Bayerischer RheinkreisNach der Katastrophe Napoleons in Rußland begannen die " Befreiungskriege ". Gestützt auf ein Bündnis mit Rußland, erließ der preußische König einen Aufruf zu einem Entscheidungskampf gegen Napoleon. Nach schwer erkauften Siegen bei Groß - Görschen ( Sachsen - Anhalt ) und Bautzen schloss Napoleon den Waffenstillstand von Pleiswitz. Rußland und Preußen benutzten diesen dazu, um ihre Allianz durch den Beitritt Österreichs, Englands, und Schwedens zu einer europäischen Koalition auszubauen. Der entscheidende Sieg über Napoleon wurde durch die Verbündeten in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 errungen. Alle Rheinbund - Staaten gingen nun zu den Verbündeten über. Bayern war durch den Vertrag von Ried auf die Seite Österreich umgeschwenkt und wurde somit zum Gegner des Korsen. Nach dem endgültigen Sieg über Napoleon zogen die Verbündeten in Paris ein. Napoleon wurde auf die Insel Elba verbannt. Der Wiener Kongreß nahm eine Neuordnung Europas vor. Durch Verhandlungen auf dem Wiener Kongreß kam die Pfalz zu Bayern. Wäre es nach Fürst Metternich gegangen, dann hätte nicht ein Wittelsbacher die linksrheinische Pfalz erhalten, sondern der österreichische Kaiser Franz.
Die Bayern mussten an Österreich Tirol und Vorarlberg zurückgeben. Man entschädigte Bayern mit den einst fürstbischhöflichen Gebieten von Würzburg mit Teilen von Kurmainz rund um Aschaffenburg. Der bayerische Außenposten auf der linken Rheinseite umfasste damals mit Homburg und St. Ingbert auch noch Gebietsteile des heutigen Saarlandes. Aufgrund der Bestimmungen des Vertrages von Versailles mussten diese Städte mit dem entsprechenden Gebiet im Jahre 1920 an das vom Völkerbund treuhänderisch verwaltete Saargebiet abgetreten werden.
Von 1816 bis zum Jahre 1838 blieb die ehemalige Kurpfalz als Bayerischer Rheinkreis bestehen, dann wurde das Ganze in Pfalz umbenannt. Zu verdanken ist die Umbenennung des Rheinkreises dem bayerischen König und Kunstmäzen Ludwig I., der übrigens 1848 wegen seiner Beziehungen zur Schauspielerin Lola Montez abdanken musste.
Ludwig I. von Bayern, der auch den Titel "Pfalzgraf bei Rhein" führte, entschloss sich im Jahre 1837, den acht bayerischen Kreisen ihre alten, historischen Namen wiederzugeben. Vermutlich war, nur 5 Jahre nach dem Hambacher Fest, das Motiv politischer Prägung. Die Absicht dürfte gewesen sein, bei den widerspenstigen Pfälzern etwas mehr Sympathien für den neuen Staat zu wecken. So hart die Zeiten unter den Franzosen auch gewesen sein mögen, so waren es doch einige Reformen und vor allen Dingen die liberale Gesetzgebung, die man in der Pfalz gewöhnt war. Die sture und gesetzestreue Handhabung der Vorschriften brachten den bayerischen Beamten nur abschätzend den Namen "Zwockel" ein. Die gewünschte Wirkung trat ein, als die Pfalz ihren alten Namen wieder erhielt. Es kamen wieder Bewegungen mit royalistischen Gepräge zum Vorschein. Die königliche Verordnung war Topmeldung des Tages und wurde auf der Titelseite des "Amts - und Intelligenzblatt des Königlich Bayerischen Rheinkreises" am 6. Dezember 1837 abgedruckt. Die damals noch in Speyer angesiedelte Kreisverwaltung unter dem Regierungspräsident Carl Theodor Fürst von Wrede erhielt den Namen "Königlich - Bayerische Regierung der Pfalz". Die Aufbruchstimmung, die im Jahre 1832 das Hambacher Fest zur ersten großen Protestveranstaltung in Deutschland machte ist auch für die Pfalz nicht ohne Folgen geblieben wie es sich als positiv in politischer und kultureller Ebene erweisen sollte.
Der Fortschritt der Kleinbürger und Bauern in der Mitbestimmung und Mitarbeit in den Kommunen und auf allen anderen politischen Ebenen war seit Hambach nicht mehr aufzuhalten. Die Bevormundung der Bürger ging ihrem Ende entgegen, auch die Fortschritte bei den deutschen Publizisten waren der beste Beweis für den rasanten Entwicklungstrend der "ungebildeten Leute".
Die Rheinbegradigung durch Johann Gottfried TullaWie aus alten Quellen ersichtlich, war der Rhein ein windungsreicher Mäanderlauf mit weit ausholende Schlingen. Immer wieder kam es zu Hochwasser in den Rheinauen. Felder wurden überschwemmt. Der in Karlsruhe 1770 als Sohn eines evangelischen Pfarrers geborene J. G. Tulla stand als Ingenieur in den Diensten des badischen Großherzog Karl und war mit seinem technischen Wissen seiner Zeit weit voraus. Er kam mit dem Vorschlag einer umfassenden Regulierung des Rheinstroms von Basel bis zur badisch - hessischen Grenze durchzuführen. Die Idee war die Strombahn zu verkürzen, um somit eine höhere Fließgeschwindigkeit zu erreichen. Dabei kommt es dann zur Eintiefung des Rheinstromes. Die Grundwasserstände und Hochwasserstände würden dadurch gesenkt werden. Eine geregelte Nutzung der Rheinniederungsflächen für Landwirtschaft, Verkehr und Besiedlung könnte ermöglicht werden. Auch die Grenzfrage mit Frankreich und der benachbarten Pfalz könnte durch die Rheinkorrektion bereinigt werden. Durch die immer währende Stromverlagerung des Rheins traten öfters Schwierigkeiten bei der Grenzfestlegung auf.
Nach anfänglichen Widerständen schaffte J. G. Tulla es, den bis dahin unberechenbaren Rhein zu bändigen. Ein Ende der großen Hochwasserkatastrophen und der Beginn von Schifffahrt und Handel war damit eingeläutet. Durchstiche gab es in Altrip, Otterstadt und Ketsch. Endlich konnten die Bewohner entlang des Rheins dem Winter und dem Frühjahr beruhigt entgegensehen, konnten ruhig schlafen ohne die Angst, im Schlaf in den Fluten zu ertrinken. Man konnte länger planen als bisher, und viele neue Siedler kamen in unsere Gegend. So hat Tullas Wirken bei uns in Rheingönheim nachhaltige Wirkung hinterlassen, und indirekt zur stärkeren Besiedlung und zur Gründung von Ludwigshafen beigetragen.
Bürgerliche Revolution von 1848 bis 1849Im März 1848 schlugen die freiheitlichen Bestrebungen des Hambacher Festes in eine echte Revolution um. Der Anstoß kam aus Frankreich wo die Februarrevolution die Monarchie gestürzt hatte. Die deutsche Revolution begann, der politischen Struktur des Reiches gemäß mit konkreten Aktionen in den einzelnen deutschen Ländern. Sie wurde vor allem vom Kleinbürgertum und der Handwerkerschaft getragen. Eine badische Volksversammlung begehrte Pressefreiheit, Schwurgerichte, Vereinsrecht, Bürgerwehr und ein deutsches Parlament. Da den Obrigkeiten überzeugende Machtmittel gegen eine derartige Massenerhebung fehlten wichen sie zurück, bewilligten die Forderungen und bildeten die Regierungen um. Man setzte prominente Liberale aus der bisherigen Opposition in die Regierung ein. Diese neuen Landesregierungen machten ohne Verzug Front gegen radikale Ausschreitungen auf der Straße. Sie wollten nicht unter Druck gesetzt werden. Aufstände in Wien und Prag wurden niedergeschlagen. Im preußischem Rheinland sowie in Berlin wurde ebenfalls seit der ersten Märzdekade auf Versammlungen und in Petitionen Forderungen des Volkes laut. Der junkerliche Hochmut wusste nur mit den Waffen darauf zu antworten. Es floss Blut in Berlins Straßen. Mit dem König waren Pressefreiheit und Einberufung einer neuen Session des vereinigten Landtags schon bewilligt. Sie jubelten ihm bei einer Demonstration vor dem Schloss zu. Die Stimmung schlug jedoch um, als Soldaten den Platz räumen sollten. Schüsse genügten, um die Stadt in offene Rebellion zu versetzen und Barrikaden zu errichten. Die schlecht bewaffneten Verteidiger mussten sich zurückziehen. Die Truppen waren ebenfalls erschöpft. Der König stellte sich unter den Schutz der Bevölkerung. Damit hatte auch in Preußen im ersten Ansturm die Revolution gesiegt. Auch Preußen bekam nun seine Märzminister. Auch hier zeigte sich, dass das in Handel und Industrie verankerte Großbürgertum als soziale Gruppe den Liberalismus trug. Schon bald kam es zum schleichenden Verlust der eben erst errungenen Volkssouveränität. In Preußen wurde nach dem Scheitern der Revolution von 1848/1849 die Verfassung stark zugunsten der konservativen Kräfte umgestaltet.
Die Volkserhebung unter dem Leitspruch "Deutsche Republik! Wohlstand, Bildung, Freiheit für alle!" hinterließ auch in Rheingönheim ihre Spuren. Die badischen Freiheitskämpfer Friedrich Hacker und Gustav von Struve (beide später im amerikanischen Rezessionskrieg 1861 - 1865 als Offiziere auf Seiten der Union kämpfend) brachten ihre Freikorps über den Rhein auch nach Rheingönheim.
Mitte des Jahres 1849 war der Aufstand auch in der Pfalz niedergeschlagen. In einer zeitgenössischen Schilderung ist zu lesen:
"So war denn wieder allenthalben viel edles Blut geflossen, großes Unglück über zahllose Familien gebracht und die Opfer erwiesen sich alle erfolglos. Die Kerker füllten sich mit politischen Verbrechern, andere flohen zu Tausenden in das Ausland, was eine Abnahme der pfälzischen Bevölkerung von 30000 Personen verursachte. Und wie es gewöhnlich in solchen Fällen ist, so trat nach der Störung der ökonomischen Verhältnisse eine Periode schwerer Not und tiefen Elends ein".
Der Aufstand in der Pfalz wurde durch die Freischaren genährt und geführt. Junge Männer wurden zum Waffendienst bei den Freischaren gezwungen. Rheingönheim hatte in dieser Zeit oft Einquartierungen durch die Freischaren. Von den Bürgern bekamen sie gute Bewirtung. Ihr Benehmen war im allgemeinen gut. Die hiesigen jungen Leute, welche sich im Waffendienst üben mussten, exerzierten in Mutterstadt. Beim Herannahen der Preußen, welche die Aufstände niederzuschlagen suchten, zerstreuten sie sich in die benachbarten Ortschaften und kehrten von diesen Feldzügen immer wieder zurück.
Am Tag der Beschießung Ludwigshafens von Seiten der mit den Freischärlern verbündeten badischen Artillerie, welche die Preußen aus der Stadt vertreiben wollten, versetzte die Ankunft einer Eskadron schwarzer Husaren unsere hiesigen Freiheitsmänner in große Besorgnis. Nachdem die schwarzen Husaren sich überzeugt hatten, dass keine Freischaren im Dorf seien, biwakierten sie über Nacht an der Ludwigsbahn. Versorgen mit Lebensmitteln musste sie die Gemeinde. Die Rheingönheimer Bürger wurden gezwungen die Eisenbahnschienen des Bahnkörpers mitsamt den Schwellen bis zum Mutterstadter Weg zu demontieren. Diese mussten eine Ackerlänge in das freie Feld hineingetragen werden. Nach hergestellter Ruhe mussten sich wegen dieser Handlung Bürgermeister Johann Frey I. und Adjunkt Christof Frey vor dem Gericht in Frankenthal verantworten, "wurden aber in Anbetracht des Zwanges von Seiten der Preußen" freigesprochen.
Wie Aufzeichnungen bezeugen wurden weitere Gerichtsprozeße durchgeführt:
Der 10. Zeuge, August Grüner, 47 Jahre alt, Steuer - und Gemeindeeinnehmer, in Rheingönheim wohnhaft, mit dem Beschuldigten weder verwandt noch verschwägert, bezeugt in einem Protokoll:
Am 18. Mai dieses Jahres (1849 ) in der Mittagszeit erschien der Militärkommissar Umbschneider mit dem Bürgermeister (Johannes) Frey I. (49 Jahre alt) und dem Gemeindeschreiber Hauck in meiner Wohnung, welche außerhalb mit allenfalls 60 bis 70 Bewaffneten vom Frei - Korps Blum umgeben waren. Diese Mannschaft war schon einige Tage hier unter der Anführung des Ober - Leutnants Pisoni im Quartier. Umbschneider zeigte mir eine Vollmacht, unterschrieben und besiegelt von Oberst Blenker, mit der Aufforderung, ihm meine Journale über Staatsgelder vorzuzeigen, welcher Aufforderung ich genügte. Hierbei ergab sich, dass der Vorrat an der Steuerkasse an barem Gelde f 56,49 betrug. Das Geld, das nach dem Frei - Korps - Führer Umbschneider hätte 79,49 betragen müssen, wurde konfisziert.
Ein weiteres Auftreten von Freischärlern schildert eine Vernehmung des Bürgermeisters Johann Frey I. durch Friedensrichter Carl Josef Falciola am 4. September 1849 in Rheingönheim:
Am 26. Mai 1849 schrieb mir Dr. Löwenthal (ehemals Arzt in Oggersheim) als Platzkommandant von Ludwigshafen (der Freischärler), dass ich die hiesige Bürgerwehr nach Ludwigshafen senden solle. Ich erwiderte sogleich, dass dieses nicht geschehen könne, weil täglich 20 bis 24 Mann auf Anordnung des Commissionärs Umbschneider Wachdienste am Rhein versehen müssten. Hiermit war dieser Gegenstand abgetan, und bemerkte ich, dass jedes Jahr vor Ankunft des Hochwassers, eine Rheinwache notwendig ist und dass gegen Ende Mai das Hochwasser vorhanden war.
Als 19. Zeuge bezeugte Christof Frey III., 37 Jahre alt, Adjunkt in Rheingönheim: in der ersten Junihälfte 1849 erschien Platzkommandant Louis (von Ludwigshafen) mit einer Schar Bürgerwehr mit dem Verhaftungsbefehl von Oberst Blenker (Freischärlerkommandant) ausgestellt, hier in Rheingönheim, zur Verhaftung des Ackerers Philipp Zickgraf und des Tagners Adam Scheuermann, "weil sie einen Wachdienst versäumt haben!"
Der die Verhöre führende Landrichter Carl Josef Falciola war in der Zeit von 1861 bis 1866 am Landgericht Ludwigshafen tätig. In dieser Zeit war er mit der Niederschrift der Rheingönheimer Geschichte beschäftigt.
Deutsch - Französischer Krieg 1870 bis 1871Das Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich gestaltete sich durch die Errichtung des Norddeutschen Bundes sehr gespannt. Das Verlangen Napoleons III. nach einer bindenden Verzichtserklärung Wilhelm I. auf die spanische Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen führte zu der von Bismarck redigierten Emser Depesche die dann den Deutsch - Französischen Krieg auslöste. Die deutschen Staaten traten, ihrem Bündnisvertrag mit dem Norddeutschen Bund entsprechend, in den Krieg gegen Frankreich ein.
Die Strategie des deutschen Generalstabschefs von Moltke war den Franzosen überlegen. Am 2. September musste eine bei Sedan eingeschlossene französische Hauptarmee unter Mac - Mahon kapitulieren. Unter den 80000 Gefangenen befand sich der Kaiser. In Paris wurde durch die Opposition die 3.Republik ausgerufen. Schließlich erzwangen Belagerung und Beschießung von Paris durch das deutsche Heer am 28. Januar 1871 den Waffenstillstand. Während die Radikalen den Krieg weiterführen wollten, ergaben Wahlen eine zum Frieden bereite gemäßigte Mehrheit. Nach 100 Tagen kehrten die siegreichen deutschen Heere in die Heimat zurück. Frankreich verpflichtet sich zur Zahlung von 5 Mrd. Franc Kriegsentschädigung. Es musste Elsaß und Teile von Lothringen mit Metz abtreten. Das Reichsland "Elsaß - Lothringen" entstand.
Nach der allgemeinen Mobilmachung wurde überall unter Leitung der Ärzte Verbandszeug bereitet, es wurden Socken gestrickt, Unterhosen, Jacken und Pulswärmer gefertigt und Geldsammlungen durchgeführt. An den Bahnstationen wurden den Soldaten Lebensmittel aller Art gereicht.
Unser Dorf Rheingönheim stand im Dienste der Truppenverpflegung nicht zurück. Es bildete sich zu Beginn des Krieges ein Sanitätskomitee. Dieses bestand aus dem Bürgermeister, dem Pfarrer und den Lehrern. Durch die Mitglieder des Komitees wurden wöchentlich Geldsammlungen veranstaltet, Lebensmittel und Kleidungsstücke auf dem Gemeindehaus entgegengenommen. Diese Gaben kamen dann nach Ludwigshafen zur Weiterleitung. Wie rege Rheingönheim betreffs der Truppenverpflegung war, bezeugen Rechnungen von 1870/1871, nach welchen abgeliefert wurden:
764 fl bares Geld ( ca. 130000 Mark )
9 Fuhren Lebensmittel
2 Fuhren Stroh
170 Paar Socken
74 Leibbinden
73 Paar Unterhosen
73 Pulswärmer
100 Wollene Hemden
Auch musste für einen Abend eine Eskadron preußischer Landwehrhusaren (185 Mann) verköstigt werden, welche bei Rheingönheim auf dem Weg zur Front übernachteten. Es mussten Frohnfuhren nach Frankreich durchgeführt werden. Wagen, Pferde und Fuhrmann wurden "dienstverpflichtet". Mehrere Rheingönheimer Bürger waren im Feindesland. Einige kamen nach 14 Tagen, andere erst nach 5 bis 6 Wochen, nicht gerade im besten Zustand, zurück.
Viele Wunden schlug der mörderische Krieg und so blieben auch aus unserem Dorf von 85 Teilnehmern dieses Krieges 9 Söhne auf dem Felde, und brachte so viel Leid und Elend nach Rheingönheim. Da gab es Familien, die gleich mehrere ihrer Söhne eingebüßt hatten. Für die Gefallenen des Krieges setzte man im September 1886 vor der protestantischen Kirche ein Denkmal. Die tief empfundene Inschrift des Kriegerdenkmals " Dulce et decorum est pro patria mori " wird der Nachwelt stets eine Mahnung sein, der tapferen Toten in Ehren zu gedenken. Es wurde im Frühjahr 1958 mit der Umfriedungsmauer und dem kelchförmig angeordneten Steingelände abgerissen. Die Gedenkplatten mit den Namen der Gefallenen wurden vor dem Kirchturm in die Erde verankert.
In Rheingönheim fand am 3. März 1871 die Friedensfeier statt. Hierbei war besonders die Jugend aktiv dabei. Aus welchen Gesichtspunkten man damals das Ganze gesehen hatte, zeigen uns die Texte der Lieder, die auf der Friedensfeier gesungen wurden. So unter anderem:
"Bin ich erst groß, geht's wieder los - so bin ich auch dabei!"
Zur Erinnerung an diese Feier wurden im Frühjahr 1872 vor der Kirche zwei Friedenslinden gepflanzt.
Das Ergebnis des Krieges war die Wiedergründung des deutschen Reiches am 18. Januar 1871 in Versailles. Der nach Rheingönheim eingeheiratete Daniel Hölzel erlebte als Feldwebel des hessischen Leibgarde - Infanterieregiments die Kaiserproklamation. Er musste in seinen alten Tagen immer wieder von dem Ereignis in Versailles erzählen. Daniel Hölzel starb 1938 im Alter von 88 Jahren.
Aus unserem Dorfgeschehen IIIn den Jahren 1811 bis 1813 erfolgt der Bau einer Straße von Speyer nach Mannheim durch unseren Ort. Es muss die heutige Bundesstraße B 9 einmündend in die B 44 sein.
Im Monat Februar 1814 mussten Rheingönheimer Bürger zum Unterhalt der stationierten russischen Parks Fourage in Mutterstadt folgendes liefern:
885 Liter Hafer ohne Spelz
895 kg Heu
Geistlicher Grundbesitz wurde versteigert. Es kam zum Kauf durch folgende Bürger unseres Dorfes:
Adam Frey 625 Frs
Peter Kirschner 725 Frs
Michel Deischel 1100 Frs
Peter Gimmig 870 Frs
In den Heimatblättern für Ludwigshafen und Umgebung Nr. 9 + 10/1929 wird über durchgeführte Versteigerungen in Mainz von Nationalgütern aus Stadt und Bezirk Ludwigshafen a. Rh. berichtet.
Der Umfang der in Mainz zur Versteigerung kommenden Güter betrug:
Rheingönheim 49,77 Hektar oder 207 Morgen.
Es ging dabei in erster Linie um das Schönfeldergut.
An Kirchengütern standen zur Versteigerung:
1 Gut der geistl. Verwaltung Heidelberg, genannt das Hördergut mit etwa 102 Morgen Fläche, wurde unter anderem ersteigert von Johannes Frey aus unserem Ort.
Aus einer Übersicht über das Budget der Rheingönheimer Gemeinde für das Jahr 1816 ist folgendes zu entnehmen:
Bevölkerung 750 Seelen
Verzeichnis der Einnahmen und Ausgaben
Erste Abteilung Gemeinde = Einnahmen
Mehrbetrag der Einnahmen des letzten Jahres 295,50
Forderungen an Frankreich 1815/1816 1500, -
Hauptsumme 1795,50
Übersicht sämtlicher Schulden der Gemeinde Rheingönheim
1. Ältere Schulden bis 1813
a) an liquidierten Passivkapitalien 19730,62
b) rückständige Interessen Vendemiaire 8504,30
c) an laufenden Interessen 786,53
d) wegen verschiedener Forderungen 947,07
Hauptsumme 29968,52
2. Neue Kriegsschulden
aus dem Jahre 1813 bis 1815 keine
Wiederholung
1. Ältere Gemeinde = Schulden 29968,52
2. Neuere Gemeinde = Kriegsschulden - -
Totalsumme 29968,52
Die Zuständigkeit fällt für diese Übersicht in den Kreis Frankenthal - Bürgermeisterei Neuhofen. Die Zugehörigkeit für das Budget unseres Dorfes unterlag mit fortschreitender Zeit Veränderungen.
Budget 1850
Bürgermeister Rheingönheim
Land - Kommissariat Speyer
Königreich Bayern/Pfalz
Gemeinde - Journal 1849
Gemeinde Rheingönheim
Kanton Mutterstadt
Land - Kommissariat Speyer
Einnahmen und Ausgaben 1899
Gemeinde Rheingönheim
Kanton Ludwigshafen a. Rh.
Bezirksamt Ludwigshafen a. Rh.
Königl. Bayer. Regierungsbezirk der Pfalz
Bau eines Schulhauses in den Jahren 1828 bis 1830Über den Bau eines Schulhauses wird berichtet:
Der französische General Melac schenkte früher der Gemeinde ein Haus, das er als Pferdestall hatte bauen lassen. Dieses wurde von der evangelischen Gemeinde als Schulhaus eingerichtet. Der Oberschultheiß Peter Henrici, katholischen Glaubens, ließ das Schulhaus im Jahre 1709, um die Evangelischen zu schädigen, niederreißen. Das jetzige große Schulhaus gemeint ist die "Rheinschule" Ecke Hoher Weg/Schulgässel datiert aus den Jahren 1828 bis 1830. Um diese Zeit begann man auch den Bau des im Vorjahr niedergerissenen kleinen Schulhauses, an dessen Stelle jetzt ein geräumigeres und zweckentsprechenderes getreten ist. Der Standplatz dieses Schulhauses, das nirgends vermerkt ist, kann nur nach mündlichen Aussagen festgelegt werden. Nach diesen Aussagen soll es auf dem Gelände des heutigen Gemeindehauses gestanden haben und ist um 1880 auf Abriss verkauft worden.
Im Jahre 1831 wurde der rund um die Kirche bestehende Friedhof an das "Nordende des Ortes" verlegt. Hier befindet sich unser heutiger Mozartpark. Es gab in unserem Dorf einen Totengräber und einen Leichenbeschauer.
Im Jahre 1840 war unser Dorf ein typisches Straßendorf, das sich an der Hauptstraße entlang zog. Bebaut war das Dreieck Hauptstraße - Eisenbahnstraße - Kirchenstraße (die heutige Carolistraße). Weiter waren die Luitpoldstraße (heute Hoher Weg), die Kirchhofstraße (heute die Hilgundstraße), die Schwanengasse, die Sandgasse und der Brückweg an ihrem Anfang zur Einmündung in die Hauptstraße mit nur wenigen Häusern bebaut. Es gab damals 117 Häuser im Ort Rheingönheim, davon 66 in der Hauptstraße. Weitere Straßen gab es nicht. Zu dieser Zeit also war Rheingönheim ein kleines Dorf. Hausbau gab es noch im Schulgässel und in der Hintergasse, der heutigen Schmiedegasse. Diese war noch nicht bis zur Riedlang durchgebaut. Die Hintergasse hörte in halber Länge auf. Die Straßenflächen waren nur geschottert. Links und rechts am Straßenrand verliefen unbefestigte Wasserrinnen, die das Regenwasser versickern ließen.
Rheingönheim aber wuchs weiter. Im Jahre 1871 gab es schon 276 Häuser. Es wurde die Riedlang gebaut, die Von-der-Tann-Straße (jetzt Reinwaltstraße), die Hartmannstraße (jetzt Benngewannstraße). Weitergebaut wurde die Hauptstraße in Richtung Mundenheim, die Schwanengasse, Sandgasse und die Wilhelmstraße (jetzt Fritz-Schmidt-Straße ).
Trotz den schweren Zeiten der Bürgerrevolution baute der Staat Bayern die Ludwigsbahn von Ludwigshafen nach Neustadt. Am 10. Juni 1847 waren die Einweihungsfeierlichkeiten. Im Jahre 1849 wurde das hiesige Bahnhofsgebäude errichtet.
Im Jahr 1851 wird in der "Friedensau" eine Zuckerfabrik gebaut, die jedoch durch die Bildung der Gemeinde Limburgerhof im Jahre 1929 unserem Dorf verloren geht.
In den Jahren 1857/58 wurde das heutige protestantische Pfarrhaus gebaut.
Unwetter mit Hagelschlag vernichten im Jahre 1863 die ganze Ernte in unserem Dorf.
Ein Chronist berichtet, dass am 21. August 1864 auf dem Hof des Bauern Konrad Fischer III. erstmals mit einer Dampfdreschmaschine Getreide gedroschen wird.
Gründung des Männergesangverein 1865 e.V.Im Juli 1865 wurde der Männergesangverein 1865 e.V. Rheingönheim gegründet. Die Initiatoren der Vereinsgründung waren drei in Rheingönheim tätige Lehrer, die Herren N. Thirolff, J. Grübel und L. Schuster. Das Gründungsprotokoll trägt die Unterschrift von 9 Rheingönheimer Bürgern, deren Familiennamen noch heute hier gegenwärtig sind. Unterschrieben haben, P. Braun, P. Völker, P. Riedle, J. Müller, K. Baumann, A. Börstler, L. Frey, J. Baumann, J. Schärff. Als Vereinsdiener ist Martin Schäfer aufgeführt, den man mit einer jährlichen Vergütung von 12 fl (Gulden = ca. 21 Mark) bedachte. Man hielt Konzerte ab, besuchte Gesangvereine der Umgebung zur Pflege des anspruchsvollen Chorgesanges und des volkstümlichen Liedgutes. Das 60-jährige Vereinsjubiläum wurde 1925 festlich begangen. Da es nach den entbehrungsreichen Kriegs - und Nachkriegsjahren das erste Fest in Rheingönheim war, nahm die ganze Bevölkerung rege daran teil und noch lange Jahre wurde davon gesprochen. In der Nationalsozialistischen Zeit sollte auch der Männergesangverein "gleichgeschaltet" werden. Der damaligen Vereinsführung gebührt das Verdienst, diese Entwicklung verhindert und dem Verein sein Eigenleben erhalten zu haben. Dieses zahlte sich nach dem Krieg aus. Da der MGV nie politisch tätig war, erteilte im Jahre 1947 die Militärregierung offiziell die Genehmigung zur Weiterführung des Vereins. Das Vereinsleben lief wieder an. Konzerte und Ausflüge wurden durchgeführt. Im Jahre 1950 feierte man das 85 jährige Jubiläum in einem Festzelt im Luitpoldhain. Beim Kreisleistungssingen 1952 erhielt der Chor das Prädikat "sehr gut". 1957 fand eine Rundfunkaufnahme von Weihnachtsliedern mit dem Frauenchor "Leonore" statt. Im Jahr 1960 gab es anlässlich des 95 jährigen Vereinsjubiläums ein Chorkonzert mit Kammersänger F. Neidlinger. Bei der Teilnahme an der 100 Jahr-Feier des Pfälzischen Sängerbundes in Kaiserslautern wurde der Vortrag "Mohn" vom Südwestfunk übertragen. Im Jahre 1964 übernimmt Willi Eckrich als talentierter Chorleiter den Chor. Er hat das Vertrauen der Sänger erworben, so dass er noch heute dem Chor vorsteht.
Ein herausragendes Ereignis waren im Jahr 1965 die Veranstaltungen zur Hundertjahrfeier. Der 1. Vorsitzende E. Baumann konnte die Glückwünsche des damaligen Oberbürgermeister Dr. Werner Ludwig und Kulturminister Dr. Eduard Orth entgegennehmen. 1985 wurde das 120-jährige Jubiläum begangen. 1990 konnte das 125-jährige Jubiläum gefeiert werden. 1994 wurde der Chorleiters Willi Eckrich für 30 Jahre Chorleitertätigkeit geehrt. Ein Freundschaftssingen zum 130. Jubiläum des MGV mit den Eckrichchören und den Rheingönheimer Vereinen fand 1995 statt. Das Jubiläumskonzert in der ausverkauften Halle der TG "Frei Heil" in Rheingönheim. Auch das Jubiläumschonzert 2000 mit beiden Chören fand in der Turnhalle der TG "Frei Heil". statt Im November 2000 das Freundschaftssingen der Eckrich-Chöre, beide Veranstaltungen aus Anlass des 135 jährigen Vereinsjubiläum. Im 140sten Vereinsjahr findet in der Halle der TG erneut ein Freundschaftssingen statt. 390 Sängerinnen und Sänger gratulieren musikalisch. So folgt ein Ereignis dem anderen. Der Männergesangverein hat sich in der langen Zeitspanne seines Bestehen bis heute als ein engagierter Chor präsentiert.
Die 1. Vorsitzenden seit der Gründung:
1865 - 1867 Frey Christof II.
1868 - 1872 Müller Jakob I.
1873 -.1873 Frey Johannes IV.
1874 - 1876 Reich Johannes
1877 - 1877 Frey Jakob VI.
1878 - 1878 Frey Jakob VI.
1879 - 1884 Frey Jakob VI.
1885 - 1888 Müller Heinrich
1889 - 1889 Hoffmann Philipp
1890 - 1891 Müller Heinrich
1892 - 1896 Baumann Heinrich
1897 - 1903 Deuschel Jakob
1904 - 1904 Kolb Jakob
1905 - 1905 Hoffmann Philipp
1906 - 1910 Maurer Karl
1911 - 1918 Müller Karl
1919 - 1921 Fischer Christof IV.
1922 - 1925 Fischer Christof IV.
1926 - 1928 Fischer Christof IV.
1929 - 1940 Fischer Christof IV.
1941 - 1944 Fischer Christof IV.
1945 - 1948 Fischer Christof IV
1948 - 1953 Gimmy Jakob
1953 - 1970 Baumann Ernst
1967 - 1970 Baumann Ernst
1970 - 1976 Weiß Heinz
1976 - 1981 Weiß Heinz
1981 - 1989 Zettler Otto
1989 - 1999 Gimmy Gerhard
1999 - 2003 Schmidt Gerhard
seit 2003 Köster Horst
Dirigenten seit der Gründung:
1865 - 1868 Thirolf, Grübel, Schuster
1869 - 1873 Thirolf, Grübel, Klein
1874 - 1876 Thirolf, Grübel, Maurer
1877 - 1879 Thirolf, Maurer
1880 - 1896 Maurer
1897 - 1907 Mühlhäußer
1908 - 1908 Schwarz
1909 - 1909 Maurer
1909 - 1923 Cammisar
1913 - 1918 Umlauf
1919 - 1923 Lamb
1923 - 1932 Umlauf
1933 - 1941 Landhäuser
1941 - 1943 Sieh
1946 - 1948 Arenz
1948 - 1964 Wolfgarten
1964 - 2006 Eckrich
seit 2007 Andreas Dammert
Aus unserem Dorfgeschehen IIIIm Jahr 1867 wird der Eisenbahn - Güterverkehr über die Rheinbrücke Ludwigshafen eingleisig eröffnet. Anschließend erfolgte die Freigabe für den Personenverkehr. Dieses brachte für unser Dorf Vorteile und Zeitersparnis.
Im gleichen Jahr wurde der Almenhorst, ein mit Eichenhochwald bewachsenem Gelände, abgeholzt und in Ackerland umgewandelt. Der Ertrag war 6844 fl = ca. 11730 Mark. Unbedachte Eingriffe in die Natur erfolgte zu allen Zeiten.







