Der Holländische Krieg 1672 bis 1679Der Holländische Krieg führte Franzosen, Schweden, Engländer, Niederländer, Österreicher, Spanier und Brandenburger in unser Gebiet. Die Fremden stehen in Plünderung und Zerstörung den anderen Truppen nicht nach.

Holland hat einen umfassenden französischen Erfolg in den spanischen Niederlanden verhindert. Der Sonnenkönig, Ludwig XIV., bereitete einen Vorstoß in die nördliche Niederlande vor. Die Seemacht Holland sollte ausgeschaltet werden. Durch eine pfälzisch - orleansche Heirat vermutete man in Versailles enge Beziehungen zwischen Holland und der Kurpfalz, die sich bei einem Krieg zugunsten der Holländer auswirken könnte. Bei Kriegsausbruch kam der erst 21 Jahre alte Wilhelm II. von Oranien an die Macht. Durch Zerstörung von Deichen und Öffnen von Schleusen hielten die Holländer die Franzosen auf. Man registriert in Wien die Verletzung der Reichsneutralität. Es kam 1674 zur Kriegserklärung des Reiches an Frankreich. Die Pfalz war in Auseinandersetzungen verwickelt. Karl Ludwig widersprach einem Gesuch um Durchmarsch kaiserlicher Truppen. Ebenso verweigerte er ein Gesuch, um Besatzungsrecht für Soldaten Ludwig XIV. in Oppenheim. Der Sonnenkönig fühlte sich brüskiert und ließ beim Durchmarsch seine von Turenne befehligten Truppen in der Pfalz wüten. Anschließend rückte General Vauban plündernd und zerstörend vor. Kaiserliche Truppen kamen zu Hilfe. Bei Rheingönheim rieben kaiserliche Truppen ein französisches Regiment auf. Dieser Erfolg nutzte den Pfälzern nur wenig. Die Franzosen wüteten weiter in unserer Gegend.

Der Friedensschluss von Nimwegen beendete den "Holländischen Krieg". Der Friede von Nimwegen hinderte den französischen König nicht an zusätzlichen Forderungen und Drohungen gegen die Kurpfalz. Die Kurpfalz zahlte für französische Garnisonen, die sich auf pfälzischem Boden eingerichtet hatten. Die militärische Übermacht Frankreichs war groß und es blieb der Pfalz keine andere Wahl als die Begleichung willkürlicher Rechnungen.

Der Pfälzische Erbfolgekrieg 1688 bis 1697Im Jahre 1685 erlosch die in der Kurpfalz regierende Dynastie Pfalz - Simmern. Der französische König Ludwig XIV. erhob für seine Schwägerin Liselotte von der Pfalz, die mit seinem Bruder Philipp Herzog von Orlean verheiratet war, Anspruch auf das Privatvermögen und Allodialnachlass ihres Bruders. Es kam zu keiner Einigung. Hierüber entbrannte schließlich 1688 der so genannte "Pfälzische Erbfolgekrieg". Not und Elend stürzten über unsere Gegend. Der Kriegsminister Louvois hatte nach Beratung mit Ludwig XIV. den Befehl gegeben " Brennen Sie die Pfalz nieder ".General Melac lässt fast alle Städte und Dörfer der Pfalz niederbrennen und verwüsten. Die Rehhütte ist gänzlich verwüstet, Maudach, Limburgerhof, Rheingönheim und Neuhofen fast menschenleer. In Schifferstadt leben noch ganze 3 Familien. Die planmäßige Zerstörung von Heidelberg beginnt am 2. März 1689, am 1. und 2. Juni brennt Speyer. Tief bewegt ist Liselotte von der Pfalz über das Vorgehen der Franzosen. Gern würde sie sich mit ihrem Blut und Leben aufopfern für die arme Pfalz. Ludwig XIV. rechnet nicht mit dem Entstehen einer mächtigen antifranzösischen Allianz von Kaiser, Reich und den Generalstaaten der dann noch England, Spanien und Schweden beitraten. Ein europäischer Krieg wurde nun begonnen. Ludwig XIV. musste schließlich im Frieden von Rigswigk im Jahr 1697 unter Verzicht auf die Reunionen mit Ausnahme Straßburgs zurückweichen. Ebenso verlor Frankreich Gebiete an der Saar, Freiburg sowie Breisach. Landau wurde von nun an französisches Staatsgebiet.

Durch Vertrag an die KurpfalzUnser Dorf Rheingönheim hatte einen recht komplizierten Strukturaufbau der Herrschaftsrechte. Sicher scheinen die Wild - und Rheingrafen die Oberherren des Dorfes gewesen zu sein, während die Herren von Hirschhorn die niedere und obere Gerichtsbarkeit als deren Lehenträger besaßen. Es kam immer wieder zu Streitigkeiten. Für die Wild - und Rheingrafen war unser Dorf in einer geographischen Lage die unangenehm war. Unser Dorf wurde das Austauschobjekt gegen das die Kurpfalz auf Rechte in den Orten der Wild - und Rheingrafen verzichtete.

So sagt eine Urkunde vom 2. Mai 1698:

"Leopold Wilhelm und Friedrich Wilhelm, Gebrüder, Wildgrafen zu Dhaun und Kürburg, Rheingrafen zum Stein, ratifizieren den von ihnen und der Kurpfalz Räten zu Düsseldorf unterm 18. Februar 1698 abgeschlossenen Vertrag, daß die wildgräflichen Brüder an Kurpfalz abtreten das Allodialdorf (Eigengut im Gegensatz zum Lehengut) Rheingönheim, mit allen hohen und niederen Gerichtsbarkeit, somit aller bischöflichen Rechte und Verpflegung der Beamten bei Anwesenheit im Orte." Man kann hier schon von einer sogenannten Gebietsbereinigung sprechen.

Oberamt NeustadtNeustadt liegt am Rand des Pfälzer Waldes. Gegründet um das Jahr 1220 wahrscheinlich durch den Wittelsbacher Pfalzgrafen Ludwig I. war diese Stadt lange Zeit der bestimmende rechtliche und geistige Faktor in unserer Gegend. Im Jahr 1255 erscheint "Nuwenstat" als Mitglied des rheinischen Städtebundes. Rudolf von Habsburg hatte ihr im Jahr 1275 Stadtrechte verliehen. Neustadt hieß bis zum Jahr 1936 "Neustadt an der Haardt". Dann wurde es in "Neustadt an der Weinstraße" umbenannt.

Der ursprüngliche Machtbereich waren nur etwa 6 Dörfer im engeren Einzugsbereich. Diesen relativ kleinen Bereich benutzten die Pfalzgrafen zur Ausdehnung ihres Machtbereichs, der in der Bezeichnung Oberamt Neustadt/Oberschultheißerei Oggersheim in die geschichtlichen Annalen eingehen sollte. Für die pfalzgräfliche Territorialexpansion war es vor allen Dingen wichtig, einen Keil zwischen Worms und Speyer zu schieben. So kamen in kürzester Zeit Friesenheim, Oppau, Edigheim, Eppstein, Lambsheim, Dannstadt, Mutterstadt, Meckenheim und der Hemshof in den Machtbereich des Oberamtes Neustadt. Die mächtigste Verstärkung war der Erwerb von Oggersheim von den Grafen von Leiningen. Oggersheim wurde zur wichtigsten administrativen Untereinheit des Neustadter Amtes - zur Oberschultheißerei Oggersheim.

Durch einen Austauschvertrag mit den Wild - und Rheingrafen wurde Rheingönheim wie schon erwähnt im Jahre 1698 kurpfälzisch. Mit einem gleichen Vertrag gelangten auch Mundenheim und Maudach an die Kurpfalz.

Besondere Bedeutung gewann hierbei die Rehhütte, ein im Jahre 1588 von Kurfürst Johann Casimir erworbener Gebäudekomplex, der als Zollstätte an der Grenze zum Hochstift Speyer und als Kontrollpunkt an der Geleitstraße Worms - Speyer fungierte. Und so wurde der Entwicklung zweier Städte in ihrer Vereinigung der Höhepunkt weltlichen Strebens nach Macht gesetzt, zusammen mit Neustadt als Oberamt und mit Oggersheim als Oberschultheißerei.

Der Begriff des politisch - verwaltungsmäßigen Zusammenhanges mehrerer Gemeinden wird verständlicher, wenn man weiß, dass bis zur Schwelle des 19. Jahrhunderts der Ortsvorsteher einer Gemeinde Schultheiß hieß - er war eine Obrigkeits- und Respektsperson, gewählt oder von oben eingesetzt - die hauptsächlich als Richter, aber auch als Verwaltungsbeamter fungierte. Mehrere Orte konnten unter einem Oberschultheiß zu einem Verwaltungs - und Rechtsprechungsbezirk zusammengefasst werden. Am Vorabend der französischen Revolution umfasste das Oberamt Neustadt rund 50 Orte. Das Oberamt nahm in weiteren 70 Städten und Dörfer zwischen Landau und Worms kurpfälzische Rechte wahr. Das Oberamt Neustadt gehörte zu den Größten der etwa 20 Oberämter der Kurpfalz.

Die Oberschultheißerei OggersheimDie Oberschultheißerei Oggersheim umfasste in ihrem Endzustand im ausgehenden 18. Jahrhundert folgende Orte: Edigheim, Oppau, Friesenheim, Hemshof, Maudach, Ruchheim, Fußgönheim, Schauernheim, Alsheim, Hochdorf, Assenheim, Mutterstadt, Dannstadt, Böhl, Iggelheim, Neuhofen, Rehhütte, Altrip, Rheingönheim und Mundenheim. Welche Stationen Rheingönheim brauchte um unter die Oberschultheißerei Oggersheim zu kommen wurde bereits berichtet.

Durch die letzte territoriale Vergrößerung der Oberschultheißerei um 1700 erfuhr auch die Titulatur eine Erweiterung, die allerdings nur gelegentlich auftrat. Als Überbleibsel aus der Hirschhorner Zeit tauchte nach dem Anfall an die Kurpfalz und der Zuordnung zum Oggersheimer Verwaltungsgebiet gelegentlich die Bezeichnung Oberschultheißerei Oggersheim - Rheingönheim auf.

Unter den Namen der Oberschultheißerei tauchen auch zwei Namen aus Rheingönheim auf, und zwar:

Henrici, 1713 bis 1733 Oberschultheiß zu Rheingönheim und zu Oggersheim
Franz von Vogel, 1775 bis 1782 Verwalter der Oberschultheißerei Oggersheim und Rheingönheim.

Der Spanische Erbfolgekrieg 1701 bis 1714Über die Frage der Thronnachfolge in Spanien, wo 1701 der letzte Habsburger starb, kam es zum nächsten europäischen Krieg, der erneut das Rheinland und Süddeutschland zum Schlachtfeld machte. Engländer, Niederländer, Österreicher, Franzosen, Bayern und Kölner kamen in unser Gebiet.

Wieder wurde die Rehhütte total zerstört. Am Speyerbach trifft man auf die Franzosen, welche die furchtbare Schlacht gewinnen. Der Speyerbach färbt sich rot, die Kaiserlichen weichen zurück. Alles wird geplündert, was in der weiten Umgebung zu finden ist. Hinzu kommt ein schreckliches Hochwasser, so dass alle Felder ersoffen. Mutterstadt ist vollständig ausgeplündert, die Einwohner zum größten Teil geflohen. Als Folge dieser in unserer Gegend stattfindenden Kampfhandlungen brannte unsere Kirche ab, wurde aber wenig später wieder aufgebaut.

Unser Dorf sowie alle anderen Orte entlang des Rheins meldeten "Land unter". Die Kaiserlichen beziehen Quartier im Großraum Speyer. Die Tagefröner müssen die Reinigung der Bäche abbrechen, um daheim die Familie vor Übergriffen der Kaiserlichen zu schützen. Die Soldaten behindern überall den normalen Tagesablauf. Die Felder beginnen wieder zu veröden. Leute werden abgestellt, müssen in Mannheim beim Wiederaufbau Frondienst leisten. Wegen ihres Glaubens wandern flüchtige Wallonen aus Frankreich in großer Zahl in unsere Gegend. Es ist ein dauerndes Kommen und Gehen.

Da schlug Prinz Eugen gemeinsam mit dem englischen Oberkommandierenden Marlborough, der sein englisch - holländisch - preußisches Heer schnell nach Süddeutschland dirigierte, die französisch - bayerische Koalition in der Schlacht bei Höchstadt und Blindheim an der Donau entscheidend. Die französischen Interventionsabsichten in West - Südwest - und Süddeutschland waren gescheitert. Diese kamen für Jahrzehnte zum Stillstand.

Der Polnische Erbfolgekrieg 1733 bis 1738Fast nahtlos, ohne größere Friedenszeit, kommt die nächste Auseinandersetzung auf die leidgeprüfte Bevölkerung zu. Nach Niederlagen im Türkenkrieg musste der Kaiser Karl VI. im Frieden von Belgrad auf Gebietserwerbungen verzichten. Dem Kaiser Karl VI. ging es jetzt um die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion (grundlegendes Staatsgesetz) durch die europäischen Großmächte und dem Reich. Das Vertragswerk sollte den habsburgerischen Gesamtbesitz seiner Tochter Maria Theresia sichern. Kursachsen ließ sich 1733 die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion durch die Zusage quittieren, dass der Kaiser die polnische Thronkandidatur von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, des Sohns August des Starken, unterstütze. Dadurch wurde Österreich in den polnischen Thronfolgekrieg mit hineingezogen. Dem sächsischen Kurfürsten brachte es den polnischen Thron. Stanislaus Leszczynski, der König von Polen, wurde vertrieben. Im Vorfrieden von Wien leistete er auf Polen Verzicht und bekam als Entschädigung das Herzogtum Lothringen. Bei seinem Tod fiel Lothringen, wie vertraglich vereinbart, an Frankreich.

Während des polnischen Thronfolgekrieges spielten sich auch einige Kampfhandlungen zwischen Frankreich und dem Kaiser hier in unserem Raum ab. Am 3. Mai 1734 ziehen Franzosen über die Rehhütte und Rheingönheim nach Worms. Im Winter 1733 - 1734 wird die Kirche zu Rheingönheim als Stallung benutzt. Das ganze Chorgestühl wird als Heizmaterial verbrannt. In der Nähe unseres Dorfes, bei der Rehbachmündung, bauen sie zur Sicherung des Übergangs nach Mannheim eine Sternschanze. Die ersten Truppen, also zweimal je 2500 Mann, wurden hinübergebootet, dann erst wurde die Schiffsbrücke geschlagen. Etwa eine Stunde Fußmarsch von der Festung Mannheim entfernt wurden die Heerlager aufgeschlagen. Viele Bürger unseres Dorfes müssen dabei Fronarbeit leisten. Auch bei der Rehhütte wird eine Schanze gebaut. Alle Orte werden total ausgeplündert, um die Truppen mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch die Städte Speyer, Worms, Oppenheim, Germersheim, Neustadt und Frankenthal wurden besetzt gehalten.

Österreichischer Erbfolgekrieg 1741 bis 1748Nach kurzer Verschnaufpause ist es in den Jahren 1741 bis 1748 dann der Österreichische Erbfolgekrieg, der unsere Dörfer an den Rand des totalen Ausblutens bringt.

Im Erbfolgekrieg ging es darum das Maria Theresia nach dem Tod ihres Vaters ihr Erbrecht verteidigen musste. Oberösterreich und Böhmen waren, durch eine antiösterreichische Koalition zwischen Frankreich, Spanien, Bayern, Preußen und Sachsen, besetzt. Maria Theresia bekam Unterstützung von den Madjaren. Sie konnte zur Offensive übergehen. Oberösterreich wurde zurückgewonnen und Bayern besetzt. Im Jahr 1742 schloss sie mit Friedrich II. Frieden. Unter Verzicht auf Schlesien bekam sie so freie Hand im Österreichischen Erbfolgekrieg. England trat in den Krieg und besiegte die Franzosen bei Dettingen a. Main. Die kaiserlich - bayrische Armee musste die Waffen strecken. Friedrich II. hatte nun Angst Schlesien zu verlieren und eröffnete den 2. Schlesischen Krieg (1744 bis 1745). Seine Siege bei Hohenfriedberg und Kesselsdorf zwangen Maria Theresia erneut zum Verzicht auf Schlesien.

Und wieder sind es die französischen Truppen, die uns das wenige an Lebensmitteln wegholen, das vorhanden ist. Das Gardecorps und das Hauptquartier sind in Mutterstadt, Limburgerhof, Rehhütte, Maudach und Rheingönheim und haben 12 Wochen unter den Franzosen zu leiden. Die Äcker sind völlig ruiniert, die Uferbefestigungen des Rehbaches durch Pferde total zerstört, Reben herausgerissen, Obstbäume abgehauen. Viele Bewohner unserer Gegend ziehen inzwischen eine Auswanderung vor. Ungarn, die Batschka, Südslavien und Rumänien sind das Ziel, viele wagen aber auch den Sprung in die "Neue Welt".

Der Siebenjährige Krieg 1756 bis 1763Immer mehr Leute aus unserer Gegend hatten es vorgezogen, den Kriegswirren auszuweichen, und waren ausgewandert. Einige Jahre waren nun schon Friedenszeiten gewesen, und die Leute hatten begonnen, ein normales Leben zu führen, die Felder zu bewirtschaften und Handel zu treiben. Da brach der Siebenjährige Krieg aus.

Es hatte sich eine Koalition zwischen Österreich, Frankreich und Rußland gebildet. Es war ein militärisches Vorgehen gegen Preußen zu erwarten. Mit dem Einmarsch in Sachsen kam im Jahre 1756 Friedrich II. seinen Gegnern zuvor. In einem Blitzkrieg wollte er Österreich besiegen. Nach schweren Niederlagen bei Kunersdorf musste Friedrich seine bis dahin offensive Kriegsführung auf hinhaltende Verteidigungsgefechte beschränken. Der unerwartete Tod der Zarin Elisabeth und damit das Ausscheiden Rußland sowie später auch Frankreich aus dem Krieg, zwang Österreich den Krieg zu beenden und auf Schlesien zu verzichten. Der preußisch - österreichische Friede wurde im Jagdschloss Hubertusburg geschlossen.

Die Selbstversorgung der Truppen verlangte von den Bauern unserer Gegend das Äußerste ab.

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