polen und ein deutsch-englisches Flottenabkommen abgeschlossen. Gefährlich scheinende Gegner wie Röhm, Strasser, Schleicher wurden unter dem Vorwand der Niederschlagung eines Putschversuchs beseitigt. Nach Hindenburgs Tod im Jahre 1934 gingen die Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Die gesamte vollziehende und gesetzgebende Gewalt lag nun in seiner Person vereint. Die Wehrmacht wurde auf Hitler vereidigt. Es folgt die allgemeine Wehrpflicht. Das Saarland kam 1935 nach Abstimmung an Deutschland zurück. Von den Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages sagte sich Deutschland los. Die "Nürnberger Gesetze" schaffen die Voraussetzung für die Ausrottung des deutschen Judentums. Es wurde der Vertrag von Locarno gekündigt und die entmilitarisierte Zone des Rheinlands besetzt. Im Jahre 1936 kommt es zur Bildung der Achse Deutschland-Italien der sich dann Japan anschloss. Einen großen Propagandaerfolg erzielte man durch die Durchführung der olympischen Spiele im Jahr 1936 in Deutschland. Intensiv wurde die Aufrüstung betrieben. Reichskriegsminister von Blomberg und Oberbefehlshaber des Heeres von Fritsch wurden entlassen. Hitler übernahm das Reichskriegsministerium. Es erfolgte 1938 der Einmarsch reichsdeutscher Truppen in Österreich und dessen Anschluss an das Deutsche Reich. Im Jahre 1938 gaben England, Frankreich und Italien im so genannten "Münchner Abkommen" ihre Zustimmung zur Besetzung der deutsch besiedelten Randgebiete der Tschechoslowakei. Am 09. November 1938 kommt es zu schweren Ausschreitungen gegen die Juden. Man spricht von der Reichskristallnacht. Es kam zu Zerstörungen von jüdischen Geschäften und Wohnungen. Jüdisches Eigentum wurde beschlagnahmt und Synagogen zerstört. 1939 erfolgte trotz Münchner Abkommen die Restbesetzung der Tschechoslowakei. Deutsche Truppen besetzten das Memelgebiet. Deutschland stellte Forderungen zur Rückgabe von Danzig, eine langfristige Garantie für die Grenze sowie den Bau einer Autobahn und Eisenbahn durch den Korridor an Polen. England und Frankreich geben eine Garantieerklärung für Polen ab. Die geschlossenen Verträge zwischen England und Polen werden von Hitler gekündigt. Im August 1938 wird mit Sowjetrussland ein Nichtangriffspakt geschlossen, dessen eigentliche Bedeutung aber in dem geheimen Zusatzabkommen lag, das die Aufteilung Polens regelt und in Osteuropa Einflusssphären absteckte.

Aus unserem Dorfgeschehen XIIAm 26. April 1933 fanden hier in Rheingönheim Gemeindewahlen statt. Aus diesen Wahlen ging Eugen Schmidt (Bürgerpartei) als Bürgermeister hervor, zweiter Bürgermeister wurde Fritz Sauvage (NSDAP).

Im Jahre 1933 hat der Bezirk Ludwigshafen den ehemaligen Bahndamm Rheingönheim bis zum Schießhaus zu einer verkehrstüchtigen Straße ausgebaut.

Im Jahre 1933 stellte ein Alois Stupan aus Neuß erneut einen Antrag zur Eröffnung eines Lichtspieltheaters. Auch dieser Antrag wurde vom Gemeinderat abgelehnt.

Gründung der Paddler - Gilde Ludwigshafen e.V.Schon im Jahre 1928 trafen sich einige Wassersportler zu Paddelfahrten in selbstgebauten Booten auf dem Rhein. Im Jahre 1930 kam es zur Gründung des Vereins "Freie Kanufahrer" unter Führung von Willi Büchler. Ein Schuppen auf dem Gelände der Pechfabrik in Mundenheim diente als Bootshaus. Durch Mitgliederzunahme des Vereins musste auf der Rheingönheimer Gemarkung von der Firma Marx ein entsprechendes Gelände gepachtet werden. Der Zusammenschluss der "Freien Kanufahrer" mit Wassersportlern anderer Gruppen führte am 1. Mai 1933 zur Gründung der "Paddler - Gilde 1933". Der 1. Vorsitzende war Hans Hammer. Durch die politischen Gegebenheiten des Dritten Reiches, kam es zur zwangsweise Auflösung des Vereins. Politisch unbelastete Mitglieder trafen sich am 21. Juni 1934 in der Gaststätte "Habereckl" in Mundenheim und setzten die Neugründung des aufgelösten Vereins durch. Der neue Vereinsname lautete "Paddler-Gilde Ludwigshafen a. Rh. 1933 e.V.". Der erste Vorsitzende war Franz Stoeffler, der zweite Vorsitzende Emil Klamm. Der Verein nahm unter der tatkräftigen Führung von E. Klamm einen großen Aufschwung. Die Mitgliederzahl war auf 70 angewachsen. 60 Boote standen zur Verfügung. Ein Teil der Boote wurde mit großer handwerklicher Fertigkeit selbst hergestellt. Auf der Kollerinsel wurde ein Zeltplatz gepachtet und eine Unterkunftshütte erstellt, in der an Wochenenden Paddlerfamilien ihre Freizeit verbrachten. Neben Paddelfahrten in die nähere Umgebung, wie Rhein und Altrheinarmen, wurden auch Großfahrten veranstaltet. Es ging auf der Donau von Ulm bis Wien, auf der Saar, auf dem Rhein von Kehl nach Ludwigshafen. An der Rheinfahrt nahmen nach vorhandenen alten Meldelisten 61 Mitglieder der Paddler-Gilde teil.
Im Jahre 1936 kam es zur Anschaffung des ersten 10-Mannschaftscanadier. Viele Jugendliche traten dem Verein bei. In der Mitgliederliste findet man Namen wie Werner Helf, Walter Klamm, Werner Köhler, Martin Pfeffer und Karl Wolf die später oft lange Jahre in der Vorstandschaft tätig waren. Regatten wurden besucht. Besonders erfolgreich war hier Karl Wolf.
Durch Ausbruch des 2. Weltkriegs kam der Sportbetrieb zum Erliegen. Im Jahre 1943 wurde durch Fliegerangriff das Bootshaus und ein großer Teil der Boote zerstört. Am 13.07.1946 kamen 24 Mitglieder in der "Rehbachwirtschaft" zu Rheingönheim zur Wiedergründung des Vereins zusammen. 1. Vorsitzender wurde Emil Klamm und 2. Vorsitzender Willi Kälber. Line Rathgeber wurde Kassiererin. Dieses Amt wurde von ihr bis ins Jahr 1998 ausgefüllt, um es dann aus gesundheitlichen Gründen an Nachfolger abzugeben. Emil Klamm war maßgeblich am Wiederaufbau des Vereins beteiligt. Der Sportbetrieb war nur unter großen Schwierigkeiten wieder in Gang zu bringen. Man brauchte für jedes Boot eine eigene Fahrerlaubnis vom Straßen- und Flußbauamt in Speyer und ein Visum von der französischen Marine-Gendarmerie-Brigade in Maxau. Von der Militärbehörde wurden Auflagen gemacht, wie z. B. nur bis zur Strommitte und höchstens 10 km in jede Richtung vom Heimathafen zu verkehren. Uhrzeiten für den Sportbetrieb wurden festgeschrieben. Es durften weder Waren noch Post an Bord genommen werden. Erst 1948 erfolgte die Anerkennung der Paddlergilde als Sportverein durch die französischen Behörden. Im Jahre 1950 gründete sich innerhalb der Paddler-Gilde eine Skiabteilung.
Karl Wolf, Martin Pfeffer, Karl Ackermann und Werner Riehl nahmen an den Deutschen Kanumeisterschaften 1950 in Hannover teil. Im Jahre 1958 brachte Hochwasser das Bootshaus zum Einsturz. An anderer Stelle konnte ohne fremde Hilfe das Bootshaus wieder erstellt und rechtzeitig zum 25-jährigen Vereinsjubiläum in Betrieb genommen werden. Eine vielseitige Jugendabteilung entstand in den Jahren 1951 bis 1960 unter Jugendwart Werner Köhler. Es wurden Wanderfahrten auf Bodensee, Mosel, Donau und Ostsee durchgeführt. Im Rennsport konnte die Jugend Erfolge vorweisen. Karl Heinz Böhm gewann 1957 die Pfalzmeisterschaft. Im Jahre 1960 wurden bei Regatten unter der Leitung von Sportwart Karl Heinz Böhm im süddeutschen Raum 40 erste, 26 zweite und 16 dritte Plätze errungen. In der Juniorklasse war bester Fahrer Gerhard Böhm, der 20 erste, 6 zweite und 4 Pfalzmeisterschaften erkämpfte. Weitere erfolgreiche Kämpfer waren Karl Heinz Böhm, Klaus Fränkle, Manfred Häckel, Josef Keil und Paul Lipphardt.
Dieter Neff übernahm 1971 das verantwortungsvolle Amt des Jugendwarts. Das Schwergewicht der sportlichen Betätigung innerhalb der Paddler- Gilde liegt beim Wandersport. Der Bogen des Wasserwanderns ist weit gespannt. In den 60iger Jahren kamen die Kunststoffboote auf den Markt. Mit besserer Sicherheit und Ausrüstung konnte man sich auf Wildwasser wagen. In den Jahren 1967 bis 1978 waren Werner Riehl, Erwin Schmitz, Günther Anschütz und Klaus Krämer die Wanderwarte des Vereins. Manfred Hofmann brachte neue Impulse für den Wandersport. Erwachsene und Jugend gingen gemeinsam auf Fahrt. Punkte und Medaillen wurden gesammelt. Die Instandhaltung und Erweiterung der baulichen Anlagen erforderte stets den Einsatz der Mitglieder. Im Jahre 1970 ging das Gelände in städtischen Besitz über. Dadurch ergaben sich ein günstiger Pachtvertrag und Sicherheit der Vertragsdauer. Ein Sanitärgebäude, Lagerraum sowie Trainings- und Aufenthaltsraum wurden errichtet. Im Jahre 1982 waren die Arbeiten beendet. Im Jahre 1983 konnte das 50-jährige Vereinsjubiläum gefeiert werden. Neben den Festlichkeiten wurde der Kanusport auf dem Kiefweiher präsentiert. In einer Bootsausstellung wurde den Gästen die Geschichte des Paddelbootes dargestellt. Im Jahre 1986 nahm die Größe der Jugendgruppe zu. Es wurden vermehrt Fahrten durchgeführt.
Ab dem Jahre 1989 lag die Gestaltung der Jahresabschlussfeier bei der Jugendabteilung. Am 14.09.1989 kam es zum Bau einer Mehrzweckhalle, die dann am 9. Mai 1992 eingeweiht wurde. In den folgenden Jahren lag der Schwerpunkt der Vereinsarbeit auf der Gestaltung des Vereinsgeländes. Die Paddler-Gilde hat heute etwa 280 Mitglieder und wird von Dieter Neff als 1. Vorsitzenden geleitet.

Pfarrer Wilhelm Caroli Opfer der NS - ZeitAm 7. April 1895 wurde Pfarrer Caroli in Saarlouis geboren. Wie seine beiden älteren Brüder fasste er den Entschluß, Priester zu werden. Zu Ostern 1914 trat er in das Priesterseminar Trier ein. Im Jahre 1920 wechselte er nach Speyer und wurde am 12. März 1921 von Bischof Dr. Ludwig Sebastian zum Priester geweiht. In Ludwigshafen (St.Dreifaltigkeit, Hemshof), Grünstadt und Kusel war er als Kaplan tätig. Als Pfarrverweser kam er im November 1926 in die Pfarrei St .Joseph, Rheingönheim. Als Pfarrer betreute er diese Pfarrei ab 1. Dezember 1926. Pfarrer Caroli verwirklichte, trotz anfänglicher Fehlschläge, seine Idee einer Gemeinschaft aller Gemeindemitglieder. In der Zeit der Separatistenbewegung setzte er sich in vielen Gesprächen für ein Verbleiben beim Reich ein. Für ihn war die Nation, der Staat, das Reich und das Volk etwas Großes, für das sich zu kämpfen lohnte. Er hatte aus seinen religiösen und politischen Überzeugungen kein Hehl gemacht. So musste es mit den braunen Machthabern 1933 bald zur Konfrontation kommen. Am 26. Juni 1933 wurde er auf dem mitternächtlichen Heimweg von einem Priestertreffen vor seinem Pfarrhaus überfallen. Drei vermummte Gestalten hatten ihm aufgelauert und mit Gummiknüppeln niedergeschlagen. Nachdem er schon blutend am Boden lag, ließen die Schläger noch immer nicht von ihm ab. Sechs Tage Aufenthalt im Marienkrankenhaus waren die Folge. Trotz des Abratens von Seiten des Arztes, feierte er am darauf folgenden Sonntag die Heilige Messe mit einem blauen Auge und einer geschwollenen rechten Gesichtshälfte. Die Gemeinde sollte sehen, was mit ihrem Pfarrer passiert war. Für die Ergreifung der Täter setzte die Gauleitung scheinheilig eine Belohnung von 500 RM aus. Die Täter wurden gefasst und verhaftet. Nach 2 Tagen waren sie wieder auf freiem Fuß. Der Ortsgruppenleiter stellte den Antrag auf Versetzung des Pfarrers.
Am 1. Juli 1935 brachte Pfarrer Caroli ein Flugblatt mit einem Aufruf zum Gottesdienstbesuch heraus. Dieses war mit katholischem Gruß unterzeichnet. Dieses Flugblatt wurde als Störung des konfessionellen Friedens ausgelegt. Der NSDAP Rheingönheim gelang es 800 Menschen zu mobilisieren. Auf dem Adolf-Hitler-Platz wurden die Massen durch einpeitschende Reden von NS - Helfern gegen Pfarrer Caroli aufgewiegelt. Sie zogen vor das Pfarrhaus. Pfarrer Caroli war durch Freunde gewarnt und hatte an diesem Abend Rheingönheim verlassen. Der braune Einpeitscher schwang sich auf die Mauer und redete auf die Menge ein. Als der Versuch gemacht wurde das Pfarrhaus zu betreten, stellte sich Herr Magin in den Weg und bestätigte, dass Pfarrer Caroli nicht anwesend sei. Beherzte junge Männer, gläubige Katholiken, ließen die Kirchenglocken läuten um auf das Unrecht aufmerksam zu machen. Karl Arendt, Richard Edinger, Ferdinand Kugler, Hans Reimer, Georg Schwanninger, Michael Schwanninger, Josef Schwäger und Hans Waldmann riskierten damals viel und mussten durch persönliche Repressalien dafür bezahlen. Der Kirchenverwalter Luitpold Magin wurde blutig geschlagen, so dass er für einige Tage arbeitsunfähig war. Selbst ein Amtsverwalter der NSDAP, Herr Moosbrugger aus Mannheim, der die Menge beruhigen wollte, wurde von der aufgehetzten Meute verprügelt. Das angeforderte Überfallkommando kam mit halbstündiger Verspätung an. Es verhaftete nicht die Schläger sondern die mutigen Männer, die die Turmglocken läuten ließen. Sie wurden gestoßen und bespuckt.
Nach mehreren Konflikten mit den damaligen Machthabern sprachen die Behörden für Pfarrer Caroli ein Aufenthaltsverbot für Rheingönheim aus. Dieses wurde später für die ganze Pfalz erweitert. Trotz Verbot wagte Pfarrer Caroli immer wieder nächtliche Besuche bei Gemeindemitgliedern. Einen Wechsel in eine andere Gemeinde lehnte der Pfarrer ab. Sein Bischof in Speyer musste ihn schließlich in den Ruhestand versetzen. Am 16. Juni 1937 wurde ihm in Frankenthal der Prozess gemacht. Er wurde zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt und saß die Strafe in Zweibrücken ab. Nach der Entlassung ging er zu seinem Bruder nach Kürrenberg in die Eifel. Der Kontakt zu Rheingönheimer Gemeindemitgliedern riss nicht ab. Auch in der Eifel musste er seine Stimme gegen die NS - Herrschaft erheben und sich gegen die Unmenschlichkeit einsetzen
Am 14. Oktober 1941 wurde er wegen Kanzelmißbrauch verhaftet. Am 18. Februar 1942 kam er ins Konzentrationslager Dachau. In der Nacht vom 22./23. August 1942 starb er einen Hungertod im Kreise seiner priesterlichen Leidensgenossen.
Es starb ein Mann, der den Mut hatte Widerstand zu leisten bis zum Letzten. Er gab sein Leben hin für seinen Glauben, für seine Gemeinde und für das Recht. Damit die Erinnerung an Pfarrer Caroli, den Kämpfer und Bekenner, wach bleibt und sein Geist weiterwirke, wurde die frühere Kirchenstraße und spätere Horst-Wessel-Straße in Carolistraße umbenannt. Das im Sommer 1984 fertig gestellte Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde trägt stolz seinen Namen.

Aus unserem Dorfgeschehen XIIIAm 9. Dezember 1933 machte auch der Turnverein Rheingönheim Erfahrungen mit den NS-Machthabern. An diesem Tage stimmten die Mitglieder des Turnvereins Rheingönheim gegen einen verordneten Zusammenschluss mit den anderen Sportvereinen im Ort. Unter der Parole: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern" wurden die Vereine zwangsweise zum neuen Großverein "Turn - und Sportgemeinde (TUS) Rheingönheim" zusammengeschlossen. Die Bürger Emil Klamm, Johannes Klamm ( Vater und Sohn ) und Karl Müller wurden wegen Widerstandsleistung 10 Tage in "Schutzhaft" genommen.

Am 23. März 1934 ist in einer Zeitungsnotiz zu lesen: "Bekanntlich verläuft die hiesige Gemarkungsgrenze innerhalb des Fabrikanwesens Gebr. Giulini mit der Stadtgrenze. Das Landesfinanzamt hat nunmehr an das Vermessungsamt den Auftrag gegeben, die Grenze so zu legen, dass das Fabrikterrain in der Hauptsache zum Stadtgebiet kommen soll. Damit wäre selbstverständlich die Zahlung von Gewerbesteuern an die hiesige Gemeinde hinfällig. Aus diesen Gründen und weil ein allgemeines öffentliches Interesse nicht anerkannt werden kann, lehnt der Gemeinderat die Zustimmung ab".

Am 12. Oktober 1934 trat Eugen Schmidt von seinem Amt als Bürgermeister zurück. Der Gemeinderat sprach diesem verdienten Mann Dank und Anerkennung für seine geleistete Arbeit aus. Kommissarischer Bürgermeister wurde Fritz Sauvage, NSDAP.

Am 28. September 1935 wurden Bürgermeisterwahlen durchgeführt. Neuer Bürgermeister wurde Georg Falk, Ziegeleibesitzer, von der NSDAP. Seine Dampfziegelei lag am Hohen Weg in Höhe der Rehbach. Er hatte das Amt bis zur Eingemeindung Rheingönheims zur Stadt Ludwigshafen am 1. April 1938 inne. Unter seiner Amtsführung wurden die Straßen in Rheingönheim mit einem Asphaltbelag versehen.

Im Jahre 1935 werden die "Capitol-Lichtspiele" durch Emil Helfrich aus Schwetzingen in Betrieb genommen.

Eine Aktennotiz vermerkt die Feier des Richtfestes der hochwasserfreien Straße nach Altrip. Gefeiert wurde der Bau dieser dringend notwendig gewordenen Straße am 4. November 1936, nachmittags 17.30 Uhr im Lokal "Zur Rehbach".

Im Jahre 1937 wird in unserem Dorf die Bekenntnisschule wieder eingeführt, die bis 1970 bestehen bleibt.

Im Jahre 1937 erfolgt die Umgestaltung des alten Dorffriedhofes in den Volksgarten "Hindenburgpark".

Auf einem alten Bild aus dem Jahre 1937 sieht man die Rheingönheimer Schafherde mit ihrem Schäfer, Willi Weber, auf der Oberweide. Jede bäuerlich strukturierte Gemeinde hatte im Dritten Reich die Auflage, eine Schafherde zur Wollgewinnung zu halten.

Rheingönheim im Aufbruch. 16.02.1938 letzte Gemeinderatsitzung der selbständigen Gemeinde.
Bürgermeister Falk eröffnet die Beratung und teilt mit, dass das Bezirksamt dem Rücktrittsersuchen des 2. Beigeordneten Keck stattgegeben habe. Entsprechend dem Vorschlag des Beauftragten der NSDAP wurde als 2. Beigeordneter der Landwirt Philipp Kolb berufen. Die Ernennung ist unter Aushändigung der Ernennungsurkunde erfolgt.
Der Bewässerungsgenossenschaft eGmbH Rheingönheim wurde ein alljährlicher Zuschuss auf die Dauer von 18 Jahren zugesichert und aktenkundig beschlossen.
Zum Bau eines Hitler-Jugend-Heimes stellt die Gemeinde unentgeltlich Baugelände auf dem Luitpoldplatz zur Verfügung. Auch wurde von der Gemeinde ein namhafter Geldbetrag für den ersten Bauabschnitt zur Verfügung gestellt.
Die Ortsamtsleitung der NSDAP erstrebt ebenfalls ein Heim, wozu sich die Gemeinde ebenfalls bereit erklärt hat, das erforderliche Gelände, evtl. auch im Tauschwege, zur Verfügung zu stellen.
Der Nachtragshaushalt für das Rechnungsjahr 1937/1938 wurde mit einem Gesamtvolumen von 614350 RM aufgestellt.
Erörtert wurde auch der Bau einer neuen Leichenhalle, damit die Leichenzüge von der Reichsstraße wegkommen.
Unter dem Punkt Verschiedenes hat Bürgermeister Falk noch bekannt gegeben, dass die Baupläne für die Erstellung eines Schutzraumes für das Jungvieh auf der Kandelwiese der Baupolizeibehörde unterbreitet worden seien.
Auch die Pläne für die Erweiterung der Aborte der Mozartschule, die auch den Besuchern des Hindenburgparks zugänglich sein sollen, wurden eingereicht. Die Straßenbeleuchtung soll ergänzt werden und der Adolf-Hitler-Platz soll gepflastert werden.

Eine Zeitung vom 5. März 1938 berichtet:
Die hiesige Weizenbierbrauerei, ein Unternehmen, das mit seinem "Stoff" von Rheingönheim nicht mehr wegzudenken ist, hat am gestrigen Tag Richtfest gehabt. Durch einen größeren Anbau im Hof wurde neuer Raum für Lager- und Unterstellzwecke geschaffen.

Unser einheimischer Tenor Ernst Geiger, Sohn von Johannes Geiger, Hartmannstraße 3, wurde ab nächster Spielzeit als 1. lyrischer jugendlicher Held an das Stadttheater Pforzheim vertraglich verpflichtet. Seine ersten Partien wird er dort in den Opern Boheme, Carmen und Tosca singen. Zwei Tage nach Vertragsabschluß in Pforzheim erreichte ihn -leider zu spät- ein Ruf an das Stadttheater Erfurt. Dem jungen Künstler ein glückliches Beginnen.

Das Standesamt Rheingönheim verzeichnet folgende Aufgebote:

Dr. Friedrich K. Schunck und Lina Mathilde Horlacher
Heinrich J. G. Egner und Berta Abele
Mathias Gürster und Susanne Winkler
Emil Hartmann und Maria Josefine Oberle

Im Jahre 1938 geht das Filmtheater in den Besitz von Karl Stubenbord in der Hauptstraße 51 über.

Die Zwangseingemeindung von Rheingönheim am 1. April 1938.
Die Eingemeindung von Rheingönheim, Maudach, Oggersheim und Oppau am 1. April 1938 zu Ludwigshafen war kein mit demokratischen Mitteln betriebener Verwaltungsakt. Der damalige Reichsstatthalter von Bayern, Ritter von Epp, ordnete mit einem Erlass die Eingliederung zu Ludwigshafen an. Es war ein diktatorisch abgesegneter Verwaltungsakt.
In der Sprache der damaligen Machthaber im Staat war das so zu verstehen: "Das deutsche Reich befindet sich im Aufbruch. Neuer Glaube und neue Entschlossenheit haben einen Aufstieg auf allen Gebieten unseres politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens eingeleitet. Raumnot hindere auch Ludwigshafen, sich von einer schwachen Stadt zu einem starken Gemeinwesen zu entwickeln".
Ludwigshafen erlebte in der damaligen Zeit eine rasante Entwicklung, die Stadt griff hinaus auf ihr Umland, um sich Platz zu schaffen und die Raumnot zu beheben.

In einer Niederschrift vom 24. November 1937 heißt es wie folgt:

"Der Oberbürgermeister des Stadtkreises Ludwigshafen beantragt im Anschluss an die eingehende Besprechung und die Ortsbesichtigung vom 23./24.11.1937 die Inangriffnahme der vorbereitenden Arbeiten für die Eingliederung der Gemeinden Oppau, Oggersheim, Maudach und Rheingönheim in die Stadt Ludwigshafen zu genehmigen.
Die Bürgermeister der Städte Oppau und Oggersheim erklären sich damit grundsätzlich einverstanden. Der Bürgermeister der Gemeinde Rheingönheim spricht sich dagegen aus, der Bürgermeister der Gemeinde Maudach spricht sich gegen die Eingliederung der ganzen Gemeinde aus, erklärt sich bereit zur Abtretung eines Teiles der Gemeinde. Die Gauleitung Saarpfalz, die Vorstände der Bezirksämter Frankenthal und
Ludwigshafen, die Regierung der Pfalz und das Bayer. Staatsministerium des Inneren befürworten den Antrag des Oberbürgermeisters von Ludwigshafen. Für den Reichsstatthalter in Bayern erteilt hierauf Staatssekretär Hofmann die erbetene Genehmigung."

gezeichnet: Hofmann

Am 15. Februar 1938 fand die letzte Beschlussfassende Gemeinderatssitzung der selbständigen Gemeinde Rheingönheim unter Vorsitz von Bürgermeister Georg Falk statt.
Danach folgten die Ereignisse der Eingliederung, für die damaligen Stadthalter von Ludwigshafen die Möglichkeit, sich durch ein vorgezogenes Erntedankfest zu profilieren.
Am 1. April 1938 wurde mit einer feierlichen Ratsherrensitzung im Konzertsaal des Ludwigshafener Pfalzbaues die Festwoche eingeleitet. Vor dieser Sitzung versammelte Oberbürgermeister Dr. Erich Stolleis die Ratsherren zu einer kurzen Tagung im festlich geschmückten Sitzungssaal des Stadthauses Süd. Hier wurde dem Oberbürgermeister die neue Amtskette mit Runen und den Ortswappen der eingegliederten Vororte überreicht.
In einer groß angelegten Rede gab Dr. Stolleis einen Überblick über die Raumnot in Ludwigshafen, die zu den heutigen Maßnahmen zwang. Man steht am Anbruch einer neuen Zeit. Eine schönere Stadt wird die Menschen in ihr stolzer werden lassen. Es folgte eine Auflistung von Maßnahmen, die das Bild der Stadt entscheidend verändern sollten. Doch wie wenig von dem, was versprochen wurde, ist tatsächlich erfüllt worden.
Am 1. April folgte dann am Abend im Saal des I. G. Feierabendhauses ein großes Festkonzert mit einem Kammersänger und Prof. Elly Ney am Klavier.
Am 3. April bewegte sich ein historischer Festzug von der Lagerhausstraße durch alle Straßen der Stadt zum Hindenburgpark (Ebertpark). Hier wurde dann das 12. Ludwigshafener Parkfest feierlich eröffnet. Ein strahlend blauer Himmel gab dem ganzen ein schönes Bild. In 164 Motivwagen wurde die Entwicklung von Ludwigshafen aufgezeigt und propagandistisch aufgewertet.
Rheingönheim als neuer Stadtteil war mit dem Fischereiwagen "Alt-Rheingönheim" vertreten. Ein Fischerkahn mit Fangnetzen dekoriert, umgeben von Fischern in Wetter abweisender Bekleidung boten ein eindrucksvolles Bild von Rheingönheims vergangenen Fischerdynastien. Ein Wagen der Firma Woellner vertrat in diesem Festzug die Rheingönheimer Industrie.
Blickt man nach all den Festaktivitäten auf die verwaltungstechnischen Eingemeindungsakten, so ist man enttäuscht. Da gibt es keine großartig gestaltete Urkunde, wie sonst in der Zeit des Nationalsozialismus üblich. Auf fünf simplen Schreibmaschinenseiten wurde festgeschrieben, wie sich die Zusammenarbeit der Verwaltung zwischen der Stadt Ludwigshafen und dem neuen Stadtteil Rheingönhein gestalten soll.
17 Punkte regeln die steuerliche, verwaltungstechnische und bürokratische Übereinkunft, die auf Begehren des Rheingönheimer Bürgermeisters getroffen wurde.
Heute sind inzwischen 65 Jahre vergangen, seit die Ehe von Rheingönheim mit Ludwigshafen geschlossen wurde. Es werden von keiner Seite mehr Zweifel gehegt.

Die Rheingönheimer Geschäftswelt vor dem 2. Weltkrieg
Bei Familientreffen oder Stammtischgesprächen kommen ältere Rheingönheimer Bürger öfters mal darauf zu sprechen wie viel Gewerbebetriebe und Läden sich in unserem Dorf um Kunden bewarben. Die nachfolgende Aufstellung bezieht sich auf das Jahr 1939. Man ist überrascht wie viel Lebensmittelgeschäfte und Wirtschaften vorhanden waren. Im Vergleich mit der heutigen Situation muss man festhalten, dass die kleineren Lebensmittelgeschäfte alle verschwunden sind. Es sind Supermärkte entstanden, die mit ihren Sortimenten auch die traditionellen Bereiche der Metzger und Bäcker abdecken. Das Schneider-, Sattler- und Zimmererhandwerk ist in Rheingönheim nicht mehr vertreten.

Gastwirtschaften:
"Zum Sportheim" "Zum Adler"
Johannes Schärf und Frau, vormals Jean Hahl, Otto Baumann und Frau,
Hauptstraße Eisenbahnstraße

"Zum goldenen Lamm" "Kallstadter Weinstube"
Jakob Hammann und Frau Artur Eckelmann und Frau,
Eisenbahnstraße

"Zum Lamm" "Bahnhofs - Wirtschaft"
Lucian Reimer und Frau Wilhelm Bernhardt
Hauptstraße Eisenbahnstraße

"Pfälzer Weinstube" "Zur Sängerhalle"
Joh. Koch Wwe. Christ. Baumann und Frau
Hauptstraße Eisenbahnstraße

"Zum Weizenbierstübl" "Zum Schwanen"
Johannes Heene und Frau Joh. Kuntz und Frau
Hauptstraße Hilgundstraße

"Zum Pfälzer Hof" "Zum Bayerischen Hof"
Jean Frey und Frau Georg Heiner und Frau
Hauptstraße Hilgundstraße

"Zur Rheinpfalz" "Zur Fischpfanne"
Frau Phil. Hoffmann Wilh. Kramb und Familie
Hauptstraße Benngewannstraße

"Zum grünen Baum Vereinslokal "Turnverein"
Wilhelm Deuschel und Frau Heinrich Schmidt und Frau
Hauptstraße Jahnstraße

"Zum Hirsch" Vereinslokal "Frei Heil"
Adolf Karch und Frau
Hauptstraße Luitpoldstraße

"Zum Löwen" "Zum Rehbach"
Philipp Johann und Frau Walter Maus und Frau
Hauptstraße Wiesenstraße

"Zur Krone" "Zum Weißen Häusl"
Bernhard Huwig und Frau Fam. Vorwinkel
Hauptstraße Wiesenstraße

"Zum Habereckl" "Zum Pflug"
Johannes Schwarz Wwe. Philipp Graf und Frau
Hauptstraße Hauptstraße

Bierverlag Fr. Ungerer, Karl - Bröger- Straße
Bierverlag Adam Streitel, Schwanengasse
Bierverlag Wilhelm Streitel, Maxstraße

Handel und Fabrikation von Mineralwässern Limonaden
Christoph Frey VI, Hauptstraße

Lebensmittelgeschäfte:
Barbara Schwäger, Hauptstraße Anna Frey (Ernst), Hauptstraße
Hilde Lippold, Hauptstraße Bernhard Huwig, Hauptstraße
Karl Jakob, Hauptstraße Kath. Rempp, Riedlang
Veronika Weckesser, Schmiedegasse Katharina Scholl, Schmiedegasse
Joh. Schreiber, Hauptstraße Heinrich Schlosser, Eisenbahnstraße
Marie Köglmayer, Königstraße Gertrud Schwirzer, Königstraße
Eva Röder ( Milch ), Königstraße Irma Gilbert, Königstraße
Anna Merkel, Eisenbahnstr. Robert Jakob, Hilgundstraße
Elsa Reber, Neuhöfer - Str. Frau Kirchhardt, Almelstraße
Julchen Bruch, Carolistraße Elise Scheiner (Milch), Schwanengasse
Adam Neumann ( Milch ), Friedensstraße Frau Koch (Butter, Eier, Käse) Hauptstraße
Konsum (Filiale ), Hilgundstraße

Bäckereien:
Ernst Weigel (Brezel), Hauptstraße Hans Wolf, Hauptstraße
Fritz Baab, Hauptstraße Philipp Graf, Hauptstraße
Alois Winkler, Eisenbahnstr. Arthur Eckelmann, Eisenbahnstraße
Alfred Büttner,Königstraße Wilhelm Wolf,Königstraße
Karl Ulshöfer, Königstraße Georg Braun,Hilgundstraße

Metzgereien:
Philipp Müller, Hauptstraße Jakob Hammann, Hauptstraße
Georg Scholl, Hauptstraße Otto Bernhardt, Hauptstraße
Fritz Schwarz, Carolistraße Karl Scholl, Carolistraße
Cornelius Zech, Hilgundstraße Jakob Reinhardt, Benngewannstr.

Malergeschäfte:
Ludwig Böcker, Luisenstraße Jean Muth, Luisenstraße
Ludwig Schwäger, Luisenstraße Heinrich Schäfer,Benngewannstraße
Jean Hauck, Carolistraße Jakob Schäfer, Uthmannstraße

Friseurgeschäfte:
Georg Reich, Hauptstraße Heinrich Pister, Hauptstraße
Eugen Reich, Hauptstraße Franz Lemmert, Hauptstraße
Jakob Reich, Hauptstraße Wilhelm Reich, Carolistraße
Karl Schleinkofer, Reinwaltstraße Ambrosius Pfeffermann, Reinwaltstraße

Schneidergeschäfte:
Emil Epting, Königstraße Isidor Wolf, Hilgundstraße
Paul Boffo, Reinwaltstraße Karl Boffo, Schmiedegasse

Kürschnerei:
Ludwig Hartmann, Brückweg

Druckerei:
Andreas Kröner, Schwanengasse

Schmiedebetriebe:
Jakob Müller III, Schmiedegasse Ph. u. H. Striebinger, Hoher Weg
Ernst Hornberger, Hoher Weg Karl Kirschner, Sandgasse

Schlossereien:
Wilhelm Böckler, Carolistraße Jakob Müller, Eisenbahnstraße
Hans Reimer, Reinwaltstraße

Spenglereien:
Jean Schwäger, Hauptstraße Jean Roos, Hilgundstraße
Jakob Ernst, Eisenbahnstraße Otto Weiß, Königstraße

Maschinenfabriken:
Karl Frey Ing., Hauptstraße Willi Keck, Woellnerstraße

Zimmererbetriebe:
Walter Deutschel, Königstraße Julius Kolter, Friedensstraße
Robert Stehle, Gänsweidstraße

Holzhandlung:
Otto Geibel, Königstraße

Schreinereien:
Albert Oberst, Hauptstraße Karl Müller/Otto Hofmann, Reinwaltstraße
Konrad Fries, Hauptstraße Adam Frech, Benngewannstraße

Sattler:
Karl Schmitt, Hauptstraße

Wagnereien:
Jakob Gimmy, Hauptstraße, Georg Scholl, Eisenbahnstraße
Heinrich Trumpfheller, Schmiedgasse

Schuhmachereien:
Paul Kunz, Carolistraße Reinhard Veith, Reinwaltstraße
Friedrich Schärf, Mühlweg Karl Hofmann, Königstraße

Kurz - Wollwaren:
Wilhelm Schmidt,.Hauptstraße Frieda Mayer, Benngewannstraße
Robert Großmann, Hilgundstraße

Juwelier/Uhrmacher:
Emil Stichter, Königstr./Hauptstraße

Elektrobetriebe:
Georg Kolb, Carolistraße Friedrich Rebennack, Hauptstraße
Karl Diemer, Hauptstraße

Gärtnereien:
Jakob Schönmann, Hauptstraße Karl Wißmann, Dannstadter Weg
Michael Roßmayer, Hauptstraße

Süßwaren/Rauchwaren:
Oskar Reinheimer, Königstraße Jakob Hofen, Hilgundstraße
(Zigarrenfabrik)
Neumann (Tabak etc.), Hauptstraße

Kohlehandlungen:
Heinrich Hammann, Hauptstraße Jakob Reinhardt, Nachtweidstraße
Heinrich Schäfer, Carolistraße Kilian Tremmel, Eisenbahnstraße

Eissalon:
Wilhelm Diemer, Hilgundstraße

Fahrradhandlungen:
Karl Martin, Fritz - Schmidt - Str Johannes Magin, Sandgasse
(Fahrrad u. Nähmaschinenfabrik)
Gebrüder Röth, Königstraße Philipp Walter, Schwanengasse
(Autos, Motorräder, Fahrräder)
Eckrich (Fahrräder), Riedlang

Küfer:
Andreas Ullrich, Hauptstraße

Obst und Gemüse:
Albert Engelter, Hauptstraße Karl Hahl, Benngewannstraße

Heizungsbau:
Carl Ernst, Ing., Hauptstraße

Terrazzo - und Kunststein:
Alois Zickgraf, Eisenbahnstraße

Konfektionsgeschäfte:
Weiler, Benngewannstraße

Der Zweite WeltkriegAm 01.09.1939 begann mit dem Angriff deutscher Truppen auf Polen der 2. Weltkrieg. In einem Blitzfeldzug von 18 Tagen brach Polen zusammen. Entscheidend waren die deutsche Luft - und Panzerwaffe. Am 17.09.1939 rückte die Rote Armee in Ostpolen ein. Die Aufteilung Polens und des Baltikums wurden mit Rußland geregelt. Gebiete, die durch den Versailler Vertrag an Polen gefallen waren, kamen zurück ins Reich z. B. das Wartheland. Das übrige von Deutschen besetzte Polen wurde als General-Gouvernement eingerichtet. Systematisch kam es zur Vernichtung der polnischen Führungsschicht. Die Westmächte unternahmen trotz Garantie- und Beistandsverpflichtungen gegenüber Polen nichts.
Im November 1939 kam es zum Ausbruch des russisch-finnischen Krieges. Durch die von Stalin zuvor durchgeführte Säuberungsaktion der Roten Armee waren dieser die erprobten Führer genommen worden. Die Rote Armee war schlecht geführt und ausgerüstet. Die finnische Armee kämpfte heldenhaft, musste jedoch am 12.03.1940 den Frieden von Moskau schließen, der der Sowjetunion bedeutende strategische Gewinne brachte.
Um die Erzzufuhr aus Schweden zu sichern wurde in einem See-, Land- und Luftunternehmen am 09.04.1940 Norwegen besetzt. Diese Besetzung kam den Engländern um Stunden zuvor. Norwegens Widerstand wurde gebrochen. König Haakon VII und seine Regierung flohen nach England. In Norwegen wurde ein Reichskommissar eingesetzt. Dänemark wurde ebenfalls besetzt, um die Nachschubwege zu sichern. Der Frankreichfeldzug begann am 10.05.1940 im Westen. Der Hauptstoß erfolgte durch die Ardennen nördlich von Sedan. Die französische und belgische Luftwaffe wurde am Boden ausgeschaltet. Das belgische Speerfort Eben Emael im Handstreich genommen Die Maasübergänge nach Holland durch Luftlandungen bezwungen. Es erfolgte der Luftangriff auf Rotterdam und die Kapitulation Hollands. Königin Wilhelmine und die Regierung flohen nach England.
Belgien kapitulierte. In Frankreich waren die deutschen Panzerverbände nach Norden eingedreht und hatten die Kanalküste erreicht, um das englische Expeditionskorps von der Seeseite abzuschneiden. Die deutsche Luftwaffe konnte die Einschiffung der britischen Armee nicht verhindern. Unter Zurücklassung der ganzen Ausrüstung konnten ca. 300000 Soldaten gerettet werden. Nachdem eine Heeresgruppe die Maginotlinie durchbrochen hatte, bildete Marschall Petain eine neue französische Regierung. Laval wurde stellvertretender Ministerpräsident. Am 14.06.1940 war Paris kampflos gefallen. Um sich Teile der Beute zu sichern, trat mit einer Kriegserklärung an England und Frankreich Mussolini auf den Plan. Am 22.06. 1940 kam es in Compiègne zu Waffenstillstandsverhandlungen. Frankreich wurde in ein besetztes und unbesetztes Gebiet geteilt. Die meisten Franzosen schlossen sich Petain an. General de Gaulle gründete in London das "Nationalkomitee der freien Franzosen". Churchill ignorierte Hitlers Friedensangebot. Der deutschen Luftwaffe gelang es nicht gegen die RAF die Herrschaft über den südenglischen Raum zu gewinnen. Es wurde das Seegebiet um England zum Operationsgebiet erklärt. Immer wieder kam es zu deutschen U-Boot-Angriffen. Eine Verlegung des Kampfes gegen England ins Mittelmeer scheiterte an den verschiedenen Kolonialinteressen von Italienern und Spaniern. Der italienische Angriff auf Griechenland war ebenso ein Misserfolg wie die Kriegsführung in Nord- und Ostafrika. Deutschland musste zu Hilfe kommen. Am 22 Juni 1941 trat das deutsche Ostheer ohne Kriegserklärung zum Angriff Richtung Osten an. Die nationalsozialistische Idee im Osten "Lebensraum" zu gewinnen, wurde in die Tat umgesetzt. Rumänien, Italien, die Slowakei und Ungarn traten dem Krieg bei. Finnland setzte seinen Krieg gegen die Sowjetunion fort. Aus anderen Ländern kamen Freiwillige, die am Krieg teilnahmen. Trotz großer Anfangserfolge führte die von den Auffassungen des Generalstabs abweichende Strategie Hitlers zu einem Misserfolg der Operationen. Der deutsche Angriff blieb 30 km vor Moskau im Schlamm und Frost stecken. Leningrad blieb unbezwungen. Murmansk wurde nicht erreicht. Der Angriff auf Rostow-na-Donu mißlang. Die russische Armee war trotz hoher Verluste nicht geschlagen. Man war auf einen Weltkrieg nicht vorbereitet. Durch russische Gegenangriffe bedroht, kam es zur großen Krise im deutschen Heer. Hitler übernahm selbst den Oberbefehl und verbot jeden Rückzugbefehl. Rußland und England schlossen am 12.07.1941 ein Bündnis. Für Rußland war somit eine wichtige Nachschubquelle erschlossen. Die Besetzung Persiens durch englische und russische Truppen ergab einen neuen Nachschubweg für die Sowjetunion. Am 07.12 1941 erfolgte der japanische Angriff auf Pearl Harbor und führte zur Kriegserklärung der USA an Japan. Deutschland und Italien erklärten der USA den Krieg. Damit hatte sich der europäische Krieg zum Weltkrieg ausgeweitet. Am 28.06.1941 begann östlich von Charkow der deutsche Teilangriff der Heeresgruppe Süd. Ziel war die untere Wolga und das Ölgebiet von Baku und Batum. Die Heeresgruppe A kam bis zum Kaukasus. Auf dem Gipfel des Elbrus wurde die deutsche Fahne gehisst. Die 6. Armee unter General Paulus drang nach Stalingrad vor. Ende Oktober 1942 waren 2/3 der Stadt in deutscher Hand. Den russischen Gegenangriffen gelang es nach der Vernichtung von 2 rumänischen Armeen am 22.11.1942 die 6. Armee in Stalingrad einzuschließen. Durchbruchsversuche wurden von Hitler verboten. Im Januar 1943 kapitulierte die 6. Armee nach sinnlosem Blutvergießen. Die Russen drängten die Deutschen über den Don und Donez zurück. Eine Landverbindung mit Leningrad wurde erkämpft. Auch im Mittelabschnitt der Front scheiterte der letzte Versuch Hitlers die Initiative zu übernehmen (Schlacht bei Orel und Kursk). Im Sommer 1944 führte eine russische Offensive auf der Karelischen Landenge zum Ausscheiden Finnlands. Deutsche und rumänische Truppen ergaben sich auf der Krim. Ein Angriff auf die Heeresgruppe Mitte, führte zu deren Zusammenbruch. Ende Juli 1944 fiel Brest-Litowsk. Es kam zum Warschauer Aufstand der von deutschen Truppen niedergeschlagen wurde. Stalin begann die Balkanstaaten zu unterwerfen (Rumänien, Bulgarien). Die deutschen Truppen mussten Griechenland, Albanien, Jugoslawien unter ständigen Kämpfen mit Partisanenarmeen verlassen. Deutschland hatte seine strategischen Stützpunkte und wichtige Rohstoffquellen verloren. In Nordafrika errang Rommel 1942 bedeutende Erfolge. Es wurde Tobruk genommen und die ägyptische Grenze überschritten. Es wurde El Alamein erreicht. Vor dem Gegenangriff der Briten unter General Montgomery mußte Rommel zurückweichen. Eine neue Front bei Tunis musste aufgebaut werden, da britische und amerikanische Truppen in Marokko und Algerien gelandet waren. Tripolis musste geräumt werden. Die Briten nahmen Tunis, die Amerikaner Bizerta. Die deutschen und italienischen Truppen stellten im Mai 1943 den Kampf ein. Italien wurde langsam von den Westmächten erobert. Stalin drängte die Westmächte um Bildung einer 2. Front im Westen, zur Entlastung der Sowjetunion. Die unter stärkstem Lufteinsatz im Juni 1944 begonnene Landung in der Normandie führte dazu, dass die deutsche Abwehrfront durchbrochen wurde. Alliierte Streitkräfte waren auch im Süden Frankreichs gelandet und stießen nach Norden vor. Die deutschen Truppen zogen sich auf die deutsche Westgrenze zurück. Im Dezember verlief die Westfront schon am Oberrhein, Westwall und Niederrhein. Die von Deutschland begonnene Ardennenoffensive blieb Anfang Januar 1945 stecken. Deutschland hatte seit 1942 sehr unter den Luftangriffen der Alliierten zu leiden. Viele Verkehrsanlagen, Industriegebiete und die Zivilbevölkerung wurde ständig angegriffen. Die aussichtslose Lage des Reiches trieb eine Gruppe der Widerstandsbewegung zum Handeln. Es folgte das Bombenattentat des Obersten Graf Schenk zu Stauffenberg am 20.07.1944 auf Hitler, der dieses überlebte. Die Vergeltung war groß. Alle Beteiligten wurden hingerichtet. Das Jahr 1945 begann im Osten mit einem Großangriff der Roten Armee. Ostpreußen wurde abgeschnitten, Schlesien ging verloren. Amerikaner und Engländer waren im Westen über den Rhein ins Innere Deutschland vorgedrungen. Am 25.04.1945 trafen sich russische und amerikanische Truppen bei Torgau an der Elbe. Am gleichen Tag schloss sich der Ring um Berlin. Hitler beging am 30.04.1945 Selbstmord. Großadmiral Dönitz wurde sein Nachfolger. Die Gesamtkapitulation wurde am 07.05.1945 in Eisenhowers Hauptquartier durch Alfred Jodl unterzeichnet und wurde am 08.05.1945 im russischen Hauptquartier wiederholt. Hier war der Unterzeichner Wilhelm Keitel. Die Kapitulation trat am 09.05.1945 in Kraft.

Aus unserem Dorfgeschehen XIVAm 22.Oktober 1940 fuhr vor dem Haus der jüdischen Familie Weil in der Hartmannstraße 6, heute Benngewannstraße, ein Omnibus vor. In diesem Haus hatten sich alle Rheingönheimer jüdischen Familien einfinden müssen. Sie wurden in den Bus verladen, der sie zum Schulhof der Maxschule nach Ludwigshafen brachte. Von hier ging die Fahrt mit weiteren jüdischen Familien aus Ludwigshafen nach Gurs in Südfrankreich.

Es waren folgende Rheingönheimer jüdische Mitbürger:

Emil Haas, geb. 09.06.1868, Hartmannstraße 6,
wurde nach Dachau deportiert,
kam 1942 nach Nexon, wo er am 16.01.1943 verstarb.

Bella Haas, geb 29.06.1881, Hartmanstraße 6,
verstarb am 24.05.1946 in Lacaune les Bains.

Emilie Weil, geb.12.12.1888, Hartmannstraße 6,
kam am 04.09.1942 mit Transport Nr. 28 nach Auschwitz,
ist seitdem verschollen.

Flora Weil, geb. 07.01.1891, Hartmannstraße 6,
kam am 12.08.1942 mit Transport Nr. 18 nach Auschwitz,
ist seitdem verschollen.

Albert Blüm, geb. 12.04.1891, Adolf-Hitler-Straße 101,
wurde zuerst nach Dachau deportiert,
kam am 04.09.1942 mit Transport Nr. 28 nach Auschwitz,
ist seitdem verschollen.

Heinrich Weil, geb. 03.10.1875, Eisenbahnstraße 27
kam zuerst nach Rivesaltes, dann in das Lager Drancy,
am 11.09.1942 in das Lager Auschwitz überstellt,
ist seitdem verschollen.

Eugenie Weil, geb. 17.05.1875, Eisenbahnstraße 27
ist seit dem Lager Gues verschollen,
das weitere Schicksal ist unbekannt.

Manfred Weil, geb. 20.06.1926, Eisenbahnstraße 27
kam zuerst nach Riversaltes, dann in das Lager Drancy
am 11.09.1942 in das Lager Auschwitz überstellt
ist seitdem verschollen

Von allen weiteren jüdischen Mitbürgern hat sich die Spur nach der Zwangsdeportation schon sehr bald verloren. So kamen manche in das Lager Pisticci in Italien, einige in das Lager Drancy, andere in das Aufenthaltslager von Gurs oder in das Lager Riversaltes, wieder andere kamen in das Lager Noe oder in das Lager Camp du Vernet.
Wie viele unserer ehemaligen Mitbürger dann in die Todeslager von Auschwitz oder Dachau transportiert wurden, wie viele infolge Krankheit oder Unterernährung unterwegs gestorben sind oder wie viele auf der Flucht erschossen wurden, wird wohl nie ganz aufgeklärt werden.
Festzustellen sei jedoch, dass auch unser Ort einen großen Blutzoll zu entrichten hatte, um den rassistischen Wahnideen der Nationalsozialisten genüge zu tun. So blieb auch der kleinste Ort nicht verschont und keiner wird wohl je aufdecken können, welche menschlichen Schicksale sich hinter dem Wort "verschollen" verbergen.

Die Geschichte der jüdischen Familien J. Jakob und E. LewinJosef Jakob wurde am 6. September 1875 in Büdingen / Lothringen geboren. Während seiner Studienzeit zum Lehrer und Kantor lernte er seine spätere Frau Klara, geb. Horn, kennen. Sie war in Geisa bei Fulda geboren. Ihre Eltern waren dort als Kaufleute tätig. Die Brüder von Klara bauten in Fulda das Textilwerk Horn - Leinen- und Scheuertücher - auf, das vor dem ersten Weltkrieg 105 Mitarbeiter beschäftigte und großes Ansehen besaß.
Nach der Heirat von Josef Jakob und Klara, geb. Horn, erhielt Herr Jakob seine erste Stelle als Lehrer und Kantor bei der jüdischen Gemeinde in Rüdesheim im Rheingau. Hier kamen 4 Töchter zur Welt: Selma, geb. am 4. Januar 1902, Rita, geb. am 18. Mai 1904, Gretel, geb. am 4. Januar 1906 und Ilse, geb. am 27.Mai 1908. In Rüdesheim verbrachte Kantor Josef Jakob mit seiner Familie die Jahre im Dienst der dortigen jüdischen Rheingau-Gemeinde bis zum Jahre 1910. In diesem Jahr erreichte Herr Josef Jakob der Ruf an die jüdische Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen.
Der dortige Synagogen - Vorstand Max Fischer und der jüdische Gemeinde-Ausschuss, besetzt mit Anton Weil und Josef Freundlich, hatte diesen Vorschlag dem Gemeinderat Rheingönheim gemacht. Mit Gemeinderatsbeschluss vom 17. Januar 1911 wurde Kantor Josef Jakob als Religionslehrer und Vorbeter an das Bethaus der jüdischen Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen Hauptstraße 8 ( heute Haus Nr. 246 ) berufen.
Nach Aussagen der jüngsten Tochter, Ilse Lewin, verlebte die Familie in Rheingönheim eine ruhige Zeit. Sie selbst schloss Freundschaft mit einer Rheingönheimerin, die bis zu deren Tod im Jahre 1980 anhielt.
Josef Jakob war ein frommer Mann mit vielseitigen geistigen Interessen. Er war für seine Kinder in allen Lebenslagen immer sehr aufgeschlossen. Die Mutter wollte dagegen von der Problematik dieser Welt nicht viel wissen. Ihr Interesse galt der Familie, den Kindern und dem Haus. Das war ihre Welt. Hier fand sie Zufriedenheit und Frieden.
Nach acht Jahren Dienst in der jüdischen Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen wurde Kantor Josef Jakob nach Ludwigshafen versetzt und zog mit seiner Familie "vom Land in die Stadt". Sein Wunsch war immer eine große, schöne und geräumige, repräsentative Wohnung für sich und seine Familie zu besitzen. Diese fand er in der Wittelsbachstraße 84.
In Ludwigshafen tat Kantor Jakob Dienst an der Synagoge und an der Kommunalschule. Im Jahre 1925 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Selma, ihre älteste Tochter, starb an einer Nierenschrumpfung, zugezogen durch die nicht einwandfreie Nachbehandlung von Scharlach mit Schmerzmitteln, über Jahre hinweg. Er litt jahrelang seelisch unter diesem Verlust.
Am 6. September 1935 feiert Josef Jakob seinen 60 - jährigen Geburtstag und zugleich sein 25 - jähriges Lehrerjubiläum. Aus diesem Anlaß sprach der Synagogenrat in einem Glückwunschschreiben den herzlichsten Dank für sein pflichttreues Wirken aus und überreichte eine Ehrengabe. Der Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher widmet beim Sabbat - Morgengottesdienst, Josef Jakob, Worte der Anerkennung und beglückwünschte ihn im Namen der Gemeinde.
Im israelitischen Gemeindeblatt wird berichtet, dass am Sonntag, den 17. März 1935 die Gefallenen - Gedenkfeier der Israelitischen Kultusgemeinde gemeinsam mit dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten stattfand. Die Herren Liberles und Jakob leiteten die Feier durch Psalmenrezitation. Vorausgegangen war die Niederlegung eines Blumengebindes durch eine Abordnung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten am Ehrenmal auf dem städtischen Friedhof. 17 jüdische Gefallene im 1. Weltkrieg hatte Ludwigshafen zu beklagen.
Kantor Josef Jakob absolvierte in all diesen Jahren mit der von ihm geübten Genauigkeit seine umfangreichen Aufgaben in der jüdischen Gemeinde in Ludwigshafen aus. Seine Gesundheit war seit dem Tode seiner Tochter Selma im Jahre 1925 nicht mehr die beste.
Im Jahre 1934 verabschiedete sich die zweitälteste Tochter Rita von der Familie und ging nach Palästina. Hier war sie im Sozialdienst, der dort bestehenden jüdischen Gemeinde tätig. Nach Gründung des Staates Israel 1948 trat sie in den Sozialdienst des Staates ein. Im Jahre 1969 kehrte sie nach Deutschland zurück und wohnte bis zum Tode ihres Mannes in Feudenheim, danach in einem Altenheim in Frankfurt.
In den Jahren 1935 bis 1938 verdunkelte sich der Himmel für die Juden in Deutschland immer mehr. Indifferenz, Verunglimpfung, Boykott der jüdischen Geschäftswelt, Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben, Behinderung jüdischen kulturellen Lebens führten konsequent hin zum Judenpogrom (Reichskristallnacht ) in der Nacht vom 09. /10. November 1938.
Auch Josef Jakob bekam die Zwangsmaßnahmen der Nazi - Herrschaft zu spüren. Er musste mit seiner Familie die große Wohnung in der Wittelsbachstraße 84 aufgeben, da die Miete nicht mehr bezahlbar war. Sie nahmen in den F-Quadraten in Mannheim eine Wohnung. Mannheim hatte damals eine viel größere jüdische Gemeinde und es war hier eine alte jüdische Tradition zuhause. Entsprechend war in Mannheim die antisemitische Hetzkampagne nicht so ausgeprägt wie in Ludwigshafen. Doch auch hier schlug die Stimmung bald um und Hetze und Diffamierung taten das ihre.
Nach dem Judenpogrom wurde Josef Jakob in Haft genommen und vom 10. November bis zum 22. November 1938 in Dachau festgehalten. Für die noch in Freiheit lebenden Familienangehörigen in Mannheim wurde die Lage immer bedrückender. Man entschloss sich Anfang 1940 zur Auswanderung. Mit der Eisenbahn gelangen Klara, Jakob, Tochter Gretel und Schwiegersohn über Rußland nach Shanghai. Hier begaben sie sich in chaotische Verhältnisse. Shanghai war unter der Last der japanischen Besetzung von 1937 - 1945, durch den anhaltenden Flüchtlingsstrom am Rande des Zusammenbruchs und erlitt einen Versorgungskollaps nach dem anderen. Die neu ankommenden Flüchtlinge hatten unsägliche Qualen durchzustehen. Frau Klara starb im Jahre 1943 in Shanghai. Tochter Gretel und ihr Mann lebten 8 Jahre in diesem Hexenkessel einer Stadt und konnten erst 1948 in die USA, nach New York, auswandern. Hier arbeitete Gretel 25 Jahre in der Buchhaltung einer Kettenorganisation von Restaurants. Nach dem Tode ihres Mannes ging sie nach Miami / Florida. Das Klima New Yorks, besonders die harten, kalten Winter waren ihrer Gesundheit im Alter sehr abträglich geworden. So verbringt sie ihren Lebensabend im warmen Florida.
Der Vater, Kantor Josef Jakob, nahm bereits im Frühjahr 1940 in Mannheim von Frau und Familienangehörigen endgültig Abschied mit dem Bekennersatz: "Ich bleibe bei meiner Gemeinde."

Sein weiterer Weg geht aus vorhandenen Unterlagen des Stadtarchivs Mannheim hervor. Nach einer Meldekarte war Josef Jakob vom 31.12.1940 bis 11.02 1941 im Israelischen Krankenhaus in der Collinistraße gemeldet. Dann wohnte er in L 10,7. Gemäß Eintrag wurde Jakob am 21.08.1942 laut Mitteilung der Gestapo evakuiert.
In einem Erhebungsbogen, der sich auf die Wiedergutmachungsakten stützt, wird als Datum der Deportation der 23.08.1942, als Ziel Theresienstadt angegeben. Demnach ist Jacob am 26.09.1943 in Maly Trostinec verschollen gemeldet. Das Todesdatum wurde gemäß & 180 BEG auf 15.10.1942 festgelegt.
Frau Ilse Lewin, die Tochter von Kantor Jakob machte in Gesprächen auch auf das Schicksal der beiden Brüder ihres Vaters aufmerksam.
Danach lebte ein Bruder, Raffael Jakob, als jüdischer Kantor mit seiner Familie in der Schiffgasse 4 in Heidelberg. Er war ein frommer und sensibler Mann. Er wurde 1940 mit seiner Frau, seiner Tochter, deren Mann und Tochter, deportiert und ist verschollen.
Der zweite Bruder Josef Jakobs, Paquen Jakob, lebte mit seiner Familie in Frankreich. Sie bewirtschafteten einen Bauernhof mit einem angeschlossenen Viehhandel. Paquen Jakob wurde mit seiner Familie 1940 aus Frankreich deportiert und ist verschollen.
Wie verlief nun das Schicksal der jüngsten Tochter, Ilse Jakob, ab ?
Am 16. Oktober 1934 heiratete Ilse Jakob, Erich Lewin, in Berlin. Erich Lewin, geboren am 3. Mai 1902 ist ein Alt-Berliner mit preußischer Prägung und Erziehung. Er gehörte der Berliner jüdischen Gemeinde an. Sein Vater war Besitzer einer Buchdruckerei. Schatten fallen auf sein Leben, als er in jungen Jahren durch den Tod seinen Vater verlor. Trotz schwieriger wirtschaftlichen Verhältnisse konnte er seine Schulzeit mit dem Abitur abschließen. Erich Lewin ging als selbständiger Vertreter in die Schuhbranche und schaffte sich weit über den Berliner Raum hinaus einen guten Kundenstamm. Er wurde in seiner Branche ein erfolgreicher Geschäftsmann.
Nach der Heirat der beiden in Berlin ging Erich Lewin auf Wohnungssuche in Berlin - Reinickendorf. Er stellte sich bei sehr vielen Hauswarten vor. Immer mit dem Bemerken. "Der Ordnung halber muss ich Ihnen sagen, dass wir Juden sind." Die meisten Gesprächspartner gaben zur Antwort: "Mir macht das nichts aus, aber im Haus wohnt ein SA-Mann, wir wissen nicht, wie der das aufnimmt. An anderer Stelle war es dann ein Amtsverwalter oder ein Parteigenosse der NSDAP, der im Haus wohnte. Unverrichteter Dinge musste er weiterziehen. Schließlich klappte es doch mit einer Neubauwohnung in einem Wohnblock einer großen Wohnungsbaugesellschaft. Jedoch nach 2 Jahren Wohnen kam ein Schreiben der Gesellschaft mit der Aufforderung, er möge doch im Büro der Hauptverwaltung vorsprechen. So getan, wies man Herrn Lewin daraufhin, er sei Jude und könne bei der Gesellschaft nicht wohnen bleiben. Das hieß: Auszug und erneut Wohnungssuche. Im Arbeiter - Wohnbezirk Berlin - Moabit fand man dann eine Wohnung. Das war im Jahre 1936. Doch die Belastungen durch die Göbbels-Streicher-Hetze gegen die Juden und die Unmöglichkeit für Juden, im Wirtschaftsleben erfolgreich zu bleiben, machte auch Familie Lewin das Leben immer schwerer. Zwischenzeitlich war Sohn Harry zur Welt gekommen. Nach dem Judenpogrom in der Nacht vom 09. / 10. November 1938 stand man vor der Frage: weiterleben ja, aber was ist zu tun? Herrn Lewin gelang es Ende des Jahres 1938, Visum und Passage für eine Emigration nach Lateinamerika, nach Bolivien zu erstehen. Ihre Wohnung in Moabit löste die Familie Lewin auf. Die Möbel wurden verkauft.
Anfang 1939 ging die Reise von Familie Lewin ins Ungewisse der bolivianischen Emigration los. Dabei wendete sich alle Sorge dem kleinen Harry zu. Nach langer Überfahrt und Überlandfahrten kam man in La Paz, der Hauptstadt Boliviens, an.
In La Paz waren die Lebensbedingungen und die Voraussetzungen für eine Existenzgründung äußerst schlecht. Man ging ins bolivianische Hochland, nach Oruro. Hier war das Risiko groß von tropischen Krankheiten befallen zu werden. Sohn Harry war zweimal an Paratyphus erkrankt. Nur der selbstlose Einsatz eines dort ansässigen Arztes, der mehrmals am Tage den Jungen aufsuchte, dazu die gute körperliche Verfassung, retteten das junge Leben von Harry. Die Tatsache, dass Frau Lewin ihr zweites Kind erwartete, entschloss man sich Bolivien zu verlassen und nach Chile zu gehen. Hier in der Talsenke des mittleren Chile traf man klimatische Verhältnisse an, die für Mitteleuropäer erträglich waren. Auch die Bedingungen einer Existenzgründung waren gegebener als in dem eben verlassenen Bolivien.
In Chile gründete die Familie Lewin ein Unternehmen der Lederbranche. Herr Lewin war ja von seiner Berliner Zeit her ein versierter Lederfachmann. Die Zeit, bis das Geschäft anfing zu florieren, ließ nicht lange auf sich warten und es kam bald zur Arbeitsteilung: Herr Lewin übernahm den Innendienst, d. h. den Produktionsvorgang, in dem bald eine Belegschaft von 25 Mann beschäftigt war. Frau Lewin aber, burschikos und mit Selbstverständlichkeit immer zupackend, dazu voll Initiativen, übernahm den Verkauf der produzierten Waren. Sie reiste über Land und besuchte die einschlägigen Geschäfte. In dieser Zeit kam 1940 Tochter Ruth zur Welt. Ruth Ezrahe lebt heute mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Israel und steht im Sozialdienst dieses Staates. Der eine der drei Söhne steht im Studium der Religionswissenschaften. Er übernimmt einmal die gleiche Aufgaben wie sein Urgroßvater, Kantor Josef Jakob und stellt sich dem Dienst als Rabbiner.
Das Lewinsche Unternehmen kam in seiner Entwicklung gut voran, dank der Zweiteilung der Geschäftsführung von Herrn und Frau Lewin. Das Jahr 1972 brachte eine Wende im Leben der Familie Erich und Ilse Lewin. Nach Jahren des Existenzaufbaus in Chile und erfolgreicher Geschäftsführung setzte man den gefassten Entschluss in die Tat um, übergab das Unternehmen Sohn Harry mit Frau und den vier Töchtern. Über einen Besuch bei Tochter Ruth in Israel kehrte Familie Lewin zurück in die angestammte Heimat, nach Mannheim. So schließt sich der Ring eines Lebens, der nur durch kosmopolitisches Denken in der natürlichen Ordnung dieser Welt überleben ließ. In Mannheim leitete Frau Ilse Lewin jahrelang den jüdisch-christlichen Gesprächskreis, die jüdische Frauenorganisation, Sektion Rhein - Neckar. Sie hat sich bleibende Verdienste um die jüdische Gemeinde Mannheim erworben.
Am 23. März 1983 wurde an der ehemaligen Judenschule, das auch Bethaus der isrealitischen Kulturgemeinde war, eine Ehrentafel eingeweiht. Das Haus steht in der Hauptstraße Nr. 246 und befindet sich heute in städtischem Besitz. Bei der Einweihung waren anwesend: Ortsvorsteherin Lieselotte Lang, Frau Ilse Lewin geb. Jakob, die Tochter des letzten hier an dieser Stelle tätigen und wohnhaften Religionslehrers Josef Jakob und der Oberbürgermeister Dr. Werner Ludwig.
Die Tafel trägt die Inschrift:

Zur Erinnerung
Hier befand sich die ehemalige Judenschule mit Bethaus.
Die Schließung erfolgte 1938. Das ursprüngliche Gebäude
wurde 1949 umgebaut.

Am 14.10.2001 wurde der Dorfplatz von Rheingönheim in Kantor - Josef - Jakob -Platz umbenannt. Die Initiatoren für die Umbenennung waren unter anderem Herbert Fritzsche, Walter Schäfer, der Ortsbeirat Rheingönheim und Pfarrer F. M. Hofmann. Die bronzene Gedenktafel wurde aus Spendenmitteln finanziert. Gestaltet wurde die Tafel von Bildhauer Thiele aus Ludwigshafen. Die Inschrift der Tafel stammt von Pfarrer F. M. Hofmann und gibt Daten über den Lebenslauf von Kantor Josef Jacob wieder. Die Gedenkplatte ist in der Begrenzungsmauer zum prot. Pfarrgarten eingelassen. Vor der Enthüllung des Platzschildes fanden die Einweihungsfeierlichkeiten in der Paul - Gerhardt - Kirche statt. Frau Ruth Ezrahe aus Israel, die Enkelin des jüdischen Kantors J. Jakob, hielt eine Ansprache und Dankesrede. Anwesend waren unter anderem der Ortsbeirat von Rheingönheim, die hoch betagte Schwester von J. Jakob, Frau Ilse Lewin, sowie Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schulte.
Am 11. Dezember 2002 verstarb Frau Lewin im Alter von 94 Jahren in Frankfurt - Seckenheim. Sie wurde in Mannheim auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt.

Aus unserem Dorfgeschehen XVIn einer Auflistung hat Bürgermeister Peter Horlacher I Angaben über die Anzahl von in Rheingönheim lebenden Israeliten in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg gemacht:

Jahr 1817: 20 Israeliten
Jahr 1824: 31 Israeliten
Jahr 1833: keine Angaben
Jahr 1835: 42 Israeliten
Jahr 1840: keine Angaben
Jahr 1852: 44 Israeliten
Jahr 1869: 39 Israeliten
Jahr 1974: 45 Israeliten
Jahr 1884: 57 Israeliten
Jahr 1900: 37 Israeliten
Jahr 1905: 38 Israeliten
Jahr 1911: 37 Israeliten


Die gebräuchlichsten jüdischen Familiennamen waren:

Blüm ( Anselm / Samuel / David )
Fischer ( Max )
Freundlich ( Maximilian / Siegfried)
Haas ( Emil )
Hirsch ( Salomon )
Jakob ( Joseph )
Marx ( Adolf )
Mendel ( Emanuel )
Schmid ( Abraham / Simon )
Weil ( Simon )

Werner Köhler übergibt Glasfragmente als Zeugnis der Reichskristallnacht 1938 in Ludwigshafen.

Werner Köhler, ein gebürtiger Rheingönheimer, hat Jahrzehnte hinweg zwei Glasfragmente als Erinnerungsstücke aufbewahrt. Sie stammen aus der so genannten Reichskristallnacht vom 09.11.1938.
Seine Mutter Elisabetha Köhler war bei der jüdischen Fabrikantenfamilie, Neuschäfer , als Haushaltshilfe beschäftigt. Nach dem die Nazis dort gewütet hatten half sie beim Aufräumen. Werner Köhler war als 11 - jähriger Bub dabei. Die Bedeutung dessen, was da passiert war, habe er nicht erkannt. Er fand an den schön geschliffenen Glasscherben gefallen und nahm zwei Gläser mit. Die Gläser waren über all die Jahre in einem Wandschrank seiner Wohnung verstaut. Als nun ein Umzug ins Heinrich - Wälker - Haus anstand, übergab er die Glasfragmente im November 2001 an Pfarrer F. M. Hofmann, dem protestantischen Moderator im Gesprächskreis Juden und Christen in Stadt und Landkreis Ludwigshafen. Pfarrer Hofmann plant diese Gläser dem Stadtmuseum Ludwigshafen zur Verfügung zu stellen, als Zeugnis der Reichskristallnacht. Der Verbleib der jüdischen Familie Neuschäfer ist unbekannt.

Immer wieder kam es zum Abwurf von Flugblättern durch die Royal Air Force ( RAF ). So ist auch ein Flugblatt vom 12. August 1941 erhalten, das im Buch von W. Schäfer " Rheingönheim Damals und Heute " abgebildet ist.
Es sind die Botschaften an das Deutsche Volk, um über Hitlers Krieg aufzuklären. Trotz Androhung von Todesstrafe für Besitz und Weitergabe der Flugblätter wurden diese Zeitdokumente gut über den Krieg gebracht.

Der Fliegerhauptmann Rudolf Weigel, geb. am 10.05.1913, verheiratet mit der Rheingönheimerin Irma Reich ( Friseurgeschäft in der Hauptstraße ) wurde als einer der ersten Ludwigshafener im Jahre 1942 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Gleichzeitig bekam er die Ehrenbürgerrechte der Stadt Ludwigshafen am Rhein verliehen. Als Flugzeugführer eines Sturzkampfbombers (Stuka) hatte er mehrere gefährliche Einsätze geflogen und seine Einsatzziele getroffen.

Ein weiterer Rheingönheimer Bürger bekam das Ritterkreuz für Tapferkeit bei Abwehrkämpfen verliehen. Sein Wunsch ist nicht namentlich genannt zu werden. Der Krieg ist für ihn eine Zeit über die man nicht mehr reden sollte.

Gern über den Krieg erzählte der Veteran Daniel Hölzel (1850 - 1938), der an Kriegen 1866 und 1870 / 1871 teilgenommen hat. Er wurde dazu im Dritten Reich sehr dazu ermuntert. Er war das Vorzeigestück der Gemeinde.

In der Nacht vom 09. / 10. August 1943 erlebte unser Ort seinen schwersten Fliegerangriff. 42 Scheunen mit der neuen Ernte gefüllt, gingen in Flammen auf. In der Luitpoltstraße (jetzt Hoher Weg ) sowie Anwesen im Schulgäßchen und Hauptstraße wurden zerstört. Die Mozartschule wird durch Druckwellen bei einem Fliegerangriff stark beschädigt. Von der protestantischen Kirche bleibt nur noch ein ausgebranntes Kirchenschiff übrig.
Der Jungviehstall auf der Kandelwiese, nach Plänen von Architekt Willi Horlacher im Jahre 1938 erbaut, wurde durch den Fliegerangriff ebenfalls total zerstört.

In den Jahren 1943 / 1944 wurde am Mühlweg ein 150 cm - Scheinwerfer von 15 bis 16 - jährigen Rheingönheimer Flakfreiwilligen bedient. Die 8köpfige Mannschaft bestand aus 6 Jugendlichen und 2 ausgebildeten Flaksoldaten. Neben dem Scheinwerfer, der sich in einer Grube befand war eine Baracke aufgestellt, die als Bereitschaftsunterkunft bei Nacht diente. Die Flakfreiwilligen arbeiteten am Tag als Lehrlinge, um sich beruflich ausbilden zu lassen. Am Hohen Weg war eine 10,5 cm - Flakbatterie im Einsatz. Hier waren Luftwaffenhelfer eingesetzt. Diese waren Schüler der Ludwigshafener Gymnasien, die ab 16 Jahren zwangsweise herangezogen wurden. Sie waren Tag und Nacht in der Stellung, die mit 5 Geschützen, sowie Peil-, Mess- und Horchgeräten bestückt war. Die Schüler wurden in der Stellung schulisch unterrichtet. Die Gesamtmannschaft der Flakbatterie umfasste 120 Mann. Sie unterstand einem Oberstleutnant.

Den einzigen Holzvergaser - Schlepper in Rheingönheim besaß der Landwirt Ludwig Zickgraf während des Krieges.

Im Jahre 1944 wird die katholische Kirche schwer durch Bomben getroffen. Die Luftminen, die in den Abendstunden des 25. September 1944 von britischen Bombern abgeworfen wurden, trafen das Wohngebiet in der unteren Königsstraße besonders schwer. Viele hatten kein Dach mehr über dem Kopf. Auch die Eduard - Jost - Straße sah mitgenommen aus.

Nach erfolgter Invasion der Alliierten in der Normandie im Jahre 1944, wurde zur Verstärkung der deutschen Westgrenze Panzer - und Schützengräben durch den Verband der Hitler Jugend ( HJ ) ausgehoben. Eine Gruppe Rheingönheimer war hier in Waldmohr im Einsatz.
Rheingönheimer Jugendliche waren auch beim Schanzeinsatz in Rehlingen an der Saar. Dieser Einsatz wurde am Anfang mit jugendlicher Begeisterung durchgeführt. Die Jagtbomberangriffe der Amerikaner nahmen jedoch ständig zu. Hier kamen dann drei Jugendliche, die nicht aus Ludwigshafen stammten, ums Leben. Die errichteten Befestigungen und Sperren waren für die heranrückenden Amerikaner im Frühjahr 1945 kein Hindernis.
Folgende Jugendliche nahmen damals beim Schanzeinsatz teil:
Ewald Werth, Herrmann Kunz, Herbert Müller, Walter Messer, Waldemar Gress, Fritz Böckler, Werner Boffo, Karl - Heinz Bischofsberger, Rudi Krämer, Martin Mahr, Karl - Heinz Ulrich, Hans Tremmel, Heinz Merkert, Hans Eckl, Walter Niesar, Karl Schwarz, Alfons Schwäger.

Am 02. Januar 1945 fallen Stabbrandbomben und die Firma Woellner brennt.

Sinnlos, wie alles in dieser Zeit, wurde in den letzten Kriegstagen von deutschen Pionieren die Rheinbrücke von Ludwigshafen nach Mannheim am 20. März 1945 in zwei Abschnitten gesprengt. Die Sprengung der Straßenbrücke erfolgte um 18.22 Uhr, die der Eisenbahnbrücke um 22.14 Uhr.

Im März 1945 rollte nun nach dem Luftkrieg der Landkrieg auf Ludwigshafen zu. In der Gemarkung Rheingönheim lagen immer noch die Flakstellungen zur Luftabwehr. Im Altholzweg bei Familie Philipp Groh waren die Offiziere der Flakbatterie untergebracht. In der Nacht vom 20. zum 21. März setzte sich die Batterie ohne Marschbefehl ab und fuhr mit der Altriper Fähre auf die badische Seite über. Im Morgengrauen des 23. März gingen amerikanische Truppen von Rheingönheim aus zum Angriff auf Mundenheim und Werk Giulini vor. Dennoch gab es einige Unverbesserliche, die am Ortsausgang Kampfhandlungen aufnahmen. Die Kampftruppen zogen weiter. Etappentruppen errichteten zwischen Giulini und Rheingönheim ein riesiges Lager. Es war mehrfach eingezäunt und zur Aufnahme von etwa 20000 Kriegsgefangenen bestimmt.
Da die Amerikaner nicht mit einem so schnellen Zusammenbruch gerechnet hatten, mussten kurz darauf auch die Felder rechts der Straße Hoher Weg - Gewanne im Sommerfeld als Teil 2 des Gefangenenlagers requiriert werden. Teile des südlichen und östlichen Ortes wurden belegt, und etwa 120 Familien mussten aus ihren Häusern und anderweitig untergebracht werden. Die Straße nach Altrip wurde vom Ortsausgang gesperrt.
Durch die große Belegungszahl war vor allen Dingen die Lebensmittelversorgung und die Versorgung mit Decken und Zelten nicht gewährleistet. Nachdem sich Verhandlungen in dieser Richtung ohne Erfolg immer mehr in die Länge zogen, wurden viele Gefangene von der einheimischen Bevölkerung mit Lebensmitteln und Decken versorgt. Die meisten der Wachsoldaten hatten gegen diese Hilfsaktionen nichts einzuwenden. Doch wurden auch ab und zu helfende Bürger vorübergehend festgenommen. Ende Mai 1945 wurde dann durch einen Erlass verboten, dass Zivilpersonen die Gefangenen versorgen. Auch wurden Bürger unseres Ortes, die Uniformen des Sicherheits- und Hilfsdienstes trugen, ins Gefangenenlager verbracht. Die Versorgung des Lagers war katastrophal. Für je etwa 3000 bis 4000 Gefangene gab es einen Wasserhahn, als Toiletten dienten Gruben mit einem "Donnerbalken". Zum Glück konnte man am Anfang noch auf den Äckern Steckkartoffeln ausgraben und mit Brennnesseln kochen. In Höhe der Einmündung der K 7 in den Hohen Weg errichteten Gefangene aus schon einmal verbauten Holzbalken ein Sühnekreuz. Dieses ist als Zeitdokument auf einem Foto, trotz Fotografierverbot von Gotthold Koltzenburger, nach dem Einmarsch der Amerikaner festgehalten worden. Hier hielt ein Lagerpfarrer Gottesdienste ab. Unter dem Kreuz wurden auch 7 verstorbene Gefangene beigesetzt und nach Auflösung des Lagers in die Heimat überführt. Viele der Gefangenen mussten auf dem blanken Boden schlafen, was bei einem Kälteeinbruch mit Schneefall am 1. Mai 1945 zu einer Verschlimmerung der Situation führte. Die Gefangenen hoben zum Schutz gegen die Kälte Erdgruben aus, wo sich dann immer 15 bis 20 zusammentaten und gegenseitig wärmten. Dass es hierbei unter den Verletzten nicht zu mehr Todesfällen kam, grenzt schon an ein Wunder. Eine Bleistiftzeichnung, angefertigt von einem Lagerinsassen, gibt Aufschluss über das Lager von innen. Die Zeichnung wurde im Hause der Familie Herrmann Deutschel, Almelstraße, gefunden. Recht spät lieferten die Amerikaner dann Zelte, die dann wenigstens von oben einen gewissen Schutz boten.
Beim Anblick des Elends im Lager PoW - 6 wiederholte sich bei allen Bürgern der Schwur "Nie wieder Krieg".
Am 3. Juli 1945 wurde das Lager PoW - aufgelassen.
Heute steht an der Kreisstraße K7 zur Erinnerung an das Lager und ihre Insassen ein etwa 3 m hoher Gedenkstein.

Er trägt die Inschrift:

Zur Erinnerung
an das Kriegsgefangenenlager
das von März bis Juli 1945
auf 100 Hektar in Rheingönheim
bestand. In ihm wurden etwa 90000
Deutsche Soldaten festgehalten.
In der Hoffnung, daß es nie
wieder Krieg und Kriegsgefangene
geben wird.
die Bevölkerung Ludwigshafens.

Nach nun schon über 58 Jahren Vergangenheit sollten die Toten dieses Lagers Mahnung und Warnung sein, den Krieg nicht als Mittel der Politik zu sehen.
Die Toten sind im einzelnen:
Friedrich Haeberlein, 35 Jahre
Ernst Maier, 43 Jahre
Ludwig Heiner, 56 Jahre
Werner Struck, 57 Jahre
Alois Setterle, 55 Jahre
Johannes Lutz, 39 Jahre
Johannes Deinhard, 57 Jahre
Hans Reiß, 36 Jahre
Alban Lenhardt, 33 Jahre
Unbekannter Soldat
Nikolaus Schäfer, 34 Jahre
Ludwig Geib, 34 Jahre
Marianus Wochiechowski

Die Ruhestätten der anderen verstorbenen Soldaten sind nicht bekannt, da sie ohne geistlichen Beistand beigesetzt wurden.

Was war nun die schreckliche Bilanz dieses Krieges in Ludwigshafen und Rheingönheim ?:

Ludwigshafen Rheingönheim
Gefallene Soldaten 3193 224
Vermißte Soldaten 2051 ( - )
Zivilbevölkerung 1778 33
Verletzte 2962 ( - )

Insgesamt hatte Rheingönheim 24 Luftangriffe zu überstehen, wobei mehr als 5000 Bomben viele Gebäude unseres Ortes in Schutt und Asche legten.

Die Luftkriegstoten

Blaß Karoline, Obere Friedensstraße gest. 06.08.1941
Kochner Otto, Sandgasse 1 gest. 10.08.1943
Kropp Peter, Eisenbahnstraße 21 gest. 10.08.1943
Mang Willi, Im Kappes gest. 10.08.1943
Gimmy Karl, Luitpoldstraße 5 gest. 10.08.1943
Schmitt Adolf, Mühlweg 5 gest. 06.09.1943
Heene Barbara, Maxstraße 8 gest. 11.02.1944
Kleiner Hermann, Bahnweg 3 gest. 01.05.1944
Wetzler Wilhelm, Königstraße 4 gest. 31.07.1944
Kiefer Heinz, Eisenbahnstraße gest. 31.07.1944
Scholl Georg, Eisenbahnstraße 11 gest. 31.07.1944
Lingies Leonore, Horst - Wessel - Str. 2 gest. 31.07.1944
Möllinger Philipp, Eisenbahnstraße 11 gest. 31.07.1944
Kühn Karl, Maxstraße 1 gest. 08.08.1944
Ungerer Elise, Wiesmannstraße 9 gest. 03.09.1944
Ritzmann Friedrich, Wiesmannstr.7 gest. 03.09.1944
Frank Julius, v. d. Tann Str.12 gest. 03.09.1944
Burger Franz, Riedstraße 72 gest. 08.09.1944
Mohler Luise, Horst - Wessel - Str.11a gest. 08.09 1944
Schwirzer Michael, Königstraße 79 gest. 25.09.1944
Schwirzer Klaus, Königstraße 79 gest. 26.09.1944
Dehn Franziska, Friedensstraße 45 gest. 05.11.1944
Leidel Magdalena, Luitpoldstraße 33 gest. 05.01.1945
Wissmann Johann, Horst - Wessel - Str. 9 gest. 01.03.1945
Kunz Anna, Hindenburgstraße 13 gest. 23.03.1945
Müller Karl, Hindenburgstraße 13 gest. 23.03.1945
Kräh Karl - Heinz, Hindenburgstraße 13 gest. 23.03. 1945

Außerhalb unseres Ortes

Löckel Vera gest. 24.02.1945 in Pforzheim
Keck Emmy gest. in Neustadt
Keller Karl gest. 16.11 1944 in Münchweiler

Fremdarbeiter

Gimet Jean gest. 12.08.1943 Zivilarbeiter Frankreich
Kutschik Peter gest. 06.09. 1943 Zivilarbeiter Rußland
Moledien Alex gest. 06.09.1943 Zivilarbeiter Rußland
Ronet Therese gest. 03.09.1944 Zivilarbeiterin Frankreich
Scharap Nikolai gest. 11.12.1944 Pol. Anw. Ukraine 7 Rußland
Geschwill Ludwig gest. 1943 Werkschutz Giulini

53 Ludwigshafener Bürger wurden wegen Widerstand gegen den Faschismus zu insgesamt 320 Jahren verurteilt., 1190 Juden verloren Ludwigshafen als Heimatstadt und Arbeitsplatz.

Bei 104 Luftangriffen fielen auf Ludwigshafen 461 Minen, 39377 Sprengbomben, 46688 Phosporbomben und unzählige Brandbomben.
42 Tage verbrachten die Bürger in Luftschutzkellern und Schutzräumen.
Es gab 12144 Brände. 11275 Wohnungen wurden total zerstört, was etwa 28 % der gesamten bebauten Fläche ausmachte.
Von den 13 katholischen Kirchen sind 6 total zerstört und 6 weitere mehr oder weniger stark beschädigt. Von den 11 protestantischen Kirchen sind 5 total zerstört und mehr oder weniger stark beschädigt.
30 % der Schulräume sind vernichtet, 90 % der Hafenanlagen liegen in Schutt und Asche, 94 % der Fabrikgebäude der BASF sind ein Opfer des Bombenterrors der Alliierten.

Schicksal eines VertriebenenUnter Maria Theresia wurden das ungarische Tiefland zwischen Donau und Theis mit angeworbenen Siedlern aus den Provinzen Kurpfalz, Elsaß, Saar, Lothringen, Pfalz und Baden besiedelt. Sie zogen in das menschenleere Sumpfgebiet der Donauniederungen, wo sie mit viel Fleiß und Entbehrungen das Land kultivierten.
Die Besiedlung in den Jahren 1750 bis 1770 brachte den Ersten den Tod, den Zweiten die Not und erst den Dritten das Brot. Durch harte und ausdauernde Arbeit dieser Kolonisten entstand ein blühendes Land, dessen Bewohner über Generationen hinweg Brauchtum und Sprache ihrer Ahnen pflegten.
Hier sei das Schicksal des Heimatvertriebenen Josef Armbrust erwähnt, Schmiedemeister, geb. am 8. April 1905 in Apatin an der Donau, einer Kleinstadt mit 15000 Einwohnern (zu 90 % Deutsche ). Nach Einmarsch der Russen 1944 in diesen Raum wurde er, wie viele seiner Landsleute, nach Charkow / Ukraine zur Zwangsarbeit verschickt. Seine Familie wurde in ein jugoslawisches Lager verbracht. Nach seiner Entlassung im Jahre 1947 konnte er seine inzwischen nach Bayern gekommene Familie in die Arme schließen. 1950 erfolgte der Umzug von Bayern zu uns, nach Schifferstadt in die Pfalz. 1955 erbaute Josef Armbruster hier in der Almelstraße in Rheingönheim ein eigenes Haus. Er verstarb am 29. Oktober 1981, 76 - jährig und fand hier seine letzte Ruhestätte.
Die zu uns gekommenen Menschen aus dem südosteuropäischen Raum haben sich in der Heimat ihrer Ahnen wieder als tüchtige Mitbürger integriert. Sie haben aber die Länder, aus denen sie vertrieben wurden, und die Erinnerung daran nicht vergessen. Sie geben diese weiter an ihre Nachkommen.

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