Gründung der Sportschützengesellschaft Rheingönheim 1900 e. V.Am 22. September 1900 versammelten sich auf Initiative des damaligen Gemeindesekretärs, Franz Paul, 28 Bürger aus Rheingönheim zur Gründung einer Zimmerstutzengesellschaft im Gasthaus "Zum Löwen". Franz Paul wurde auf der Gründerversammlung zum 1. Schützenmeister gewählt. Man traf sich im Schießlokal, besuchte Schützenfeste und nahm an geselligen Vergnügungen teil. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges ruhte das Vereinsleben. Auch nach dem Krieg konnte wegen Auflagen der Besatzungsmacht kein Vereinsleben aufgenommen werden. Erst 1930 kam es wieder zum Aufleben des Vereins. In der nationalsozialistischen Zeit wurde der Verein 1935 dem "Deutschen Reichsbund für Leibesübung " eingegliedert. Es entstand die "Schützengesellschaft 1900 e. V. Rheingönheim". Außer Zimmerstutzen wurden nun auch andere Waffen verwendet. Zum Schießen traf man sich im Vereinslokal und auf dem KK - Stand der " Kyffhäuser - Kameradschaft" im Sandloch. Im Jahre 1937 schlossen sich der "Schützenverein 1925" und der Schützenverein "Freischütz" der "Schützengesellschaft 1900 Rheingönheim e. V." an. Es kam in der Folgezeit zu Austragungen von Pokalwettkämpfen mit benachbarten Vereinen. Durch den 2. Weltkrieg und der darauf folgenden Nachkriegsjahren ruhte das Vereinsleben von September 1939 bis November 1951. Den Bemühungen von Fritz Leidenberger ist es zu verdanken, dass es zur Wiedergründung des Vereins kam. Er wurde mit der Vereinsführung beauftragt und hatte diese bis Juni 1954 inne. Im Jahre 1955 war der Verein schon mit der Durchführung des Pfälzischen Bundesschießen betraut. Dieses Bundesschießen stand unter der Führung des Schützenmeister Otto Baumann. Mit Emil Stichter konnte ein Rheingönheimer die Königskette des Pfälzischen Schützenbundes empfangen. Er wurde Bundesschützenkönig. Vor ihm konnte 1932 Otto Baumann beim Bundesschießen in Landau die Würde erlangen. Im Jahre 1969 war es Ralf Gröge der für die Schützensportgesellschaft Rheingönheim das damalige Bundesschießen in Lambrecht gewann. Im Laufe der Zeit stieg die Mitgliederzahl. In den Jahren 1958/1959 trug man sich mit den Gedanken eine eigene Schließanlage zu bauen. Von der Stadt konnte im "Am Sandloch" Gelände gepachtet werden. Vorwiegend in Eigenleistung begann man einen Schießstand zu errichten. Unter neuer Vorstandschaft mit Hans Michaelis als Oberschützenmeister und seinem Stellvertreter, Albert Neumann, wurde weitergebaut. Die Anlage wurde ständig erweitert, so dass sie außer Luftgewehrstände auch Kleinkaliber und Pistolenstände bekam. Am 31. Januar 1969 beschloss man die Umbenennung des Vereins in "Sportschützengesellschaft Ludwigshafen - Rheingönheim 1900 e. V." Im Jahre 1970 kam die von der Stadt verwaltete Schießanlage des ehemaligen Kyffhäuser - Bundes zur Pacht an die SSG - Rheingönheim. Im Jahre 1980 verstarb der OSM Hans Michaelis. Neuer Vorstand wurde Rainer Steuerwald. Das Vereinsheim wurde weiter ausgebaut und kann für viele vereinseigene Veranstaltungen genutzt werden. Schießsportliche Erfolge der Einzelschützen wie auch der Mannschaften blieben nicht aus. 1969 gab es zum ersten Mal einen Eintrag in die Liste der deutschen Meister. Es wurde in Wiesbaden der 3. Platz im Luftpistolenschießen der Mannschaften belegt. Die Luftgewehrschützen kämpften in der Landesliga und waren mehrmals Landesmeister. Unter Anleitung von Übungsleiter Horst Grossarth gelang es 1974 der Luftpistolenjugendmannschaft deutscher Mannschaftsmeister zu werden. Die Damenmannschaft belegte Platz 3. Der Wanderpreis "Rhein - Neckar - Schild", der "Silbernen Colt" sowie den "Bogenschützen" wurde nach Rheingönheim geholt. Bei den Deutschen Meisterschaften im Jahre 1975 holten sich die Schützen 6 Medaillen. Zwischen 1990 und 1995 gewannen die Schützen und Schützinnen des SSG Rheingönheim insgesamt 10 Goldmedaillen bei den Deutschen Meisterschaften. Erfolgreichster Medaillensammler war Gerd Ziegler mit 6 mal Gold, 7 mal Silber und 2 mal Bronze. Rheingönheimer Schützen waren seit Bestehen des Vereins mit vielen Erfolgen auf allen Siegerlisten zu finden. Der Verein hat sich für die nächsten Jahre den Ausbau im Bereich Jugend und den Aufbau einer starken Damenmannschaft zum Ziel gesetzt.

Schützenmeister seit der Gründung:

Datum

Oberschützenmeister

Schützenmeister

22.09.1900

22.09.1931

05.04.1933

28.11 1933

08.11.1934

27.12.1936

07.12.1951

05.01.1955

04.01 1956

08.12.1959

20.03.1975

22.05 1980

14.02 1985

29.01 1987

28.02 1991

30.01.1992

22.01.1998

27.01.2000

2001

2002

2008

Franz Paul

Friedrich Redlich

Karl Becker

Friedrich Redlich

Friedrich Redlich

Andreas Kröner

Fritz Leidenberger

Otto Baumann

Heinrich Henrich

Hans Michaelis

Hans Michaelis

Rainer Steuerwald

Bernhard Lechner

Bernhard Lechner

Bernhard Lechner

Rainer Steuerwald

Rainer Steuerwald

Harald Bilan

Walter Schäfer

Bernhard Lechner

Bernhard Lechner

Heinrich Baumann

Karl Becker

Georg Kunz

Georg Kunz

Andreas Kröner

Otto Baumann

Otto Baumann

Hugo Münz

Hugo Münz

Albert Neumann

Egon Weis

Bernhard Lechner

Johan Telle

Hans Stemmler

Karl - Heinz Gärtner

Karl - Heinz Gärtner

Walter Schäfer

Walter Schäfer

Walter Schäfer

Johann Telle

Bernd Hafner



Aus unserem Dorfgeschehen VIIIm Jahre 1901 wurde für die Krankenpflege ein Diakonissenverein gegründet.

Zur Gründung eines Kleintierzuchtverein in Rheingönheim kam es im Jahre 1903.

Im Jahre 1903 wird in unserem Dorf die erste Gendameriestation errichtet. Sie war mit 3 Mann besetzt.

Im Jahre 1903 konnte der erste katholische Pfarrer, der dritten Pfarrei, in unserem Dorf seinen Amtssitz einnehmen. Das vorhandene Kapital reichte zur Berufung aus. Es war Pfarrer Philipp Hartmüller (1903 bis 1912).
In den Jahren 1900 /1903 waren die Bürger Johannes Wetzler, Philipp Graf und Friedrich Schrayshuen beim Boxeraufstand in China dabei. China war damals zum großen Teil an fremde Mächte verpachtet. Deutschland hatte die Kolonie Kiautschou. Ein Teil der Herrschenden war für Reformen ein anderer Teil nicht. Die konservativen Mandschu - Prinzen förderten eine bäuerliche Geheimgesellschaft, die "Boxer". Die "Boxer" waren gegen Reformen und der Vernichtung der Fremden und ihre Einflüsse. Die Ausländer hatten ihrerseits die herrschende Klasse provoziert. Eine Explosion war unvermeidlich. Es kam zu Mord und Todschlag. Ausländische Truppen wurden eingesetzt. Zur Niederwerfung des Aufstandes schickte Kaiser Wilhelm II. Feldmarschall Graf Waldersee mit zwei Divisionen. Er war von den Mächten zum Oberbefehlshaber der internationalen Truppen bestellt worden.

Gründung des Fußballclubs 1. F.C. Arminia 03 Rheingönheim e.V.Die Gründung des Vereins erfolgte am 1. September 1903 trotz großer Gegnerschaft aus Reihen der Turner und allgemeinen örtlichen Antipathien. Die Gründungsmitglieder waren:

Georg Dattgè, Jean Gimmy, Jakob Schäfer, Richard Schäfer, Peter Horlacher;

Georg Dattgè war erster Vorsitzender und nach 2 Jahren von Jakob Schäfer abgelöst worden. Dessen Nachfolger war Karl Frey. Im Jahre 1907 war Jean Rheinnecker mit der Leitung des Vereins betraut. Dessen Stellvertreter war Peter Horlacher bis zum Jahre 1919. Von diesem Zeitpunkt an war Peter Horlacher mit kurzen Unterbrechungen bis zum Jahre 1953 1. Vorsitzender. Georg Klamm, Philipp Oberst, Ludwig Mühlhölzer, Adam Kohl, Adolf Decker, Chr. Böckler, Franz Büttner waren abwechselnd mit der Leitung des Vereins betraut. Von 1904 bis 1906 gehörte "Arminia 03" dem damaligen Rheinischen Fußball - Bund an, dann erfolgte der Beitritt zum Süddeutschen - Fußball - Verband. Als Spielplatz diente zunächst die "Gänseweide" neben dem heutigen Luitpoldhain. Von seitens des Bürgermeisteramtes wurde die Beibehaltung des Spielplatz "Gänseweide" in Frage gestellt. Es kam zur Kündigung. Die Pfälzische Eisenbahndirektion zeigte Entgegenkommen und überließ dem 1. F.C. Arminia 03 Gelände im "Sandloch" am Maudacher Weg. Es kostete ein gewaltiges Stück Arbeit dieses Terrain bespielbar zu machen. Im Sandloch fanden als erste Veranstaltung des Vereins Pokalspiele statt. Es kam zu einem regen Spielbetrieb mit namhaften Vereinen. Grundwasser im "Sandloch" machte sich bemerkbar und zwang den Verein nach kaum 3 Jahren zur Aufgabe des Geländes. In der oberen Hauptstraße neben dem Anwesen von Ph. Köhler wurde eine Spielstätte errichtet Die Räumlichkeiten waren begrenzt, so das es hier bald wieder zum Umzug kam. Auf Initiativen von Jean Rheinnecker konnte nach langwierigen Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung im Jahre 1911 das Gelände am "Luitpoldhain" erworben werden. Die Einweihung fand im September 1911 mit dem Fußballspiel 1. F.C. Arminia gegen den Karlsruher Fußballclub "Phönix" statt. Die Karlsruher siegten mit 6 : 1 Toren. 1911/1912 wurde Arminia 03 Meister der C - Klasse, 1912/1913 Meister der B - Klasse. Schon 1913/1914 spielte Arminia 03 in der A - Klasse und war ein ernsthafter Konkurrent.
In der Leichtathletikabteilung gab es in der damaligen Zeit große Erfolge. Georg Klamm, Jean Frech, Jean Rheinnecker, Christoph Böckler, Robert Schäfer, Karl Vay, Peter Horlacher und Jean Berg waren erfolgreiche Kämpfer. Jean Berg war einige Jahre Pfalzmeister über kürzere und mittlere Strecken. In den Wurfübungen waren Jean Rheinnecker und Chr. Böckler erste Sieger.
Einschnitte in den Spielbetrieb und das Vereinsleben brachte die Zeit des 1. Weltkrieges. Es wurde für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs eine Spielgemeinschaft mit dem damaligen Fußballclub "Olympia Rheingönheim" abgeschlossen. Das Vorhaben der Gemeindeverwaltung, den Sportplatz dem Anbau von Nahrungsmitteln dienstbar zu machen, konnte mit viel Mühe verhindert werden. Im 1. Weltkrieg haben 36 Sportkameraden ihr Leben verloren. Nach dem Krieg im Winter 1918/1919 wurde von den französischen Truppen die Holzumzäunung des Sportplatzes verfeuert. Der französischen Besatzungsbehörde musste in den Sommermonaten des Jahres 1919 der Sportplatz für militärische Übungen überlassen werden. Das Vereinslokal wurde im Jahre 1920 vom Gashaus "Zum Pfälzer Hof" in das Gashaus "Zur Krone" verlegt.
1924 wurde als Vereinslokal das Gashaus "Habereckel" gewählt.
1919/1920 gehörte "Arminia 03" der 1. Liga - Klasse an. Das Entscheidungsspiel gegen Wormatia Worms wurde mit 2 : 0 Toren gewonnen, aber die damalige Fußball - Verbandsbehörde annullierte dieses Spiel. Es bedeutete Abstieg. Der Siegeswille der Rheingönheimer war nicht zu brechen. Schon in der nächsten Saison konnte der Platz in der 1. Spielklasse zurückerkämpft werden. Es waren folgende Spieler die dem Verein sein Gepräge gaben:

Georg Neumann, Wilhelm Gimmy, Adam Hofer, Georg Seifried, Heinrich Deuschel, Martin Amberger, Paul Wild, Max Freundlich, Otto Fischer, Herrmann Lill, Heini Deuschel, Karl Baumann;

Trainiert wurde der 1. F.C. Arminia von Ingenieur Georg Rettelbach. Er kam vom FC Pfalz 03 Ludwigshafen und war später ein weithin bekannter Schiedsrichter. Einige Spieler wurden auch zu Spielen in die Auswahl des Gaues berufen. Im Jahre 1928 konnte das 25 - jährige Vereinsjubiläum gefeiert werden. Durch Abwanderung einiger Spieler wurde die Mannschaft geschwächt. 1934/1935 konnte die Kreismeisterschaft errungen werden. Die Zeit vor und während des 2. Weltkriegs hemmte eine Aufwärtsentwicklung. Die Auflösung der Rheingönheimer Turn - und Sportvereine durch die politische Gauleitung brachte den Rheingönheimer Großverein "Turn - und Sportgemeinde Rheingönheim". Nach dem Ende des 2. Weltkrieg war zunächst an ein Vereinsleben nicht zu denken. Der Sportplatz glich einer Wüste. Nach Instandsetzungsarbeiten kehrte langsam der Spielbetrieb wieder ein. Im Jahre 1949 konnte ein Eröffnungsspiel gegen Basel stattfinden. Im Oktober 1949 wurde die Einführung des alten Vereinsnamen
"1. F.C. Arminia 03" auf einer Mitgliederversammlung beschlossen.
1950/1951 spielte man in der Landes - Liga - Vorderpfalz und konnte den 2. Tabellenplatz hinter "Tura Ludwigshafen" erreichen, Durch die Einführung des Vertragspieler - System kam es zur Abwanderung bewährter Spieler. Die Spielstärke wurde geschwächt. Im Jahre 1953 konnte das 50 - jährige Vereinsjubiläum gefeiert werden. Nach diesem Jubiläum wechselten sich bis zum Jahre 1957 Richard Decker und Herbert Frey in der Position des 1. Vorsitzenden ab. Ihr Nachfolger, Ernst Bruch, konnte junge Mitglieder aufbauen und mit den Aufgaben der Vereinsführung vertraut machen. Im Jahre 1963 war es sportlich gelungen aus der A - Klasse in die II Amateurliga aufzusteigen. Der Aufstieg in die 1. Amateurliga erfolgte 1963. 9 Jahre später kam der Abstieg. Im Frühjahr 1977 wurde die neue Bezirkssportanlage eingeweiht. Auf dem alten Sportplatz "Am Hohen Weg" wurden 67 Jahre Fußball gespielt. Jetzt stehen ein GAG - Häuserblock und ein Altenwohnheim, erbaut in den Jahren 1980/1981, auf diesem Gelände.

Aus unserem Dorfgeschehen VIIIIn den Jahren 1905/1907 erfolgte nach Ankauf von Gelände der Bau der Mozartschule. Der erste Bauabschnitt ist 1907 fertig gestellt. Die Erweiterung erfolgte im Jahre 1912 unter Bürgermeister Peter Horlacher I. Die Schule hatte ein Türmchen auf dem Dach, dass wegen Bauschäden bei Renovierungsarbeiten 1937 abgerissen wurde. In der Schule befand sich ein Volks - und Schülerbad. Das Schulgebäude diente im 1. Weltkrieg als Lazarett. Ein neuer Schultrakt wurde 1960 erstellt. Der Bau der Turnhalle erfolgte im Jahre 1962. Ein Emblem mit der Abbildung Mozarts ist an der Ostseite der Schule (Hilgundstraße) sichtbar. In der Mozartschule wurde ein kleines Museum eingerichtet. Es ist der Verdienst von Rektor Theodor Berger und Walter Schäfer, die oft längst vergessene Schätze zusammengetragen, geordnet und aufbereitet haben. Es sind Schulgegenstände aus der Zeit der Großeltern, landwirtschaftliche Geräte und hauswirtschaftliche Dinge. Das Museum wurde am 10. November 1983 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Museum ist jeden 2.Samstag von 10 Uhr bis 12 Uhr nach Vereinbarung, oder an den Schultagen von 7.00 Uhr bis 14.00 Uhr geöffnet.

Am 17. März 1905 kam es zur Gründung des Pfälzer Waldvereins, Ortsgruppe Rheingönheim.

Im Jahre 1906 wird ein neuer Friedhof, sowie eine Friedhofshalle im Westen unseres Dorfes angelegt.

Was die elektrische Straßenbahn anging, so wurde in unserem Ort zwar Interesse bekundet, doch wollte man erst einmal alles genau ausleuchten, vor allem was die Kosten betraf. Nach allerhand Querelen mit der Stadt Ludwigshafen, Rückfragen, Beratungen über Kosten und Auflagen, fuhr dann am 3. März 1907 der erste Wagen der "Elektrischen" probeweise von Mundenheim nach Rheingönheim. Beschlossen wurde dies in einer Sitzung am 21. Februar 1907. Am 28.März 1907 wurde die Verbindung in Betrieb genommen. Dies erfolgte ohne offizielle Feier, ganz still und leise. Der Lärm von Hunden, Hähnen, Kühen aus den Bauernhöfen, das Geholper der Bauernfuhrwerke auf dem Kopfsteinpflaster sowie die schrillen Töne der "Elektrischen" bildeten Jahrzehnte den Geräuschpegel in der Hauptstraße. Heute sind es die Autos. Die Endhaltestelle war am Rheingönheimer Gemeindehaus. Die unfallträchtige Kurve an der Weizenbierbrauerei erhielt ihre besondere Brisanz durch die Straßenbahn. Erst im Jahre 1972 wurden die Straßenbahn aus dem Ortskern herausgenommen, und führt seitdem zwischen der Kornackerstraße und Almelstraße, an den Nachtweidgärten entlang zu der Schleife am Sportplatz der "TG Frei Heil". Hier ist die Endhaltestelle. Mit Bussen gelangt man heute von hier aus nach Altrip oder über Neuhofen, Waldsee, Otterstadt nach Speyer. Bis heute wird die "Elektrische" von unseren Bürgern gern als Beförderungsmittel in die Stadt angenommen.
Am 29.November 1907 erging eine Bitte der jüdischen Kulturgemeinde an den Gemeinderat, hier einen jüdischen Friedhof errichten zu dürfen. Am 28. Februar 1908 wurde eine abschlägige Antwort erteilt, mit dem Vorschlag des Gemeinderates, die Israeliten bei den Christen zu beerdigen. Am 23. November 1908 bat der Vorsitzende des Synagogenausschusses noch einmal die Gemeinde Rheingönheim um Überlassung eines Begräbnisplatzes für die jüdischen Bürger. Auch dieser Bitte wurde nicht stattgegeben. Eine Parzelle auf dem ortseigenen Friedhof für Israeliten lehnte wiederum die jüdische Kultusgemeinde ab. So wurden bis zum "Dritten Reich" Rheingönheims jüdische Bürger auf den jüdischen Friedhöfen ( hebräisch: Bejt Olam - Haus der Ewigkeit oder Bejt Ha´ Chajim - Haus des Lebens genannt ) in Neuhofen, Waldsee oder Otterstadt beigesetzt.

Im Jahre 1909 erfolgt die Eröffnung einer Apotheke (Wilhelm Becker).

Das Dorf bekam eine Gasbeleuchtung.

Im Jahre 1909 fanden in Rheingönheim Gemeinderatswahlen statt. Ergebnislisten von dieser Wahl liegen nicht vor. Der Chronist vermerkte deshalb: einstimmig gewählt wurde Peter Horlacher I., Buchdrucker; Peter Ullrich, Lagerhalter als Adjunkt ( Amtsgehilfe ); Johannes Reimer, Schlossermeister, II. Adjunkt.
Damaliger Kommentar: "Hatte die Gemeindevertretung bisher meist bäuerlichen Charakter, so bekam diesmal die Vereinigte Arbeiterpartei die Mehrheit".
Die Wahlergebnisse verdeutlichen die Umschichtung der Rheingönheimer Bevölkerung vom bäuerlich - bürgerlichen Element hin zur Arbeiterschaft. Im Jahre 1910 wurde Peter Horlacher I. in sein Amt eingeführt und war damit der erste sozialdemokratische Bürgermeister im linksrheinischen Bayern, unserer Pfalz.

Im Jahre 1909 wurde der Fußballverein "Olympia Rheingönheim" gegründet und wandelte sich im Jahre 1919 zum Bühnenkultur - und Volksbildungsverein 09" um. Mit Bühnenaufführungen "Die Räuber", "Der Meineidbauer", "Lumpazi Vagabundus", "Die drei Musketiere", hat dieser Verein in Rheingönheim kulturelle Zeichen gesetzt. Das Gasthaus "Zum Löwen" mit seinem Theatersaal erlebte die Höhepunkte des "Bühnen - und Volksbildungsverein 09". Im Jahre 1933 hat man den Verein verboten.

Gründung des Karnevalsverein Klotzgrumbeer 1909 Rheingönheim e.V.Die KG "Klotzgrumbeer" ist aus einer Unterabteilung des Turnvereins Rheingönheim entstanden. Durch Mitglieder des Turnvereins e. V. Rheingönheim kam es ab 1897 zu Aufführungen von Theaterstücken. Die Mitglieder schlossen sich zu einer Abteilung zusammen und wollten dem Verein bei besonderen Veranstaltungen durch Witz und Humor dienen. Dieser kleine Kreis von Personen gründete dann im Jahre 1900 eine Kneip - Abteilung mit Herrn Johann Wild als 1. Kneipwart an der Spitze. Das Lokal befand sich im Nebenzimmer "Zum Habereckl", wo früher das Gasthaus "Zum Habereckl" stand, steht heute die VR - Bank. Herr Wild mit seinen ureigenen komischen Vorträgen gestaltete die Abende immer lebendig. Die Mitgliederzahl der Abteilung stieg in kurzer Zeit an. Die Veranstaltungen brachten immer mehr Geld ein. Besonders in der Fastnachtzeit entwickelte sich reges Leben. Der Kassenbestand erlaubte schon im Jahre 1903 eine Burenkapelle (Bauernkapelle) zu gründen, die bei ihrem Umzug allen Einwohnern am Fastnachtdienstag große Freude bereitete. Im Jahre 1909 verwandelte sich diese Abteilung in eine karnevalistische Gesellschaft, deren 1. Präsident Herr Michael Baumann X. wurde. Das Gründungsprotokoll vom 23. Februar 1909 hat folgenden Wortlaut: " Turnverein Rheingönheim e. V. Abteilung Turnerkneipe" Gründung Fastnachtsdienstag 1909. Schon im Jahre 1910, gestärkt durch neue Mitglieder, fand der erste Karnevalszug, der sich nunmehr bezeichnenden Karnevalgesellschaft "Klotzgrumbeer", Abteilung Kneipe des Turnvereins Rheingönheim mit 22 Nummern statt. Herr Peter Deuschel, Hintergasse, schwang damals als erster Prinz Karneval das Zepter. Im Jahre 1911 übernahm Joh. Roos den gleichen Posten.
Die Verkettung mit dem Turnverein brachte mit der Zeit Unannehmlichkeiten. Man beschloß als selbstständiger Verein aufzutreten. Der neu entstandene Verein hieß ab 13. Mai 1911 "Karnevalgesellschaft Klotzgrumbeer Rheingönheim". Der erste Präsident war Johann Wild. Seit Bestehen der "Klotzgrumbeer" gab es glanzvolle Tage, es gab aber auch Zeiten in denen das Barometer den Tiefstand erreichte. Immer wieder fanden sich Männer und Frauen mit Humor und Tatkraft, die sich der Fastnacht verschrieben haben. Die Veranstaltungen der KG "Klotzgrumbeer" bringen immer ein volles Haus und tolle Stimmung auf Bühne und Saal. Die Veranstaltungen werden bei der "Mutter" in der Turnhalle des TV - Rheingönheim durchgeführt. 2005 begann der Umbau eines Anwesens in der Hauptstraße 246 zum Vereinsheim.

1. Vorsitzenden der KG Klotzgrumbeer:

1909 bis 1910 Michael Baumann
1910 bis 1914 Johann Wild
1921 bis 1938 Johann Wild
1949 bis 1950 Johann Wild
1950 bis 1955 Johannes Schwäger
1955 bis 1984 Roland Ganzhorn
1984 bis 1994 Julius Gönnheimer
seit 1994 Gregor Seelinger

Präsidenten der KG Klotzgrumbeer:

1911 bis 1914 Johann Wild
1921 bis 1928 Johann Wild
1928 bis 1929 Hans Völker
1929 bis 1938 Johann Wild
1938 bis 1939 Hans Völker
1949 bis 1953 Eugen Neumann
1953 bis 1954 Karl Weckauf
1954 bis 1984 Roland Ganzhorn
1994 bis 1996 Gerlinde Pfaadt
1997 bis 2009 Andreas Köhler
2009 bis 2010 Michael Manz
2010 bis 2011 Karl Heinz Ries (Ehrenpräsident) - Kommissarisch


Nach dem 2. Weltkrieg gab es folgende Prinzessinnen der KG Klotzgrumbeer:

1949/50 Elisabeth I.

1950/51 Ruth I.

1951/52 Gisela I.

1952/53 Anneliese I.

1953/54 Annemirl I.

1954/55 Anita I.

1955/56 Gertrud I.

1956/57 Sylvia I.

1957/58 Helga I.

1958/1959, 1959/60 u. 1960/61 Ursula I.

1961/62 Heidrun I. 

Marscholek, geb. Schwenk

Speer, geb. Dörrsam

Gebhard, geb. Gimmy

Waldmann, geb. Hechelhammer

Neumann, geb. Schärf

Bräuling, geb. Seibert

Wurth, geb. Etter

Buffo

Klein, geb. Magin

Ganzhorn

Layer

Nach der Kampagne 1961/1962 war es nicht mehr möglich junge Damen für die schönen, wenn auch anstrengenden Würden und Pflichten einer Prinzessin zu begeistern.

Aus unserem Dorfgeschehen IXIm Jahr 1910 führte der königl. bayer. Regierungsbezirk der Pfalz eine Volkszählung durch, die zu folgenden Eintragungen für unseren Ort führte:
Ärztliches Personal: Ewald Reiß, Zahnarzt
Pharmazeutisches Personal: P. W. Becker
Katholische Kirche: Josef Fuder, Dekanat Speyer
Protestantische Kirche: Jakob Knecht, Dekanat Ludwigshafen
Gendarmerie Abteilung: 1 Wachtmeister, 2 Gendarmen;
Postamt III. Klasse: Expeditor: W. Kaßner - Adjunkt: P. Niemes
Bahnhofs Personal: Bahnverwalter: K. Zimmermann - Bahnsekretäre: E. Bruch, A. Ungefeht, J. Weckauf;
Gemeindebehörden: Bürgermeister: Peter Horlacher I. - Adjunkt: J. Reimer, P. Ullrich II.;
Gemeindebeamter: Franz Paul
Gemeindeeinnehmer: Adolf Decker
Volksschule Personal: J. Flörchinger, O. Kuhn, A. Bayer, M. Eckert, K. Maurer, K. Brauchles, W. Möhlhäuser, E. Schneider,F. Decker, E. Fugger, J. Schäfer, J. Schmidt, O. Reinheimer, H. Sauer, E. Knapp;

Endgültige Ergebnisse:

Katholisch 1214
Protestantisch 2937
Israelitisch 37
sonstige 45
Im Ganzen 4233


Im Jahre 1910 kam es wieder zu Hochwasser. Durch den Einsatz von elektrischen Pumpen konnte der Schaden in Grenzen gehalten werden.

In den Jahren 1909 bis 1914 erfolgte der Ausbau und die Kanalisierung der Ortsstraßen und deren teilweise Pflasterung. Im Jahre 1911 beschloss der Gemeinderat den Anschluss der Gemeinde an das Wasserleitungsnetz. Im Jahre 1913 war es soweit, dass die Haushalte an die Wasserversorgung angeschlossen werden konnten. Die Brunnen aus alter Zeit in Straßen und Höfen verschwanden einer nach dem anderen und damit ein Stück Romantik. Die nachfolgenden Jahre waren Zeiten des Fortschritts und des Aufbaus zum Wohle der Bürger.
Im Dorf wurden 79 Feuerlöschhydranten aufgestellt.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1911 wurde Josef Jakob aus Büdingen (Lothringen) als Vorbeter, Religionslehrer und Schächter in der jüdischen Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen eingesetzt. Er richtete die Bitte an die Gemeinde, am Mittwoch - und Samstagnachmittag einen Schulsaal zur Religionsunterrichtserteilung benutzen zu dürfen.
Die Oberschulkommission gab am 10. Februar 1911 dieser Bitte statt.
(Josef Jakob wurde 1940 von Mannheim nach Polen deportiert und ist seitdem verschollen. Seine drei Töchter leben hoch betagt, unter uns).

Im Jahre 1911 fuhren die Pionier - Rennfahrer Fritz Erle und Jean Frey mit ihrem Benz bis an den Hof des russischen Zaren Nikolaus der II. Hier bekamen sie aus der Hand des Zaren den "Kaiserpreis". Jean Frey war der sogenannte "Schmiermax". Er musste als Mechaniker den Wagen warten. Man nannte ihn auch "Schoo". Der "Blitzbenz" hatte 200 PS und schaffte 165 Stundenkilometer, Am 6. Oktober 1912 wurde in Gaillone/Nordfrankreich ein Rennen gefahren. Dabei wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h bei 9 % Steigung erreicht. Im gleichen Jahr fuhren sie in einem Rennen auf einem zugefrorenen See in der Nähe von Stockholm vor dem damaligen Kronprinzen Bernadotte ins Ziel. Nach seiner Auto-Karriere betrieb der "Schoo" in Rheingönheim das Gasthaus "Pfälzer Hof".
Auch Ingenieur Karl Frey (Maschinenfabrik in der Hauptstraße) war einer der ersten Automobilisten in Rheingönheim. Er fuhr einen "Mass".

Im Jahre 1911 kam es zu einem leichten Erdbeben im Rheingraben. Dieses lässt in unserem Dorf für Sekunden die Häuser wackeln. Von Schäden wird nicht berichtet.

Im Jahre 1911 wurde die Musikkapelle Konrad Grün gegründet. Diese war bei allen Dorffestlichkeiten engagiert.

Im Jahre 1911 nimmt die Knochen ,- Fettschmelze und Siederei Buchholz ihren Betrieb auf.

Im Jahre 1912/1913 wurde das Römerkastell im Sommerfeld am Hohen Weg entdeckt. Es kam zu Grabungsarbeiten. Siehe "Rheingönheims Weg durch die Geschichte" Teil 1.

Im Jahre 1914 wurde durch Gemeindebeschluss die Ehrung des Wohltäters der Gemeinde, Geh. - Rat Dr. Karl Reis festgelegt. Siehe "Rheingönheims Weg durch die Zeit" Teil 1.

Am Sonntag, dem 5. Juli 1914 fand die Grundsteinlegung für die katholische Kirche in der Kirchenstraße statt (heute Carolistraße). In Vertretung des Bischofs nahm die feierliche Handlung Dekan Hildenbrand vor. An St. Nikolaus, dem 6. Dezember 1915, wurde die Kirche St. Joseph geweiht. Es wurde die III. katholische Pfarrei (1. Pfarrei von 1204 bis 1556, 2. Pfarrei von 1699 bis 1798). Am 25. Juni 1903 wurde Rheingönheim als Filialgemeinde aus dem Pfarrverband mit Mundenheim gelöst und zum dritten Mal als Pfarrei Rheingönheim errichtet.

Der Erste WeltkriegAm 28. Juni 1914 wurde der österreichisch - ungarische Thronfolger Franz Ferdinand zusammen mit seiner Frau in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo erschossen. Franz Ferdinand war für einen südslawischen Teilstaat mit dem Zentrum Agram innerhalb der Doppelmonarchie eingetreten, was vielleicht das Nationalitätenproblem entschärft hätte und somit keineswegs in den Interessen Serbiens lag. Hinter dem Attentäter lagen serbische Drahtzieher. Das deutsche Reich sicherte Österreich Bündnistreue zu. Mit dieser Rückendeckung wurde Serbien der Krieg erklärt. Nun waren natürlich wieder andere Nationen mit den Serben durch Bündnisse verpflichtet, und innerhalb kürzester Zeit scheiterten alle Bemühungen, die Furie des Krieges aufzuhalten. Alle Diplomatie versagte. Deutschland war zu dieser Zeit eines der stärksten industrialisierten Länder und trat an der Seite Österreich - Ungarns in den 1. Weltkrieg ein. Italien ging nach anfänglicher Neutralität zu den Alliierten über. Die militärische Führung unter Hindenburg und Ludendorff bekam ab 1916 wachsenden Einfluss auf die deutsche Politik. Im Jahre 1917 wurde der unbeschränkte U-Boot-Krieg beschlossen. Dadurch kam es zur Kriegserklärung der USA an das Deutsche Reich. In Rußland kam es im März und Oktober 1917 zu Revolutionen. Die Zarenherrschaft wurde weggefegt. Die Russen schlossen mit Deutschland einen Waffenstillstand. Im selben Monat begannen in Brest - Litowsk die Friedensverhandlungen. Die Mittelmächte stellten territoriale Forderungen. Rußland lehnte ab. Es kam durch deutsche Truppen zu Gebietsbesetzungen. Die russische Räterepublik sah sich gezwungen Anfang 1918 den Friedensvertrag zu unterschreiben. In Deutschland verschlechterte sich die Versorgungslage seit Herbst 1916 drastisch. Es gab über 1 Million Gefallene. Eine deutliche Kriegsmüdigkeit machte sich in der Bevölkerung bemerkbar. Im Januar 1918 kam es infolge der schlechten Ernährungslage und der Kriegsmüdigkeit zu einem Massenstreik der Munitionsarbeiter. Der Streik wurde nach einer Woche beendet. Die Anführer wurden an die Front geschickt, wo sie nun erst recht gegen den Krieg argumentierten. Während des Streiks waren Vertrauensleute und Gewerkschaftler ins Streikkomitee gewählt worden. Auch wenn der Streik und seine Folgen keine direkten Auswirkungen auf den Kriegsablauf hatte, so diente er später konservativen Kreisen u. a. als Anlass für die "Dolchstoßlegende", die von den Militärs in Umlauf gebracht wurde. Somit wollte man den Linken die Schuld am verlorenen Krieg zuweisen. Durch den Frieden mit Rußland war Deutschland vom Zweifrontenkrieg befreit. Die oberste Heeresleitung versuchte nun im Westen die Entscheidung zu erzwingen. Die deutschen Armeen trugen im Frühjahr 1918 vier begrenzte Offensiven vor, die erhebliche Geländegewinne, aber strategisch keine Vorteile brachten. Frühjahr und Frühsommer brachten trotz hohen Einsatz an der Westfront keine Wende. Der letzte große Angriff an der Marne stieß auf eine französische Bereitstellung. Der Gegenstoß riß die deutsche Front weit auf. Es stürmten Franzosen, Amerikaner unterstützt von Engländern. Deutscher Rückzug war angesagt. Der Krieg war verloren. Ludendorff verlangte von den Politikern politische Maßnahmen einzuleiten. Er verlangte die sofortige Einleitung von Waffenstillstandsverhandlungen. Deutschlands Verbündete waren inzwischen dem Zusammenbruch nahe. Bulgarien und die Türkei hatten um Waffenstillstand gebeten. Die Doppelmonarchie Österreich - Ungarn zeigte deutliche Zerfallserscheinungen und löste sich im Oktober 1918 auf. Deutschland stand allein. Um besser als legitimierte Verhandlungspartner auftreten zu können, gelangten zwei Sozialdemokraten als Staatssekretäre in ein deutsches Ministeramt. Der Reichstag beschloss die Reichsverfassung in Richtung auf eine parlamentarisch - demokratische Monarchie zu verändern. Wilhelm II. setzte die Reform in Kraft. Überraschend plädierte die Oberste Heeresleitung nun doch noch für eine Fortsetzung des Krieges und Kampf bis zum Untergang. Diese selbstmörderische Idee von Ludendorff konnte jedoch bei der Reichsregierung nicht durchgesetzt werden. Der Admiralsstab gab Befehl zum Auslauf der Flotte gegen die englische Küste. Es kam zu Meutereien der Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel. Hier übernahm der Arbeiter - und Matrosenrat im November die Macht. Die revolutionäre Bewegung breitete sich auf alle Industriegebiete aus. Am 9. November erreichte die revolutionäre Welle Berlin, wo ein Generalstreik ausbrach. Wilhelm II. dankte ab. Reichskanzler wurde der in Heidelberg geborene F. Ebert. Die Republik wurde gleich zweimal ausgerufen, einmal von Scheidemann als "Freie Deutsche Republik" und dann von K. Liebknecht als "Sozialistische Republik". Der Kaiser floh in die Niederlande. Am 11. November unterzeichnete die deutsche Waffenkommission in Compiegne die harten Bedingungen der Alliierten. Der Krieg war beendet, das wilheminische Kaiserreich zerbrochen.

Aus unserem Dorfgeschehen XAm 1. August des Jahres 1914 um 17.35 Uhr ergeht an die Bevölkerung Rheingönheims die Mobilmachung. Es begann eine furchtbare Hektik in allen Häusern.
Doch charakteristisch für die damalige Zeit überdeckte das heroische Denken das Furchtbare. Übertönten patriotische Lieder auf den Straßen und in den Lokalen unseres Dorfes bis tief in die Nacht jegliche Angst und Tragik. Ewa 600 Bürger Rheingönheims wurden zu den Waffen gerufen. Auf Anregung von Bürgermeister Peter Horlacher I. wurde dem Roten Kreuz von Rheingönheim die Mozartschule zur Errichtung eines Lazaretts mit annähernd 100 Betten zur Verfügung gestellt. Große Hilfe bei der Durchführung dieses Vorhabens erhielt unser Dorf von der Firma Gebr. Giulini durch größere Geldspenden sowie die Bereitstellung der erforderlichen Betten. Finanziell beteiligten sich auch die Zuckerfabrik Friedensau sowie einige ortsansässige mittelständische Unternehmen.
Die erste Belegung des Lazaretts war am 23. August 1914, und schon bald waren Räume von Verwundeten gefüllt. Viele freiwillige Helferinnen und Schwestern beider Konfessionen boten gastliche und hilfreiche Pflege den Soldaten aus allen Teilen des Reiches. Die Schwestern und Helferinnen waren Rheingönheimer Bürgerstöchter z. B. A. von Zschok, Emma Bernhardt, Susanne Gimmy, Elise Rheinnecker, Paula Baumann, Anna Reimer, Babette Horlacher.
Geleitet wurde das Lazarett von Dr. T. Runck aus Mundenheim, verwaltet von Frau Anna Paul und Franz Paul vom Roten Kreuz. Mehr als 75 freiwillige Helferinnen und Pflegerinnen vom Roten Kreuz waren unermüdlich im Einsatz. Ebenso waren viele Sanitäter als Krankenwärter tätig. Die Sanitätskolonne des Deutschen Roten Kreuzes mit ihren Kolonnenärzten Dr. E. Reis und Dr. T. Runck führten Übungen in den Rheinauen durch.
Die Auflösung des Lazaretts erfolgte am 21. November 1918, in diesem Zeitraum wurden rund 2170 Verwundete in Rheingönheim gepflegt.

1915 brannten in der Hauptstraße sieben Bauernscheunen ab. Wegen dieses Scheunenbrandes ging das Gerücht durch das Dorf, die hier eingesetzten französischen Kriegsgefangenen hätten den Brand gelegt. Amtliche Untersuchungen ergaben, dass eine Selbstentzündung von eingelagertem Heu und Stroh die Ursache dieses verheerenden Brandes war.

Mit der Zeit schwand die Kriegsbegeisterung. Die Auswirkungen der Blockade zwang die Menschen zum Hungern. Lebensmittel wurden rationalisiert. Die durch Einberufung fehlenden Arbeitskräfte trugen ein weiteres zur Verschlechterung der allgemeinen Lage bei.

Pro Person wurden folgende Werte festgelegt:

160 g - Mehl mit Kleie pro Tag
135 g - Fleisch mit Knochen pro Woche
7 g - Butter am Tag
100 g - Hülsenfrüchte pro Tag
940 g - Kartoffeln pro Tag


Dies ergab nach einer Denkschrift des Reichsgesundheitsamtes eine rationierte Kost von rund 1000 Kalorien pro Tag und Person. Ein Erwachsener benötigt bei körperlicher Arbeit etwa 3000 Kalorien täglich.

Nach Ende des Krieges hatte Rheingönheim folgende Verluste zu beklagen (von 600 Kriegsteilnehmern):

Gefallene Soldaten: 130, Vermisste Soldaten: keine, Opfer unter der Zivilbevölkerung: keine;

Obwohl etwa 17 mal die Stadt Ludwigshafen mit Bomben belegt wurde und auch Mundenheim einmal getroffen wurde, blieb die Zivilbevölkerung unseres Dorfes verschont und hatte somit auch keine Zerstörungen zu beklagen.

Hauptgräberliste Eigene und Verbündete Heeresangehörige / Gemeinde Rheingönheim: Kreis Ludwigshafen a. Rh. - Provinz Pfalz

Georg Wilhelm Bauer

Jakob Gimmy

Jakob Hahl

W. Heinrich

Friedrich Hoffmann

Martin Lill

Ludwig Rheinerker

Otto H. Samuel

Otto H. Spitzer

Friedrich Hirsch

geb. 14.01.1898

geb. 30.05.1893

geb. 11.05.1872

geb. 25.05.1881

geb. 21.10.1890

geb. 13.11.1874

geb. 07.08.1892

geb. 26.05.1878

geb. 08.04.1897

geb. 03.08.1876

gefallen 29.08.1917

gefallen 18.11.1914

gefallen 10.04.1917

gefallen 16.08.1914

gefallen 08.11.1915

gefallen 13.02.1915

gefallen 08.09.1914

gefallen 31.07.1918

gefallen 18.10.1918

gefallen 09.10.1918

Soweit der Artikel aus der Zeitung, der in den Worten der damaligen Presse diese familiäre Tragödie beleuchtete. Nachfahren dieser Familie Schneider leben noch heute in Rheingönheim. Man sieht hieraus, dass auch in Friedenszeiten die Besetzung unseres Ortes Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert hat.

Feindliche Heeresangehörige sind auf dem Neuen Friedhof der Gemeinde Rheingönheim keine beigesetzt.

Nach dem 1. Weltkrieg hatten die französischen Truppen die Pfalz besetzt. Auch in Rheingönheim war 1918 und 1919 ein Zug Infanterie in den Bürgerhäusern einquartiert, die später in die Knoll - Kaserne nach Ludwigshafen verlegt wurden. Die Besatzungssoldaten wurden von ihrer Feldküche verpflegt. Die Rheingönheimer waren damals über das französische Weißbrot sehr erstaunt.

In einer Ausgabe des "General - Anzeiger" aus dem Jahre 1919 finden wir unter der Rubrik - Aus der Pfalz - folgenden Artikel:
"Rheingönheim, 12. Juni. Der Wirt "Zur Fischpfanne" Schneider wollte mit seinen beiden Söhnen im Alter von 31 und 38 Jahren Montagnacht in einem Nachen nach dem badischen Ufer fahren. Sie wurden von den französischen Posten bemerkt. Als sie auf Anruf nicht hielten, schoss der Posten und tötete den einen Sohn durch einen Halsschuss, den anderen durch zwei Bauchschüsse. Der Vater kehrte wieder um und brachte seine Söhne nur noch als Leichen nach Hause.
Aus welchem Grunde sie des nachts mit einem Nachen übersetzen wollten und auf den Anruf nicht hielten, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden."

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